Alizeta Zoungrana kümmert sich im Wittenberger Neuen Rathaus um Flüchtlinge und Migranten. Foto: Wolfgang Gorsboth

Alizeta Zoungrana kümmert sich im Wittenberger Neuen Rathaus um Flüchtlinge und Migranten. Foto: Wolfgang Gorsboth

16.11.2018

Frau aus Burkina Faso kümmert sich um Flüchtlinge und Migranten

Alizeta Zoungrana: Immer pünktlich auf Dienstgang

Wittenberg (wg). „Wer in Deutschland eine neue Heimat findet, ist verpflichtet, sich zu integrieren, die Gesetze des Gastlandes zu respektieren, bestehende Rechte und Pflichten zu übernehmen und zum Gemeinwohl beizutragen“, erklärt Alizeta Zoungrana im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Die 43-Jährige, die aus Burkina Faso stammt und im September die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt, arbeitet in der Stadtverwaltung als Mitarbeiterin der Gleichstellungsbeauftragten Christine Golly. 

Zuständig ist Zoungrana seit dem 7. März 2016 für Hilfe und Begleitung von Flüchtlingen und Migranten, Ende des Jahres läuft ihre über das Bundesprogramm „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“ geförderte Stelle aus. „Wir bemühen uns um eine Verlängerung, das Nachfolgeprogramm liegt bereits vor, wurde aber noch nicht vom Bundestag verabschiedet“, berichtet Golly, in deren Zuständigkeit auch die Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund gehört. Alleine sei die Arbeit nicht zu bewältigen.

„Integration bedeutet vor allem lernen, lernen, lernen“, sagt Zoungrana, „nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch Kultur, Geschichte und alles, was zu einem gelingenden Zusammenleben beiträgt, ob die Einhaltung der Hausordnung, Mülltrennung oder die Tatsache, dass Frauen in Deutschland gleichberechtigt sind.“ Menschen aus patriarchalisch strukturierten Ländern hätten Probleme zu akzeptieren, dass die Gleichberechtigung auch für ihre Frauen gilt und Gewalt in der Ehe verboten ist. 

„Wenn ich männliche Klienten kritisiere, weil sie etwas falsch gemacht haben, reagieren einige gereizt“, bestätigt Zoungrana, die ihre Klienten bei Behördengängen, Arzt- und Klinikbesuchen begleitet sowie beim Ausfüllen von Anträgen behilflich ist. In Halle hat sie eine spezielle Schulung absolviert, damit sie als Dolmetscherin im medizinischen Bereich arbeiten kann. 

Pro Woche betreut sie circa 30 Personen aus Irak, Syrien, Iran, aus afrikanischen Ländern, Kuba und Osteuropa, viele haben mehrere Probleme. „Die größte Hürde ist die deutsche Sprache“, betont Zoungrana, „wer in seiner Heimat keine Schule besuchen konnte und deshalb Analphabet ist, braucht besondere Unterstützung.“ Bewährt habe sich die Kombination von Sprachkurs und Praktika, auch die Mitgliedschaft in einem Sportverein fördere die Integration.

Klienten, die mit ihr einen Termin vereinbaren, müssen pünktlich sein, „eine positive deutsche Eigenschaft“, urteilt Zougrana. Bei Problemlösungen ist sie behilflich, wenn für Kinder Plätze in Kita oder Hort benötigt werden, damit Frauen an den Sprach- und Integrationskursen teilnehmen können. „Andere Menschen helfen macht Freude“, sagt Zoungrana und hofft auf das neue Förderprogramm des Bundes, damit ihre Stelle verlängert werden kann. 

Sprachtalent und Fußballerin 

Alizeta Zoungrana ist eine sprachbegabte Frau, die außer Deutsch auch Englisch und Französisch sowie die Nationalsprachen Mòoré (ihre Muttersprache), Dioula und Bambara spricht. In der Zwei-Millionen-Hauptstadt Ouagadougou absolvierte sie eine Ausbildung als Buchhalterin und spielte Fußball in der Frauennationalmannschaft. 

Sie konvertierte vom Islam zum Christentum und ließ sich 2004 taufen. „Das Christentum ist in Burkina Faso stark im Kommen, in unserem Land leben die verschiedenen Ethnien und Religionen friedlich miteinander“, betont Zoungrana, „zu Weihnachten kochen Christen für ihre muslimischen Nachbarn und Muslime laden Christen zum Zuckerfest ein.“ 

2007 kam sie nach Deutschland, wohnte erst in Bitterfeld und seit 2011 in Wittenberg. Zu Hause spricht sie mit ihren beiden Kindern Deutsch und Französisch, weil ein zweisprachiges Aufwachsen viele Vorteile bietet. 

Etliche Wittenberger dürften die junge Frau 2017 beim vierten Wittenberger Abend während der Weltausstellung Reformation erlebt haben: Da stand sie mit ihrer Gruppe „Lagamtaba“ (zu deutsch: „Gemeinsam“) auf der Bühne. Die Band gibt regelmäßig Trommel-Workshops für Kinder und Jugendliche, dabei werden auch Fragen zum Thema Afrika beantwortet.




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