Reformationsfest 2018 in Wittenberg: Blick durch eine Braterei auf den vollen Marktplatz. Der Versuch der Ver.di-Funktionäre, dem Traditionsfest „mangelnde Strahlkraft“ zu bescheinigen, hat sich als „gewerkschaftliches Eigentor des Jahres" entpuppt. Foto: Wolfgang Marchewka

Reformationsfest 2018 in Wittenberg: Blick durch eine Braterei auf den vollen Marktplatz. Der Versuch der Ver.di-Funktionäre, dem Traditionsfest „mangelnde Strahlkraft“ zu bescheinigen, hat sich als „gewerkschaftliches Eigentor des Jahres" entpuppt. Foto: Wolfgang Marchewka

04.11.2018

Ein Klartext-Kommentar von Wolfgang Marchewka

Esel auf dünnem Eis

„Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis“, lautet ein gut bekanntes deutsches Sprichwort. Es bedeutet, dass Erfolge oder anhaltende positive Situationen häufig zu Übermut oder Selbstüberschätzung führen und als Folge jemanden zu dummen und unüberlegten Handlungen verleiten. 

Doch was passiert, wenn nicht ein Esel, sondern sich gleich mehrere miteinander aufs Eis begeben und dieses Eis dabei immer dünner wird? Ein Sprichwort für so einen Vorgang ist uns nicht bekannt, höchstens eine Abkürzung: Verdi. 

Die sich wie die erwähnten Eis-Esel verhaltende Riege der „Ver.di“-Funktionäre nennt sich noch immer „Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft“ und merkt in ihrem sprichwörtlichen Übermut nicht, dass ihr Verhalten mit „Vereinigte Dienstleistungsverhinderer“ treffender beschrieben wäre. 

Womit wir bei dem untauglichen Versuch dieser sich eselig verhaltenden Genossen wären, das Reformationsfest in Wittenberg per Gerichtsbeschluss zu behindern.

Dienstleistung: Noch nie ist dieser Begriff so sehr verhöhnt worden, wie durch das Verhalten besagter Ver.di-Funktionäre vor dem Reformationsfest. Denn nichts anderes als von Arroganz geprägter Hohn ist es, den in der Wittenberger Altstadt angesiedelten Gewerbetreibenden und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gerichtlich verbieten lassen zu wollen, die in ihrem Beruf typischen Dienstleistungen für die Allgemeinheit zu erbringen.

Zum erwähnten Hohn passt die von Ver.di dem Gericht gegebene Begründung für den Verbotsversuch: mangelnde Strahlkraft des Reformationsfestes. Wenn Esel Fußball spielen könnten, würde man das als Eigentor bezeichnen: Die Wittenberger Innenstadt war wie an kaum einen anderen Tag voll mit Menschen, und es kamen nicht nur Besucherinnen und Besucher aus Stadt und Kreis Wittenberg, sondern zahlreiche Touristen aus ganz Deutschland und sogar aus dem angrenzenden Ausland waren angereist, was anhand der Nummernschilder an den überreichlich vorhandenen Pkw leicht zu erkennen war. 

Nun kann man ja durchaus Sympathie haben mit der Einstellung einiger Zeitgenossen, die sich über jeden arbeitsfreien Tag freuen. Allerdings berechtigt diese Einstellung nicht dazu, arbeitswilligen Menschen ihre Tätigkeit zu verbieten. Außerdem: Es gab mal Zeiten, in denen die Menschen auch in Deutschland darunter litten, keine Arbeit zu haben. Leiden sie heute, weil sie Arbeit haben? 

Schließlich können die an diesem Feiertag arbeitsunwilligen Menschen auch einmal darüber nachdenken, warum der 31. Oktober ein Feiertag ist. Setzte da nicht ein gewisser Martin Luther sein Leben aufs Spiel, um Reformen und mehr Freiheit für die Allgemeinheit zu erreichen? Niemand muss ein Freund der Kirche sein, allerdings wäre es überlegenswert, ob es gerechtfertigt ist, aus einem kirchlich geprägten Tag der Reformation einen weltlich geprägten Tag der Faulheit machen zu wollen. 

Aber wir können auch ganz weltlich nachdenken. Zum Beispiel über die Frage, wie pervers es denn wäre, wenn Lieschen Müller oder Max Mustermann den kirchlich begründeten freien Tag, an dem nach Meinung der Arbeitgegner niemand shoppen muss, zu nutzen, um ganz gemütlich im Internet zu shoppen? Der Onlinehandel kennt keinen Feiertag und diese Form des Einkaufens hat so zugenommen, dass die Postdienste die Paketflut kaum noch bewältigen können - und die Eigner von Amazon & Co. wissen kaum noch wohin mit den sprudelnden Milliarden.

Wen trifft das? Richtig, in erster Linie die kleinen Gewerbetreibenden und ihre Angestellten – und das auch in Wittenberg, und zwar so sehr, dass sich vor kurzem sogar der Stadtrat mit diesem Thema befasst hat.

Womit wir wieder bei den eseligen Ver.di-Funktionären wären, die auf dem Eis tanzen und dabei noch nicht einmal merken, dass dieses Eis immer dünner wird.





Videos Stimmen aus der Region

Oberbürgermeister Zugehör
Keine Angst – uns geht es gut
Kommunaler Bildungsbericht im Kreistag vorgestellt
Kreistag beschließt mehr Geld für die Sporthalle im Volkspark

Videos Politik

Bürgerforum Coswig
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 1
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 2

Videos Kultur

Neue Liedertour mit Karl Neukauf
75 Jahre Saxophone Joe
Alaris Schmetterlingspark.m4v
Dicke Luft und kein Verkehr - Der Zoff geht weiter
Jukebox im Clack Theater Wittenberg

Videos Auto

Volvo XC40 Winter-Testfahrten


Wittenberger Sonntag Verlags GmbH, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: