Stephan Arnhold (r.) und René Stepputtis erfuhren von den Vereinsvertretern beim KSB-Hauptausschuss viel Unterstützung. Foto: Wolfgang Gorsboth

Stephan Arnhold (r.) und René Stepputtis erfuhren von den Vereinsvertretern beim KSB-Hauptausschuss viel Unterstützung. Foto: Wolfgang Gorsboth

20.11.2018

Kein Vertrauen mehr für das Präsidium: Vorwurf des Dilettantismus

Fristlose Kündigung der KSB-Geschäftsführer: Turbulenter Hauptausschuss

Wittenberg (wg). „So einem Präsidium kann man schwer vertrauen, wir haben heute Transparenz und Klarheit erwartet, stattdessen erfahren wir, dass zum Hauptausschuss nicht ordnungsgemäß geladen wurde und dieser deshalb nicht beschlussfähig ist“, kritisierte Ulrich Kase, amtierender Vorsitzender des FC Grün-Weiß Piesteritz, „das ist an Dilettantismus nicht zu überbieten!“ 

 Von den 195 im Kreissportbund (KSB) Wittenberg organisierten Vereinen waren 58 zur ordentlichen Sitzung des Hauptausschusses Montagabend im Lutherhotel erschienen, allerdings wurden die fünf Kreisfachverbände nicht ordnungsgemäß geladen. KSB-Präsident Uwe Loos machte dafür Stephan Arnhold verantwortlich, dem KSB-Geschäftsführer wurde wie auch seinem Stellvertreter René Stepputtis am 22. Oktober fristlos vom KSB-Präsidium gekündigt, die Entscheidung fiel einstimmig (der Wittenberger Sonntag berichtete). 

Fakt ist aber, dass die Ladungsfrist zum Hauptausschuss, die zum 8. Oktober (sechs Wochen vorher) hätte erfolgen müssen, mit der Einberufung eines außerordentlichen Kreissporttages am 10. Oktober (vier Wochen vorher) nicht mehr gegeben war, was wiederum in der Verantwortung des Präsidiums liegt. 

Was die Kritik am Präsidium während der überaus turbulent verlaufenden Hauptausschuss-Sitzung zusätzlich befeuerte, war der befremdliche Sachverhalt, dass die beiden Geschäftsführer erst „erschossen“ wurden und offenbar danach mit der Aufarbeitung der Vorwürfe begonnen wurde. 

Gerüchte und Vermutungen, keine Beweise 

KSB-Präsident Uwe Loos betonte jedoch, die Trennung von den beiden Geschäftsführern sei keine leichte Entscheidung gewesen, es habe umfangreiche Gespräche gegeben - auch mit dem Landessportbund (LSB). Es habe viele Jahre lang Unstimmigkeiten, Arbeitsverweigerung, persönliche Bereicherung und Ignorieren von Arbeitsanweisungen des Präsidiums gegeben. 

Es seien weitreichende Verträge geschlossen worden, man habe eine willkürliche Vergütung bei ehrenamtlichen Helfern und Praktikanten festgestellt, zudem sei eine Vollzeitstelle eingerichtet worden ohne Information an das Präsidium. Aus alledem ergebe sich eine persönlich Vorteilnahe im vierstelligen Bereich, die durch die Geschäftsführung gedeckt worden sei. 

 „Es gab mehrere Abmahnungen an die beiden Geschäftsführer, ausgesprochen vom aktuellen Präsidium und vom Vorgänger-Präsidium“, erklärte Loss. In Gesprächen mit dem LSB habe man von weiteren schwerwiegenden Vergehen erfahren und daraufhin eine intensive Prüfung durchgeführt. 

Dabei sei festgestellt worden, dass private Veranstaltungen (gemeint ist das jährlich durchgeführte und von Stepputtis organisierte Zwillingstreffen) über den KSB abgerechnet worden seien. Ausdrücklich bezeichnete Loos diesen Sachverhalt als „Betrugstatbestand“, überdies seien weitere Indizien für eine persönliche Vorteilsnahme im hohen dreistelligen Bereich festgestellt worden. Der LSB habe dem KSB klar zu verstehen gegeben, dass man den beiden Geschäftsführern keine finanziellen Mittel mehr bereitstelle.

LSB-Vorstandsvorsitzender Lutz Bengsch erklärte, es habe beim KSB Wittenberg keine ordentliche Führung der Geschäfte gegeben, zudem habe der LSB Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Dessau gestellt – gegen unbekannt. In der vergangenen Woche habe man eine achtseitige Dokumentation mit den aufgelisteten Verfehlungen der beiden Geschäftsführer erhalten, jede einzelne wiege schwer. 

„Was uns vorliegt, rechtfertigt die fristlose Kündigung“, sagte Bengsch und ruderte sogleich zurück: Vieles sei noch in der Prüfung und die arbeitsrechtliche Bewertung der Kündigung sei Sache der Juristen. Der LSB werde eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragen, die Vorgänge zu untersuchen. 

Der  Fisch stinkt vom Kopf her 

„Wenn die Vorwürfe stimmen sollten, wieso waren dann die Abmahnungen juristisch nicht wasserdicht und wieso wurden keine Kontrollmechanismen eingeführt?“ kritisierte Christian Goßmann, Vorstand des A.F.C. Wittenberg Saints . „Das ist genauso eine dilettantische Leistung des Präsidiums, wie die Kündigung der beiden Geschäftsführer ohne zeitnahe Information der Öffentlichkeit. Die Vorgänge sind für die Außenwirkung des Sports in der Region katastrophal und wir Sportler fragen uns, ob der Fisch nicht vom Kopf her stinkt.“ 

Kritik gab es auch von André Chmilewski vom SSV Wittenberg: „Wir haben heute Statements gehört, aber keine Tatbestände, Anschuldigungen wurden als Tatsachen dargestellt, das sind sie aber erst, wenn sie durch ein Gericht bestätigt wurden, bislang gibt es nur Gerüchte.“ Jedes Jahr sei der Vorstand entlastet worden: „Wurde da etwas vertuscht, dann ist das eine Straftat. Wenn nicht, dann können angebliche frühere Verfehlungen heute keine Rolle mehr spielen.“ 

Eine nicht perfekte Geschäftsführung sei besser, als gar keine, denn jetzt herrsche Chaos. Es sei suggeriert worden, dass sich das Präsidium intensiv mit den beiden Geschäftsführern unterhalten habe, das träfe nicht zu. Präsidium und LSB müssten bedenken, wer den Sport – auch mit Events – in der Region nach vorne gebracht habe. 

„Das ganze Verfahren ist merkwürdig“, kritisierte Reinhard Rauschning vom HSV Senst, „erst wird gekündigt und dann geprüft, eine Beurlaubung hätte gereicht. Solange nichts bewiesen ist, gilt die Unschuldsvermutung.“ Dass LSB-Finanzvorstand Ines Kramer der KSB-Geschäftsführung „Fördermittelbetrug“ unterstellte, wurde von etlichen Vereinsvertretern als „Rufmord“ zurückgewiesen. 

Die Sympathien waren beim Hauptausschuss klar verteilt, wäre er beschlussfähig gewesen, wäre das gesamte Präsidium abgewählt worden. Genau das dürfte bei der nächsten und dann ordnungsgemäß einberufenen Sitzung passieren: „Wenn so viel schief gelaufen sein soll, warum werden die Geschäftsführer geschasst und das Präsidium kann weiter machen ohne Konsequenzen?“, lautete der Tenor bei den Vereinsvertretern.




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