Der Wittenberger Oberbürgermeister Torsten Zugehör wünscht sich, dass die Lutherstadt demokratisch und weltoffen bleibt. Foto: Archiv / Wolfgang Marchewka

Der Wittenberger Oberbürgermeister Torsten Zugehör wünscht sich, dass die Lutherstadt demokratisch und weltoffen bleibt.
Foto: Archiv / Wolfgang Marchewka

16.09.2018

Umfrage: Die Lutherstadt bleibt demokratisch und weltoffen

Die Hetzer haben aus der Geschichte nichts gelernt

Wittenberg (wm). Die große Mehrheit der Menschen in Wittenberg ist vernunftbegabt, schätzt Demokratie und Weltoffenheit. Die Redaktion des Wittenberger Sonntag hat dazu eine Umfrage gestartet. Hier wichtige Antworten: 

Torsten Zugehör (parteilos), Oberbürgermeister der Stadt Wittenberg:

 „Die Hetze in Chemnitz und Köthen wirkt beängstigend, wenn es jetzt nicht den Schulterschluss unter Demokraten gibt, wann dann? Unser Stadtrat sollte sich offiziell positionieren, unsere Bürgerinnen und Bürger sollten sich distanzieren. Ich erinnere an unseren Ehrenbürger Richard Wiener, der über den Faschismus sagte: „Das ist ein großer, gefährlicher Löwe. Den haben wir nicht erlegt, der schläft nur. Den Frustrieten sage ich: Mit der AfD wird es nicht besser!“ 

Jürgen Dannenberg (Linke), Landrat des Kreises Wittenberg:

 „Es sind längst nicht mehr nur die Wortwahl und die damit verbundenen persönlichen Angriffe, die erschrecken. Nach meiner Meinung wird der Tatbestand der Volksverhetzung immer öfter erfüllt. Dem darf man sich nicht anschließen, dazu dürfen wir nicht schweigen. Ich erwarte, dass die Justiz, wo auch immer in der Bundesrepublik derartiges passiert, auf diese Vorfälle entsprechend reagiert. In unserer Region wird es ein Thema für den regelmäßig tagenden ,Runden Tisch‘ der Bürgermeister.“

Tobias Thiel, Stellvertretender Direktor der Evangelischen Akademie:

„Wir erleben gerade, wie sich der politische und gesellschaftliche Diskurs nach rechts(extrem) verschiebt. Viele schweigen dazu, dass Häuser aus politischen Gründen brennen, Unsagbares wieder sagbar und Geschichte vergessen wird. Das Schlimmste aber ist, dass Menschen das Menschsein abgesprochen wird. Der Flüchtling, der Andersdenkende, der Andersgläubige, das sind zuallererst Menschen mit Würde und Grundrechten.“ 

Reinhard Rauschning, Ortsbürgermeister und Fraktionsvorsitzender der SPD:

„Die Köckert-Rede in Köthen enthält faschistische Passagen, stellt übelste Volksverhetzung dar und beweist, dass diese Leute aus der Geschichte nichts gelernt haben. Mich erinnern seine Worte an Goebbels. Alle demokratischen Parteien müssen sich von solchen Aussagen distanzieren. Alle an der Demokratie mitarbeitenden Menschen pauschal als ‚Verbrecher’ zu bezeichnen, ist nicht mehr normal, die Justiz sollte rasch ermitteln.“ 

Horst Dübner, Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtrat: „Es verschlägt mir die Sprache, ich habe bislang nicht geglaubt, dass solche Reden in Deutschland möglich sind. Unsere besorgten Bürger sollten erkennen, dass der Thügida-Funktionär Köckert damit seine Maske hat fallen lassen. ‚Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch’ schrieb einst Bertolt Brecht - und ich appelliere an alle Mitmenschen, bitte überlasst die Straßen nicht den neuen Faschisten, denn die Parallelen zur Reichspogromnacht sind nicht zu übersehen.“ 

Corinna Reinecke, Geschäftsführerin der AWO und Mitglied der SPD-Fraktion im Kreistag: 

„Köckerts Aggressivität erinnert mich an 1933, deshalb ist ein Schulterschluss aller Demokraten notwendig. Wir müssen klar differenzieren: Einerseits darf kriminelle Gewalt einzelner Flüchtlinge nicht kleingeredet werden, andererseits sind wir offen für die Migration und haben schon viel auf die Beine gestellt. Ich lasse es nicht zu, dass die AWO deshalb unter Rechtfertigungszwang gestellt wird. Nötig ist eine bessere politische Bildung, unsere Menschen müssen sprachfähig sein.“ 

Stefan Kretzschmar, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Stadtrat: „Ich bin sehr betrübt über die Rede des Thügida-Mannes David Köckert in Köthen. Es ist eine üble Anmaßung, Menschen, die in einem Kreistag, einem Stadtrat oder Gemeinderat ohne Bezahlung für andere arbeiten, als ,Verbrecher‘ zu bezeichnen. Wittenberg war immer eine besondere, weltoffene Stadt, aber wenn der sachliche Austausch von Meinungen nicht mehr möglich ist, gibt es auf allen Seiten nur Verlierer. Wenn die Angst regiert, wird man irrational und das schöne Leben erliegt.“ 

Sepp Müller (CDU), Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis Wittenberg/Dessau: 

„Wir alle müssen sorgfältiger differenzieren, in Chemnitz und Köthen waren nicht alle Demonstrierenden als ,brauner Mob‘ unterwegs. Ebenso ist es unzulässig, Flüchtlinge pauschal als Kriminelle zu diskriminieren. Klar ist aber, unsere Behörden müssen besser arbeiten, zum Beispiel beim Thema Abschiebungen. Klar ist auch, Fremdenhass gehört nicht zur Demokratie, die Wirtschaft macht sich Sorgen, denn es ist bereits schwieriger geworden, Fachleute aus dem Ausland für Deutschland zu bekommen.“ 

Reinhild Hugenroth, Expertin für Erwachsenenbildung und Kreisvorsitzende der Grünen:

„Es gibt zu den antidemokratischen Erscheinungen mehrere Gesichtspunkte: 1. Wir müssen gegen Hetzer von Rechts öffentlich klare Kante zeigen. 2. Wir müssen den Menschen die Wahrheit sagen und die Wahrheit ist, die Gesellschaft ändert sich ständig. 3. Ich bewerte Veränderungen positiv. 4. Ich möchte bei den Erwachsenen eine Veränderung negativer Einstellungen erreichen, denn man kann Demokratie, Toleranz und Zuversicht lernen, dazu gibt es Expertisen aus dem wissenschaftlichen Bereich.“




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