Dr. Nikolaus Särchen: „Mit der Adoleszenzpsychiatrie schließen wir die Versorgungslücke für psychisch kranke Menschen im Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter.“ Foto: Wolfgang Gorsboth

Dr. Nikolaus Särchen: „Mit der Adoleszenzpsychiatrie schließen wir die Versorgungslücke für psychisch kranke Menschen im Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter.“ Foto: Wolfgang Gorsboth

10.10.2018

Modellprojekt an der Klinik Bosse schließt eine Versorgungslücke

Die Probleme junger Menschen in der Übergangsphase behandeln

Wittenberg (wg). „Wir haben mit der Adoleszenzpsychiatrie ein Modellprojekt für Jugendliche im Alter von 18 bis 27 Jahren entwickelt, um auf die spezifischen Problemfelder und Störungen an der Schnittstelle zwischen Jugend- und Erwachsenenalter zu reagieren“, erläutert Dr. Nikolaus Särchen, Direktor und Chefarzt der Klinik für psychiatrische Erkrankungen an der Klinik Bosse, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. „Treten in dieser von besonderen Herausforderungen geprägten Lebensphase psychische Erkrankungen auf, kann der Entwicklungsprozess aufgehalten werden oder sogar entgleisen.“


Die Adoleszenz, die Zeitspanne, in der ein Mensch erwachsen wird, birgt für junge Leute viele neue Situationen. „Welchen Beruf will ich erlernen, wie und wo will ich leben – viele wichtige Entscheidungen sind in eigener Verantwortung zu treffen, was zu Verunsicherungen führen kann in einer Phase, in der es großen Selbstbewussteins bedarf, um sich in der Welt der Erwachsenen einzuordnen“, berichtet Dr. Särgen. 

Die Adoleszenz stellt schon für gesunde Menschen eine hohe Anforderung dar: Ablösung von den Eltern, Verselbständigung bezüglich Schule, Ausbildung, Wohnen sowie die Entwicklung von Eigenverantwortlichkeit. „In dieser Phase zeigen sich bei jungen Menschen psychische Störungen offensichtlicher als je zuvor bzw. werden diese erstmals wahrgenommen“, so Dr. Särchen. „Gerade junge Erwachsene mit psychischen Problemen fühlen sich oft alleingelassen und finden ihren Weg im Leben nicht.“ 

Behandlungskonzepte, die speziell für Kinder und Jugendliche entwickelt wurden, funktionieren bei diesen jungen Erwachsenen nicht mehr und die für reife Erwachsenen entwickelten Strukturen passen noch nicht auf diese Klientel – die Adoleszenzpsychiatrie will deshalb diese Lücke schließen. Das Spektrum der Störungsbilder umfasst Angsterkrankungen, Depressionen, Somatisierungsstörungen, Persönlichkeitsfehlentwicklungen sowie Verhaltensstörungen.

„Auf der Station St. Paulus behandeln wir sechs bis zehn junge Erwachsene in einer festen Gruppe“, berichtet Dr. Särchen. Miteinander lernen die Gruppenmitglieder, wie sie ihre Probleme angehen können, um selbstbewusster und selbstsicherer in die Zukunft gehen zu können. Sie werden dabei von einem multiprofessionellen Team zusammen mit der Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Salus begleitet, bestehend aus Fachärzten, Psychotherapeuten, Pflegefachkräften, Ergo- und Physiotherapeuten, einer Tanz- und Ausdruckstherapeutin sowie einer klinischen Sozialarbeiterin. Letztere berät die Patienten bei Fragen zur Berufswahl sowie bei der Suche nach einem Job und einer Wohnung. 

Die Gruppe hat eigene Therapieangebote und bleibt während der Behandlung unter sich. „Unser Behandlungsangebot erfolgt in der Regel stationär und umfasst Einzel- und Gruppentherapien sowie soziotherapeutische Aktivitäten“, erklärt der Chefarzt. Vor der Aufnahme wird ein Vorgespräch geführt, um die Indikation zu stellen und um das Behandlungskonzept vorzustellen. 

Jeder einzelne Patient hat einen Bezugstherapeuten und zwei Bezugspflegekräfte als Ansprechpartner. Im Gruppengespräch und beim sozialen Kompetenztraining wird gemeinsam nach Lösungsvorschlägen und Ratschlägen für Probleme des Einzelnen gesucht. „Dabei kann jedes Gruppenmitglied seine eigenen Erfahrungen und Kompetenzen einbringen“, betont Dr. Särchen. Das Wochenprogramm umfasst außerdem Aktivitäten in der Gemeinschaft, Bewegungstherapie, Entspannungstechniken, Malen und Gestalten, Musik- und Tanztherapie, Projektgruppen sowie Therapiegespräche. 

Hinweis

Die Aufnahme in die Adoleszenzpsychiatrie der Klinik Bosse erfolgt in individueller Absprache mit den jungen Erwachsenen, Vorgespräche können unter Tel.: 03491/476-381 vereinbart werden.





Videos Stimmen aus der Region

Oberbürgermeister Zugehör
Keine Angst – uns geht es gut
Kommunaler Bildungsbericht im Kreistag vorgestellt
Kreistag beschließt mehr Geld für die Sporthalle im Volkspark

Videos Politik

Bürgerforum Coswig
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 1
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 2

Videos Kultur

Neue Liedertour mit Karl Neukauf
75 Jahre Saxophone Joe
Alaris Schmetterlingspark.m4v
Dicke Luft und kein Verkehr - Der Zoff geht weiter
Jukebox im Clack Theater Wittenberg

Videos Auto

Volvo XC40 Winter-Testfahrten


Wittenberger Sonntag Verlags GmbH, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: