Dr. Volker Werner mit der im Wittenberger Drei Kastanien Verlag erschienenen, 303 Seiten starken Auflage der Übersetzung der Melanchthon-Biographie von Joachim Camerarius. Foto: Wolfgang Gorsboth

Dr. Volker Werner mit der im Wittenberger Drei Kastanien Verlag erschienenen, 303 Seiten starken Auflage der Übersetzung der Melanchthon-Biographie von Joachim Camerarius. Foto: Wolfgang Gorsboth

26.08.2018

Erste Übersetzung der Biographie von Camerarius

Dr. Volker Werner stellt sein Melanchthon-Buch vor

Wittenberg (wg). 1566 publizierte Joachim Camerarius (1500-1574) seine Biographie über Philipp Melanchthon, die zahlreiche Nachdrucke erlebte, aber alle in Latein. Es dauerte 444 Jahre, bis Dr. Volker Werner, Lehrer für Latein und Geschichte am Luther-Melanchthon-Gymnasium, zum 450. Todestag Melanchthons 2010 die erste deutsche Übersetzung dieser einmaligen zeitgenössischen Quelle in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig veröffentlichte. Die Auflage war schnell vergriffen, nun erscheint zum 500. Jahrestag der Ankunft des Brettener Gelehrten in Wittenberg eine zweite Auflage, diesmal im Wittenberger Drei Kastanien Verlag, auf das Hardcover wurde verzichtet, dafür ist das Buch mit 16,80 Euro deutlich preiswerter als die Erstauflage. Am 31. August 2018 stellt Volker Werner die Früchte seiner Arbeit um 18.30 Uhr in der Kapelle des Augusteums vor.

„Die Idee zur Übersetzung ist in Gesprächen mit Dr. Stefan Rhein, dem Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten, entstanden“, erinnert sich Werner im Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag. 2002 begann der Altphilologe mit der Übersetzung und investierte mehr als 1.000 Arbeitsstunden, um das „sehr komplizierte und zum Teil verworrene Latein des Autors“, das schon von seinen Zeitgenossen gefürchtet wurde, in eine lesbare deutsche Fassung zu bringen.

„Camerarius und Melanchthon verband eine große, lebenslange, mehr als 40 Jahre währende Freundschaft“, berichtet Werner, der mit der Übersetzung das große Universalgenie und den „Lehrer Deutschlands“ auch ein Stück vom Sockel holen wollte. „Camerarius’ Biographie menschelt gewaltig“, betont Werner, so werde auch die keineswegs immer nur glückliche Ehe mit Katharina Krapp erwähnt, ebenso, dass Melanchthon keine Bitte abschlagen konnte und dass sein Studierzimmer ziemlich chaotisch gewesen sein soll. 

Die Freundschaft beginnt 1521 mit der Ankunft des Camerarius in Wittenberg und reicht bis in die letzten Lebenstage Melanchthons 1560. Mehr als 600 Briefe des Reformators an Camerarius sind erhalten, keinem Menschen gegenüber öffnete er sich mehr – auch mit seinen privaten und öffentlichen Sorgen. 

„Im Gegensatz zum 14 Jahre älteren Luther stand Camerarius auch altersmäßig näher zum nur drei Jahre älteren Melanchthon“, so Werner, „man kann die Beziehung der beiden als große und enge Freundschaft bezeichnen, aus der menschlichen Nähe heraus wurde Camerarius zum ersten Biographen Melanchthons.“ 

Interessant ist die Einschätzung, die Camerarius zum Verhältnis Melanchthons zu den anderen Reformatoren gibt, so sei das Verhältnis zum Straßburger Reformator Martin Bucer überaus freundschaftlich und von hohem gegenseitigen Respekt geprägt gewesen. Das Verhältnis zu Luther beschreibt der Autor als sehr eng, gleichzeitig nimmt er Melanchthon aber in Schutz gegen Luthers Vorwürfe der zu großen Milde und Nachgiebigkeit. 

Überhaupt nimmt der Autor seinen wertgeschätzten Freund gegen alle Kritik in Schutz, ob von altgläubiger oder gnesiolutherischer Seite. 1521 kam Camerarius, der zuvor an der Universität Erfurt studierte, nach Wittenberg, wo er 1525 die Professur für Griechisch übernahm und 1526 wurde er auf Melanchthons Empfehlung Lehrer für Latein und Griechisch am neugegründeten Ägidengymnasium in Nürnberg. Über Tübingen führte der Weg 1541 nach Leipzig, wo Camerarius bis zu seinem Tod Professor war. 

Bei seiner Übersetzung hat sich Werner im Wesentlichen an die 1777 von Theodor Strobel herausgebrachte Ausgabe orientiert, von ihm hat er auch der besseren Lesbarkeit wegen die Kapitelüberschriften übernommen. Die Anmerkungen stammen vom wohl besten Melanchthon-Kenner, Dr. Heinz Scheible, sie erschließen die historischen und biographischen Hintergründe. Dr. Heinz Scheible (Jahrgang 1931) gründete und leitete viele Jahre die Melanchthon-Forschungsstelle in Heidelberg, er ist der Herausgeber des Melanchthon-Briefwechsels und Autor zahlreicher wichtiger Werke zur Reformationsgeschichte. Dr. Volker Werner (Jahrgang 1959) hat eine Dissertation über „Die Rezeption der Vita des C. Marius in der antiken Literatur“ geschrieben.

Buchvorstellung

Dr. Volker Werner stellt das Buch im Rahmen der Melanchthon-Festwoche am Freitag, dem 31. August um 18.30 Uhr in der Kapelle des Augusteums vor, zur Eröffnung spricht Oberbürgermeister Torsten Zugehör, für die musikalische Umrahmung sorgt Hanna Kristof. Der Eintritt ist frei.




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