Spezialisten bei der Arbeit. Links: Aus Dessau wurde der auch auf Brandgeschehen ausgebildete Polizeihund „Bane“ an den Tatort geholt. Rechts: Die vom Hund angezeigten Spuren werden gesichert und zwecks Untersuchung zum Landeskriminalamt gebracht. Fotos: Wolfgang Marchewka

Spezialisten bei der Arbeit. Links: Aus Dessau wurde der auch auf Brandgeschehen ausgebildete Polizeihund „Bane“ an den Tatort geholt. Rechts: Die vom Hund angezeigten Spuren werden gesichert und zwecks Untersuchung zum Landeskriminalamt gebracht. Fotos: Wolfgang Marchewka

10.11.2018

OB Zugehör appelliert an die Bürgerschaft, sich nicht spalten zu lassen

Flüchtlingsboot: Ein Denkmal der Weltausstellung in Brand gesetzt

Wittenberg (wg). In der Nacht vom 9. auf dem 10. November 1938 brannten in Deutschland die Synagogen, 80 Jahre später brannte das Flüchtlingsboot am Schwanenteich. Oberbürgermeister Torsten Zugehör, der gemeinsam mit Bürgermeister Jochen Kirchner am Samstagmorgen eine Eilpressekonferenz im Neuen Rathaus abhielt, geht davon aus, dass diese mutmaßliche Brandstiftung in unmittelbaren Zusammenhang zu den Gedenkveranstaltungen am Abend des 9. Novembers steht. 

„Erst stirbt die Sprache, dann die Kultur“, erklärte der OB mit Blick auf die Kommentare in den sogenannten Sozialen Netzwerken, wo unverhohlen und hämisch verbal Beifall geklatscht wird. An die Stadtgesellschaft appellierte Zugehör, sich nicht spalten zu lassen. 

Der mutmaßliche Brandsanschlag stelle eine zutiefst undemokratische Tat dar. Das Boot, Teil der Weltausstellung Reformation im Torraum „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“, war ein Geschenk des Vereins Reformationsjubiläum 2017 an die Stadt, untersetzt durch einen eindeutigen Stadtratsbeschluss. 

 „Demokratie bedeutet, den Bürgerwillen zu akzeptieren und dieser Bürgerwille wird durch die Entscheidung der Stadträte als gewählte Vertreter der Bürgerschaft dokumentiert“, betonte Zugehör. Der feige Brandanschlag missachte den Bürgerwillen und sei zugleich eine Missachtung dessen, was die vielen engagierten Mitarbeiter der Weltausstellung Reformation für die Stadt geleistet hätten.

Der OB erinnere auch daran, dass der von der AfD eingebrachte Antrag, dass Flüchtlingsboot als „Müll und Schrott zu entsorgen“, mit eindeutiger Stadtratsmehrheit abgelehnt worden sei. „Wer aber Worte wie ‚Müll’ und ‚Schrott’ für ein Boot verwendet, auf dem mehr als 240 Männer, Frauen und Kinder unter lebensgefährlichen Umständen von Nordafrika über das Mittelmeer nach Südeuropa flüchteten, der setzt die Hemmschwelle für Straftaten nach unten.“ 

Am Abend zuvor hatte Richard Wiener, Ehrenbürger der Lutherstadt, der als jüdisches Kind vor der Nazis erst nach England und dann in die USA flüchten musste, präzise geschildert, wie Menschen zu Sündenböcken gemacht werden, wenn ein Land Probleme hat: Erst werden sie systematisch entwürdigt, dann erniedrigt, verfolgt und getötet. 

„Einige werden vielleicht sagen, alles nicht so schlimm, war doch nur ein Flüchtlingsboot“, so Zugehör und warnte: „Auch heute gibt es Probleme und die Suche nach Sündenböcken. Jeder sollte sich kritisch nach seiner Mitverantwortung hinterfragen, ob er mit seinen sprachlichen Äußerungen dazu beiträgt, dass sich Teile der unsäglichen deutschen Geschichte wiederholen.“ 

Das Flüchtlingsboot mit der Nummer 653, das am Schwanenteich als „Denkmal der Menschlichkeit, Konsequenz und Rechtsstaatlichkeit“ steht, so lautetet der Stadtratsbeschluss, wurde mutmaßlich in den Morgenstunden des 10. Novembers in Brand gesetzt. Die Feuerwehr wurde um 4.16 Uhr informiert, der Einsatz konnte um 5.38 Uhr beendet werden. 

Derzeit ist die Spurensicherung der Kriminalpolizei Dessau am abgesperrten Tatort. Die Steuerkabine des Schiffes wurde vollständig zerstört, der Rumpf beschädigt. „Wir werden am Montag mit Fachleuten den Schaden begutachten“, kündigte der OB an. Was mit dem beschädigten Boot passiere, wolle er mit den Fraktionsvorsitzenden im Ältestenrat besprechen: „Wir werden keine emotionalen Entscheidungen treffen, erst der Kopf, dann die Muskeln.“




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