Martin von Brook, Vorsitzender des WZGE-Vorstands, WZGE-Präsident Eckard Naumann und Waldemar Hötte, Vorstandsmitglied und Geschäftsführer (v.l.n.r.). Foto: Wolfgang Gorsboth

Martin von Brook, Vorsitzender des WZGE-Vorstands, WZGE-Präsident Eckard Naumann und Waldemar Hötte, Vorstandsmitglied und Geschäftsführer (v.l.n.r.). Foto: Wolfgang Gorsboth

06.10.2018

Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik ist vor 20 Jahren gegründet worden

Eckhard Naumann: Wirtschaft und Ethik gehören zusammen

Wittenberg (wg). „Ethisches Handeln kann sich lohnen, unethisches Handeln kann teuer werden, wie der Dieselskandal zeigt“, erklärt Eckhard Naumann, seit 2006 Präsident des Wittenberg-Zentrums für Globale Ethik (WZGE), das  seinen 20. Geburtstag mit einer Podiumsdiskussion im Wilhelm-Weber-Haus gefeiert hat. „Das WZGE versucht, die Distanz zwischen dem ‚Guten’ (Moral) und dem ‚Bösen’ (Profit) aufzulösen, denn werteorientiertes Handeln ist nicht nur eine Frage der Moral, sondern auch der wirtschaftlichen Rationalität.“

Soziale, ökologische und moralische Belange müssen in der Wertschöpfung mitberücksichtigt werden, sonst fehlt es den Unternehmen an Reputation, an gesellschaftlicher Akzeptanz, an Vertrauen bei den Kunden und den eigenen Mitarbeitern. Wie man die ethischen Ansprüche der Zivilgesellschaft mit den Funktionsbedingungen der Wirtschaft zusammenbringt, ist eine der zentralen Aufgaben des WZGE, für die die Plattform „Ethik und gute Unternehmensführung“ entwickelt wurde. 

„Vor 20 Jahren wurde mit Skepsis auf die Gründung des WZGE geblickt, man bezweifelte, das Wirtschaft und Ethik zusammenpassen“, berichtet Dr. Martin von Brook, Vorsitzender des Vorstands des WZGE. „Heute ist Konsens, dass Wertschöpfung, Märkte, Wettbewerb und Profite auch im Dienst der Gesellschaft stehen müssen, immer mehr Unternehmen bilden Ethik-Beiräte.“ 

Auch die Zukunft werde zeigen, wie unverzichtbar Ethik ist, betont von Brook und verweist auf zwei große Zukunftsthemen: „Zum einen die Globalisierung, die uns fragen lässt, was bleibt von unserem Wertesystem erhalten und zum anderen die Digitalisierung, verbunden mit der Frage, welche Rolle wird der Mensch spielen, welche Autonomie gibt er an Maschinen ab, welche Freiheit behält er?“ 

Digitalisierung und Globalisierung würden weitere Umbrüche und damit verbunden wachsende Ungewissheiten mit sich bringen. Gesetze, Regeln und Standards stießen dabei an ihre Grenzen: „Gefragt sind Werte und Haltungen, die den Weg weisen und auch im Wandel stabil bleiben“, so von Brook. Veränderungen brauchten vertrauensvolle Zusammenarbeit, diese wiederum basiere auf gemeinsamen Orientierungen. Regeln und Gesetze allein seien kein Ersatz für Vertrauen.

Digitalisierung und Globalisierung werden auch für Manager neue Herausforderungen bedeuten, der Wettbewerb um Ressourcen wird zunehmen, viele Menschen werden den Wandel als Disruption wahrnehmen, verbunden mit Verunsicherungen. „In dieser Situation wird Führung immer wichtiger, weil es weniger verbindliche Regeln geben wird“, erläutert von Brook. Dazu habe das WZGE einen „ethischen Kompass für gute Führung“ entwickelt – kein Navigationssystem, vielmehr ein Werkzeug zur Orientierung: „Wir sehen uns nicht als moralische Instanz, die sagt, was man tun muss, sondern als Instanz, die Verantwortungsträger in Politik und Wirtschaft unterstützt, Entscheidungen zu treffen“, betont Naumann. 

Der „ethische Kompass für gute Führung“ ist das Ergebnis eines Dialogprozesses in 2017, in dem das WZGE mehr als zehn Monate lang 500 nationale und internationale Führungs- und Nachwuchskräfte einbezog. Das Grundprinzip des Kompasses lautet: Richte keinen Schaden an. „Gute Führung beachtet auch die Auswirkungen der eigenen Zielsetzungen, um Schädigungen zu vermeiden“, so von Brook.

In Zukunft will das WZGE den ethischen Kompass verstärkt in Unternehmen bekannt machen, außerdem die Seminararbeit internationalisieren. Als erster Schritt wurde eine Kooperation mit der renommierten Business School der Universität Stellenbosch in Südafrika abgeschlossen und es werden Gespräche mit Partnern aus Mexiko geführt.

Eine Initiative von Genscher und Young

1998 wurde das WZGE in Wittenberg auf Initiative des ehemaligen Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher und Andrew Young, Ex-UN-Botschafter der USA, gegründet, von Seiten der Landesregierung waren der damalige Ministerpräsident Reinhard Höppner und Wirtschaftsminister Klaus Schucht beteiligt, von Anfang an dabei auch Eckhard Naumann, Oberbürgermeister der Lutherstadt von 1990 bis 2015.

Als 2006 der Fortbestand des als Verein gegründeten WZGE auf der Kippe stand, übernahm Naumann die Präsidentschaft, mit der 2008 gegründeten Stiftung konnte das Zentrum stabilisiert werden. Verein und Vorstand sind für das operative Geschäft zuständig, begleitet von einem Kuratorium.

Zu den großen Leistungen des WZGE gehört der „Wittenberg-Prozess der Chemie-Sozialpartner“, den der Arbeitgeberverband Chemie und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie 2007 starteten. Daraus ist ein verbindlicher Ethik-Kodex entwickelt worden, den beide Seiten 2008 in Anwesenheit des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler unterzeichneten.

Ein weiterer Meilenstein war die 2008 angestoßene „Leitbild-Initiative für verantwortliches Handeln in der Wirtschaft“. Von 2003 bis 2008 haben sich jährlich Delegationen aus Israel und Jordanien zum Wirtschaftsdialog in Wittenberg getroffen. Weitere Themen sind Energie-Wende, Digitalisierung, Marktwirtschaft und Ethik, Menschenrechte in Lieferketten, Internationale Diplomatie und Afrika.

„Die Arbeit des WZGE beruht dabei auf drei Säulen“, sagt von Brook, „Fortbildungen und Seminare, Dialog-Prozesse sowie die Unterstützung von Forschung und Lehre.“ Mit Hilfe von Drittmitteln hat das WZGE vier Stiftungslehrstühle initiiert, die ihre wissenschaftliche Expertise in die Arbeit des Zentrums einbringen.





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