Drei Kinder aus drei Epochen werden vom Tod zu Mördern gemacht. Foto: TJC

Drei Kinder aus drei Epochen werden vom Tod zu Mördern gemacht. Foto: TJC

05.09.2018

Neue TJC-Produktion über Hass und Gewalt in drei Epochen

Modernes Welttheater im Hofgestüt Bleesern

Wittenberg (wg). Markus Schuliers, Chef des Theaterjugendclubs (TJC) „Chamäleon“, hat das Stück „Es geht eine dunkle Wolke...“ geschrieben und im Untertitel als modernes Welttheater bezeichnet. Premiere ist am 8. September um 19 Uhr, eine zweite Aufführung am 9. September um 15 Uhr im Hofgestüt Bleesern, das älteste Gestüt Deutschlands, das seit 2012 als Denkmal nationaler Bedeutung eingestuft ist. 

Anlass des Stücks ist der 400. Jahrestag des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648), schon damals wurden Kinder und Jugendliche als Soldaten missbraucht. Kindersoldaten sind heute in mehr als 20 Ländern im Einsatz, weltweit circa 250.000. Auch der IS rekrutiert(e) Kinder und Jugendliche – für den Einsatz an der Front oder für Sprengstoffanschläge. Und nicht zuletzt verführten SA und SS junge Menschen zu Hass und Gewalt. 

Das Stück gliedert sich in drei Teile, die 1618, 1938 (Reichspogromnacht) und 2018 spielen. „Das Stück zeigt auf erschreckende Weise, wie sich Menschen beeinflussen und manipulieren lassen, dass sie selbst vor roher Gewalt nicht zurückschrecken“, erklärt Schuliers, „mit Blick auf die hasserfüllten Szenen, die sich in Chemnitz abgespielt haben, eine ebenso bittere wie aktuelle Erkenntnis.“

Eingebettet sind die drei Szenen in einem Prolog und einen Epilog. Im Prolog geht der Tod (Mike Beulich) mit Gott (Markus Hennen) eine makabre Wette ein: Er könne mit Hilfe von Irrglauben und List die Meinung und Handlung von Kindern zu seinem Gunsten beeinflussen. Durch die Erfahrung entsetzlichen Leids lassen sich die Kinder schließlich zur brutalen Rache verleiten. Die Prinzipien des friedvollen Miteinanders gelten ebenso wenig wie das Hinterfragen dessen, was Recht und Unrecht ist. 

„Die Kinder wenden sich stattdessen den Predigern von Hass und Gewalt zu und lassen bedingungslos aus ihren Worten Taten wachsen“, erläutert Schuliers, „auch hier finden sich Parallelen zu Chemnitz und zu den Verursachern, den geistigen Brandstiftern der rechten und fremdenfeindlichen Szene.“ Zusammengefügt werden die drei Szenen, die in unterschiedlichen Epochen spielen, im Epilog durch die bittere Wahrheit, dass Gott die Wette verloren hat. 

In der neuen Produktion spielen neben den TJC-Kindern Menschen verschiedener Nationalität, unter anderem Russen und Kasachen sowie mit Ibrahima Fly Bah ein Junge, der von Boko Haram, einer islamistischen Terrororganisation, die im Norden Nigerias und den Anrainerstaaten operiert und sich zum IS bekennt, zwangsrekrutiert wurde, aber fliehen konnte. 

Denkmaltag im Hofgestüt  Bleesern“ 

Nach dem „Ritt Kaiser Karls V. von Mühlberg nach Bleesern“ (Schmalkaldischer Krieg) Anfang Mai 2018 als Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr, ist dies das zweite Projekt, das der TJC zusammen mit dem Förderverein Hofgestüt Bleesern verwirklicht – diesmal im Kontext mit dem Tag des offenen Denkmals am 9. September, der unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“ steht. Für Schuliers ist das ehemalige Hofgestüt ein geschichtsträchtiger Ort mit einer großartigen Kulisse, ideal für Theateraufführungen. 

„Kultur wird heute immer mehr auf Unterhaltung und Events, auf Brot und Spiele reduziert, um so wichtiger sind ernste Themen“, berichtet Insa Christiane Hennen, stellvertretende Vorsitzende des 2012 gegründeten Fördervereins Hofgestüt Bleesern. Das Hofgestüt sei im Dreißigjährigen Krieg schwer zerstört worden und habe Ende des Zweiten Weltkriegs als Flüchtlingsunterkunft gedient. Später wurde das Objekt unter anderem als Domizil für eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft genutzt und nach der Wende privatisiert.

„Das immer mehr dem Verfall preisgegebene Objekt sollte schließlich abgerissen werden, was der Förderverein jedoch zu verhindern wusste“, erklärt die promovierte Kunsthistorikerin, „indem er zunächst Teile des Gebäudes erwarb.“ Seither wurden rund 250.000 Euro investiert in statische Sicherung, Folienabdeckung, Sicherung der Mauerkronen und Arbeiten am Giebel. Die bisherigen Leistungen des Fördervereins für den Erhalt und die konzeptionelle Entwicklung des ältesten Hofgestüts wurden im November 2017 mit der „Silbernen Halbkugel“ ausgezeichnet, dem höchsten Denkmalschutzpreis der Bundesrepublik. 

 „Wir haben beim Land und beim Bund Fördermittel für das Dach beantragt“, sagt Hennen. Man werde Schritt für Schritt an der Instandsetzung arbeiten, Veranstaltungen wie die Theateraufführungen des TJC seien gut geeignet, Leben in das alte Gemäuer einziehen zu lassen und die Anlage einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Zum Tag des offenen Denkmals lädt der Förderverein ab 10 Uhr zu einem Besuch des Hofgestüts ein, es gibt eine Ausstellung und Führungen sowie um 14 Uhr einen Vortrag über Pferderassen mit dem Titel: „Von weißen Beißern, wilden Bleesern und braunen Türken – Pferdezucht im 16. Jahrhundert in Bleesern.“ Eine mobile Saftpresse bietet frischen Apfelsaft von der Streuobstwiese, hier können Besucher auch eigene Äpfel saften. Stände, ein Büchertisch und Angebote für Kinder runden das Programm ab.





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