Vernünftige Menschen lassen sich regelmäßig gegen Grippe impfen - so wie hier die Repräsentanten des Wittenberger Sonntag, Ellen Rinke und Wolfgang Marchewka. Foto: Archiv / Fachdienst Gesundheit

Vernünftige Menschen lassen sich regelmäßig gegen Grippe impfen - so wie hier die Repräsentanten des Wittenberger Sonntag, Ellen Rinke und Wolfgang Marchewka. Foto: Archiv / Fachdienst Gesundheit

08.10.2018

Influenza ist eine unterschätzte Gefahr - Krankenkassen zahlen

Amtsarzt Dr. Michael Hable rät zur Grippeschutzimpfung

Wittenberg (wg). „Die Grippe-Saison beginnt, jetzt ist ein optimaler Zeitpunkt, sich impfen zu lassen“, erläutert Dr. Michael Hable, Leiter des Fachdienstes Gesundheit bei der Kreisverwaltung Wittenberg, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Der Impfschutz benötige circa 14 Tage Zeit, um sich aufzubauen, derzeit gebe es kaum Erkältungen, die einer Impfung entgegenstehen würden. Wer sich jetzt impfen lasse, sei bis weit in das nächste Halbjahr hinein geschützt. 

„Die Erinnerung an die schwere Grippewelle in der vergangenen Saison sollte jeden motivieren, sich rechtzeitig impfen zu lassen“, meint Hable, „mit keiner anderen Impfung lassen sich mehr Leben retten.“ 

Die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts empfiehlt die Impfung mit einem Vierfachimpfstoff. Dieser verfügt zusätzlich über Antigene einer im bislang verwendeten Dreifachimpfstoff nicht enthaltenen Influenza B-Viruslinie. In den vergangenen beiden Jahren dominierten Influenzaviren dieser B-Linie. In der Grippe-Saison 2017/18 hatte für Unmut gesorgt, dass nur Privatversicherte den Vierfachimpfstoff bekommen hatten, in diesem Jahr erhalten ihn erstmals auch alle Kassenpatienten. 

Die Gefahr wird unterschätzt

„Die Zusammenstellung des Impfstoffs ist eine Wette auf die Zukunft, denn Viren verändern sich ständig und niemand weiß, welcher Typus sich durchsetzt“, sagt Hable, „die Grippewellle beginnt meist in Südostasien, anhand dieser Fälle versucht man zu prognostizieren, welche Viruslinie dominieren wird.“ Die Zukunft werde wohl aufgrund der höheren Wirksamkeit den Vierfachimpfstoffen gehören. Der aktuelle Grippeimpfstoff schützt vor je zwei Influenza A- und B-Stämmen. 

Die echte Grippe dürfe nicht verglichen werden mit einem harmlosen grippalen Infekt, sondern sei eine schwere, gefährliche Krankheit, leider würden viele Menschen diese Tatsache unterschätzen. „Die Behauptung, die Impfung selbst löse schon eine Grippe aus, ist schlicht falsch“, betont Hable, „bei der Influenzaimpfung wird ein Totimpfstoff eingesetzt, deshalb kann die Impfung keine Grippeerkrankung auslösen, die Impfviren können auch nicht an Dritte weitergegeben werden.“ 

Mehr als 60 Jahre alte Menschen, chronisch Kranke sowie Schwangere tragen für einen besonders schweren Grippeverlauf ein erhöhtes Risiko und sollten sich unbedingt impfen lassen, rät Hable. Aber auch Personen, die täglich mit vielen anderen Menschen in Kontakt kommen und deshalb ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben, sollten sich schützen. Dazu gehören das medizinische und pflegerische Personal in Krankenhäusern und Pflegeheimen, Arbeitnehmer im Einzelhandel, Polizisten, Busfahrer und Lehrer. Für Kinder sei ein nasaler Impfstoff eine sinnvolle Alternative. 

Hintergrund 

Die Grippesaison 2017/18 verursachte etwa neun Millionen Arztbesuche, mehr als 330.000 labordiagnostisch bestätigte Grippefälle mit Influenza-Viren wurden gemeldet, circa 60.000 Menschen mussten stationär in Krankenhäusern behandelt werden und für mehr als 1.600 Personen endete die Infektion laut offizieller Statistik tödlich, die wirkliche Zahl dürfte deutlich höher liegen. 

„Kinderkrankheiten“ sind kein Kinderkram 

Hable: „Der Ausdruck Impfmüdigkeit verharmlost ein Problem“

Masern, Mumps, Röteln, Keuchhusten und Windpocken sind klassische Kinderkrankheiten, die dank konsequenter Impfprogramme stark zurückgedrängt werden konnten. „Als ‚Kinderkrankheiten’ werden sie nur deshalb bezeichnet, weil die meisten Erwachsenen durch eine Infektion im Kindesalter beziehungsweise eine Impfung geschützt sind“, betont Amtsarzt Dr. Michael Hable. Mit solchen „Kinderkrankheiten“ könnten sich aber auch Erwachsene infizieren - und das hätte meist schwerwiegende Komplikationen. 

Ein Grund sei, dass manche Eltern sich selbst und auch ihre Kinder nicht mehr konsequent impfen lassen. „Verharmlosend spricht man von Impfmüdigkeit“, so Hable. 

Im vergangenen Jahr entfielen von den gemeldeten Keuchhusten- und Masernfällen bereits ein Drittel auf Erwachsene. „Die Stiko empfiehlt allen Erwachsenen, die nach 1970 geboren sind, als Kind keine oder nur eine Schutzimpfung erhalten haben oder nicht wissen, ob sie diese Krankheit als Kind durchgemacht haben, sich jetzt gegen Masern impfen zu lassen“, erklärt der Amtsarzt. 

Erkrankt ein Erwachsener an Keuchhusten, sei nicht nur starker Husten über einen längeren Zeitraum die Folge, sondern können auch Komplikationen wie Bronchitis, Lungenentzündung oder sogar Rippenbrüche die Folge sein. Eine Keuchhusten-Schutzimpfung halte nur circa zehn bis 15 Jahre und müsse aufgefrischt werden – meist in Kombination mit Tetanus und Diphtherie. „Auch Großeltern, die Kontakt zu Säuglingen haben, sollten auf einen ausreichenden Impfschutz achten“, rät Hable. 

Entzündung der Hoden 

Mumps führe bei Erkrankung im Erwachsenenalter bei Männern in etwa einem Drittel der Fälle zu einer Hodenentzündung, die sogar Unfruchtbarkeit zur Folge haben könne, warnt der Amtsarzt. Weitere mögliche Folgen sind Entzündungen der Hirnhaut und der Bauchspeicheldrüse.

„Ich empfehle Erwachsenen dringend, ihren Impfstatus beim Hausarzt überprüfen und sich impfen zu lassen“, erklärt Hable. Gegen Masern sollte zweimal in Folge geimpft werden, damit ein wirksamer Schutz bestehe. Dafür werde heute ein Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln verwendet. Auch bei unklarem Impfstatus könne geimpft werden, wobei Kombi-Impfungen gut vertragen werden.

Hinweis

Die Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamtes beraten über alle Impfmöglichkeiten, zum Gespräch wird der Impfausweis benötigt. Wer seinen Impfausweis verloren hat, kann sich ein Ersatzdokument ausfertigen lassen, denn das Gesundheitsamt verfügt über eine Impfdatenbank aller Einwohner des Kreises Wittenberg, die seit 1970 hier leben. Nicht dokumentierte Impfungen gelten nicht.

Das Gesundheitsamt ist ergänzend tätig und keine Regelimpfstelle, besonders für Grippeschutzimpfungen sind die niedergelassenen Ärzte zuständig. Reiseimpfungen müssen privat bezahlt werden.




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