Das Foyer des Berufsschulzentrums Wittenberg. Foto: Archiv

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04.08.2018

Abschaffung der Mischklassen führt zu längeren Schulwegen

Holger Hövelmann kritisiert Pläne mit den Berufsschulen

Wittenberg/Coswig (wg) „Wir müssen alles tun, um die duale Ausbildung so attraktiv wie möglich zu gestalten“, sagte Holger Hövelmann, Wirtschaftsexperte der SPD im Landtag von Sachsen-Anhalt, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Seine Partei verlange Nachbesserungen bei der Umgestaltung des Berufsschulsystems, denn die vom Bildungsministerium vorgelegten Pläne würden dem hohen Anspruch an die duale Ausbildung nicht gerecht. 

 Die Abschaffung sogenannter Mischklassen bedeute in der Praxis längere Schulwege. In Mischklassen werden bisher Auszubildende aus ähnlichen Fachrichtungen gemeinsam unterrichtet. Die stattdessen geplanten, jeweils auf einzelne Berufe begrenzten „Fachklassen“ kämen aber mangels Masse nicht in allen Berufsschulen zustande und würden dann über ganz Sachsen-Anhalt verteilt. Die Folge: Geschätzt mehr als 1.000 Azubis aus Industrie, Handwerk und anderen Branchen müssten noch weitere Wege auf sich nehmen. 

Laut Hövelmann sind lange Schulwege vor allem zu Beginn einer Ausbildung abschreckend. Das könne sich Sachsen-Anhalt weder mit Blick auf sinkende Azubi-Zahlen, noch mit Rücksicht auf die Belange kleinerer und mittlerer Betriebe leisten. Auch kritisierte er, dass Vertreter der Handels- und Handwerkskammern nicht in die Neugestaltung des Berufsschulsystems einbezogen worden seien. 

„Wir setzen uns für eine vernünftige mit der regionalen Wirtschaft abgestimmte Berufsschulnetzplanung ein“, zitierte Hövelmann aus dem Koalitionsvertrag, „das heißt, öffentliche Berufsschulen müssen auch künftig eine wohnortnahe Ausbildung gewährleisten und die Zahl der pendelnden Auszubildenden möglichst gering halten.

Kreishandwerkermeister Hendrik Hiller befürchtet, dass bei langen Schulwegen, Ausbildungsverträge gar nicht erst zustande kommen. An der Berufsschule Wittenberg werden von den in der Kreishandwerkerschaft organisierten Innungsbetrieben nur noch zwei Gewerke unterrichtet – Kfz und Metall, letzteres auch nur im ersten Lehrjahr, ab dem zweiten Lehrjahr in Dessau. Die Maler fahren nach Köthen, Friseure und Elektro-Gewerke nach Bitterfeld, die Bäcker nach Dessau und die Baugewerke nach Stedten im Mansfelder Land. 

„Wenn diese Wege durch Abschaffung der Mischklassen noch länger werden, ist die Schmerzgrenze erreicht“, kritisiert Hiller, „denn wir erwarten von unseren jungen Leuten doppelte Mobilität: für den Weg zum Ausbildungsbetrieb und für den Weg zur Berufsschule.“ 

Doch dafür stellt das Land bislang keine ausreichende Unterstützung zur Verfügung. „Wenn die Mittel für Fahrtkostenerstattung und Internatsunterbringung jetzt von 200.000 Euro auf drei Millionen Euro erhöht werden, wie es die Landesregierung vor hat, dann ist das schon mal ein großer Schritt nach vorn“, so Hövelmann, „und perspektivisch müssen wir dann ein echtes Azubi-Ticket daraus machen.“ 

Bei den rund 20 Bäckereien im Kreis Wittenberg gibt es aktuell keinen Lehrling mehr im ersten Ausbildungsjahr. Auch in den anderen Gewerken sind viele Lehrstellen unbesetzt, dazu kommen 30 Prozent Abbrecher. „Viele Azubis sind erschrocken, wenn sie mit dem realen Berufsbild konfrontiert werden“, berichtet Hiller. Die Berufsorientierung für Jugendliche müsse verbessert werden, überdies bedürfe es einer besseren Allgemeinbildung der Azubis. Für Allgemeinbildung seien die (staatlichen) Schulen zuständig, Unternehmen nicht die Ersatzschulen der Nation.





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