Kersten Liebold mit einem Grünen Ritter im Wittenberger Schmetterlingspark. Foto: Wolfgang Marchewka

Kersten Liebold mit einem Grünen Ritter im Wittenberger Schmetterlingspark. Foto: Wolfgang Marchewka

27.08.2018

Faszinierende Falter schwirren in einem tropischen Paradies

20 Jahre Alaris Schmetterlingspark

Wittenberg (wg). Am 22. August 1998 öffnete der Alaris Schmetterlingspark seine Pforten, seit 2004 hat hier auch der ehemals im Schloss untergebrachte Brett’l-Keller sein Domizil: Eine Kombination, die nicht nur in Sachsen-Anhalt einmalig sein dürfte. Kersten Liebold, Herr von bis zu 750 Schmetterlingen, die sich auf rund 140 Arten verteilen, kam durch das Kabarett zu seiner neuen Profession. Ein Saisonhöhepunkt ist die "Wittenberger Tropennacht" am Freitag, dem 31. August. 

Der Opernsänger, der am Mitteldeutschen Landestheater als Mehrspartenbühne auch im Kabarett eingesetzt wurde, machte mit dem Kabarett-Ensemble 1995 einen Abstecher nach Uslar – und lernte den dortigen Schmetterlingspark kennen. „Schon damals stand das Theater auf der Kippe, bis es dann nach langen K(r)ampf 2002 tatsächlich geschlossen wurde“, erinnert sich Liebold im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag, „ich wollte nicht tatenlos zu sehen, sondern für meine Familie und mich eine neue Perspektive finden.“

Er habe sich bewusst für das in Uslar realisierte Alaris-Konzept entschieden, weil man dort Naturnähe praktizierte, überdies habe das Betreiberehepaar, sie ist studierte Biologin, sein Know-how weitergegeben, was in der Branche eher selten sei. „Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, die Entscheidung damals war richtig und nach 20 Jahren macht die Arbeit immer noch sehr viel Freude“, resümiert Liebold. 

Knapp 1,7 Millionen D-Mark hatte Liebold investiert, 40 Prozent wurden über GA-Mittel Ost gefördert. 40.000 bis 45.000 zahlende Besucher verzeichnet der Wittenberger Schmetterlingspark pro Jahr, viele kommen aus den Ballungszentren Berlin/Potsdam und Leipzig/Halle sowie aus ganz Deutschland. 

Im Lauf der vergangenen 20 Jahren hat die Artenvielfalt erheblich zugenommen, wobei zwei Drittel der Insekten hier vor Ort gezüchtet werden. Mit 32 Zentimetern Flügelspanne sind die Weibchen des Atlas-Seidenspinners die größten, mit zwei bis vier Zentimetern die kleinsten sind Passionsfalter und Glasflügler. Zuchttechnisch die seltensten sind die australischen und philippinischen Vogelflügler. „In Europa beherrschen nur wir die Zucht“, sagt Liebold nicht ohne Stolz. Schön sind die Falter alle, aber besonders schön anzuschauen sind die Exemplare des Caligo atreus mit ihren dunkelblauen und gestreiften Flügeln, eine von 21 Arten der Gattung der Bananenfalter. Einige Schmetterlinge haben es sogar zu Filmruhm gebracht, so in der deutschen Komödie „SMS für Dich“ oder die Krimi-Fernsehserie „Lotte Jäger“.

Zur Fauna gehören aber auch die Zwergseidenäffchen, für die Liebold im Schmetterlingspark ein eigenes Haus baute. 2015 kamen Momo und Oskar, zwei Männchen, die aus schlechter Haltung befreit und vom Tierheim Viernheim übernommen wurden, später dann Senel und Nila, eine Schenkung der Affenzucht Irene Seiffert Wittenberg, mit dem Pärchen will Liebold eine eigene Zucht aufbauen. 

Zur Flora gehören mehr als 100 Pflanzenarten, darunter Kaffee, Papaya, Kakao-Baum, Bromelien, Orchideen, Bananen-Stauden, verschiedene Arten Hibiskus und Palmen. „Die Pflanzen wurden danach ausgewählt, welche Nahrungs- und Nektarpflanzen die Raupen bzw. Schmetterlinge benötigen und nach ästhetischen Aspekten“, so Liebold.

Bewirtschaftet wird das circa 1.000 Quadratmeter große Tropen-Paradies ohne Einsatz von Gift, denn die empfindlichen Schmetterlinge würden als erste eingehen. So halten zum Beispiel die Wachteln die Ameisen in Schach und Marienkäfer fressen Blattläuse. Der Teich wirkt wie eine natürliche Klimaanlage. Weder Netze noch Glas trennen Menschen und Schmetterling voneinander, und wenn sich der Besucher in der üppigen Pflanzenwelt bewegt, kann es ihm passieren, dass ein Falter sich auf die mit einer großen Blüte verwechselten bunten Kleidung setzt. „Schmetterlinge betrachten den Menschen nicht als Feind und flattern deshalb zutraulich auf ihn zu, nur anfassen sollte man diese filigranen Tiere nicht“, sagt Liebold. 

Der Opernsänger mit dem Faible für Kleinkunst stand parallel zum Schmetterlingspark auf der Bühne des bis 2004 im Schlossensemble untergebrachten und von Carola Bläss geleiteten Brett’l-Kellers. Doch dann wurden die Amtshäuser zur Jugendherberge umgebaut, die Kleinkunst musste sich ein neues Domizil suchen und fand dieses in der großzügig angelegten Cafeteria des Schmetterlingsparks. „Durch die Kleinkunst bin ich zu den Schmetterlingen gekommen, nun fand das Kabarett im Tropenparadies seine Heimat“, beschreibt Liebold, wie eine ungewöhnliche Entwicklung zu einem glücklichen Abschluss kam.

Kabarettsaison ist von Mitte September bis Mitte Juni, rund 60 Vorstellungen inklusive Abstecher geben Kersten Liebold und Carola Bläss. Die Saison der Schmetterlinge dauert vom 1. April bzw. Ostern bis zum 31. Oktober.




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