Bild: Referent Axel Schonert (l.) und die Gastgeber des MIT-Stammtisches, Claudia und Ulrich Rehhahn. Foto: Wolfgang Gorsboth

Bild: Referent Axel Schonert (l.) und die Gastgeber des MIT-Stammtisches, Claudia und Ulrich Rehhahn. Foto: Wolfgang Gorsboth

20.10.2018

Biologe Axel Schonert referierte auf Einladung der MIT

Moderner Artenschutz im „Kuhstall“ diskutiert

Wartenburg (wg). Kranich, Schlingnatter, Knoblauchkröte, Feldlerche und Co standen im Mittelpunkt des Stammtisches der Mittelstandsvereinigung (MIT) Gräfenhainichen, als perfekte Gastgeber erwiesen sich Claudia und Ulrich Rehhahn, die in ihren umgebauten „Kuhstall“ eingeladen hatten. Der Biologe Axel Schonert aus Bleddin widmete sich dem Thema „Moderner Artenschutz – wie und warum?“

Ein Thema, das ebenso spannend wie bedrückend sei, moderierte Ulrich Rehhahn: „Die Rote Liste der gefährdeten Arten ist 235 Seiten lang, betroffen sind nicht nur exotische Länder, sondern auch wir, der Handlungsbedarf ist enorm.“ Aber sei es akzeptabel, wenn Umweltschützer durch Einsprüche Straßenbaumaßnahmen verzögerten, wenn für den Wolf viel Geld ausgegeben werde, obwohl andere Arten stärker gefährdet seien und wenn der Biber trotz der Schäden, die er verursache, immer noch streng geschützt sei, obwohl er sich stark vermehrt habe? 

„Konflikte entstehen meist, wenn der Austausch von Argumenten fehlt“, betonte Axel Schonert, „dadurch entwickeln sich Feindbilder. Artenschutz bedeutet, sich mit vielen Widerständen auseinandersetzen zu müssen.“ Dabei sei nicht die seltene Kröte das Problem, sondern Bauplanungen, die geschützte Arten nicht rechtzeitig berücksichtigten. Die massive Abwanderung von CSU-Wählern zu den Grünen in Bayern habe gezeigt, dass Themen des Natur-, Arten- und Umweltschutzes in der breiten Öffentlichkeit angekommen sind.

Ornithologie made in Wittenberg

Ein klassischer Konflikt sind Windkraftanlagen, die einerseits zur Energie-Wende beitragen sollen, andererseits Vögel und Fledermäuse schreddern, darunter auch Störche und Seeadler, wie Schonert anhand schockierender Fotos zeigte. „Hier bedarf es einer besseren und standortgenaueren Prüfung“, erklärte der Fachmann, „in der Elbaue, wo sich die Zugrouten vieler Wasser- und anderer Vogelarten befinden, haben Windkraftanlagen nichts zu suchen.“ 

Der erfahrene Ornithologe Schonert ist Naturschutzbeauftragter des Landes Sachsen-Anhalt, Mitglied im Arbeitskreis Heimische Orchideen und Landeskoordinator für den Kranich. Bei der Erforschung des geschützten Vogels spielt der Kreis Wittenberg eine führende Rolle: „Durch die Kennzeichnung junger Kraniche mit Sendern und Ringen wissen wir, dass sie im Baltikum brüten, in Spanien überwintern und zur Mauser in eine Region weit hinter dem Ural fliegen.“ 

Mit der Erforschung der Zugwege, Winterquartiere und dem Ansiedlungsverhalten gewinne man wertvolle Daten, aus denen Schlussfolgerungen zum besseren Schutz der Kraniche gezogen werden könnten. Circa 600 Kranich-Paare gibt es in Sachsen-Anhalt, mit circa 140 leben die meisten im Kreis Wittenberg. Weil immer mehr Tiere besendert wurden, wisse man, dass Kraniche immer häufiger in Deutschland überwintern – auch eine Folge des Klimawandels, der sich seit 30 Jahren im Landkreis dokumentieren lasse. 

Dramatischer Vogelschwund

Europaweit sei bei den Agrarvögeln ein dramatischer Schwund zu verzeichnen, Alltagsvögel wie der Kiebitz oder die Feldlerche seien nur noch selten anzutreffen. Bei den Staren habe es von 1980 bis jetzt einen Rückgang um 60 Prozent gegeben. Bei der hauptsächlich entlang der Elbe vertretenen Rotbauchunke seien die Bestände infolge der Dürre erheblich eingebrochen. Für die Kreuzotter gebe es in Wittenberg keinen bestätigten Nachweis und auch die Schlingnatter sei auf dem Rückzug.

Aber es gibt auch positive Befunde: Dass sich der Wolf in Ostdeutschland angesiedelt habe und sich hier reproduziere, zeige, dass die Habitat-Bedingungen sehr gut seien. Halter von Nutztieren könnten und müssten sich schützen, dabei seien Herdenschutzhunde eine gute Wahl. 

„Noch vor wenigen Jahren sorgte der Kormoran dafür, dass es in den Gewässern rund um Wartenburg keine Fische mehr gab, jetzt ist der Kormoran verschwunden, weil der Waschbär die Nester plündert“, berichtete der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Ulrich Petzold und forderte eine stärkere Bejagung des Raubzeuges – auch mit Fallen. „Das ist eine Frage des Jagdrechts und nicht des Artenschutzen“, so Schonert. Der Abwärtstrend bei den Kormoranen habe komplexe Ursachen, im Landkreis sei er wie auch der Graureiher als Brutvogel kaum mehr anzutreffen.





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