Stephan Köcke leitete die KVHS Wittenberg 27 Jahre und sieben Monate. Von 1994 bis 2005 war er auch stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes der Volkshochschulen, „um unsere Interessen bei der Landesregierung durchzusetzen.“ Foto: Wolfgang Gorsboth

Stephan Köcke leitete die KVHS Wittenberg 27 Jahre und sieben Monate. Von 1994 bis 2005 war er auch stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes der Volkshochschulen, „um unsere Interessen bei der Landesregierung durchzusetzen.“ Foto: Wolfgang Gorsboth

02.08.2018

Erwachsenenbildung in Ostdeutschland fehlt es an Ressourcen

KVHS-Direktor Stephan Köcke geht in den Ruhestand

Wittenberg (wg). Wenn Stephan Köcke am 9. August das Herbstprogramm der Kreisvolkshochschule (KVHS) vorstellt, ist es das letzte von ihm verantwortete Programm, denn nach 27 Jahre und sieben Monaten geht der 65-Jährige im September in den Ruhstand. Der passionierte Erwachsenenbildner hinterlässt ein gut aufgestelltes Haus, das er mit Beharrlichkeit und Beständigkeit geführt hat. 

„Ich gehe einerseits mit großer Zufriedenheit, andererseits auch mit einiger Kritik“, erklärt der scheidende Direktor im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag, „für die Erwachsenenbildung in Ostdeutschland wünsche ich mir künftig eine ähnlich hohe Anerkennung und auskömmliche Finanzausstattung wie in den Altbundesländern. Dass Erwachsenenbildung ein zentraler Aspekt der öffentlichen Daseinsvorsorge ist, haben hierzulande noch nicht alle politisch Verantwortlichen begriffen.“ 

Das Land habe sich aus der Drittel-Finanzierung verabschiedet und fördert nur noch zu rund 12 Prozent, so dass die Landkreise und kreisfreien Städte trotz klammer Haushalte ihrer Förderung erhöhen müssen bei gleichzeitig steigenden Kursentgelten zur verbesserten Kostendeckung. „Aufgabe der Volkshochschulen ist es, Bildung für Jedermann auf hohem Niveau und zu sozialverträglichen Entgelten sicherzustellen“, betont Köcke, „wir können bei einem Kostendeckungsgrad von 67 Prozent nicht weiter an der Entgeltspirale drehen.“ 

Vom Kultusministerium war Köcke nach der Wende bereits als Direktor der Wittenberger Berufsschule berufen worden, doch der Lehrer für Mathematik und Physik hatte sich parallel auf die Stelle des KVHS-Direktors beworben, wurde vom Kreistag berufen und trat am 1. August 1991 das Amt an. Die Rahmenbedingungen waren zu Anfang äußerst bescheiden: „Wir haben mit einer Drei-Raum-Wohnung in der Sternstraße 5 begonnen“, erinnert sich Köcke. Erst mit dem Umzug in die Geschwister-Scholl-Straße 4/7 verbesserten sich die Bedingungen grundlegend. 

Nach der Wende wurde in Sachsen-Anhalt der zweite Bildungsweg im Unterschied zu anderen Bundesländern von den Volkshochschulen abgetrennt: An der KVHS Wittenberg sanken die Unterrichtsstunden von 7.000 auf 700. Trotz der Gebietsreformen ab 1994 und einem Zuwachs an Einwohnern sank der Stellenzahl der Mitarbeiter von 23,5 auf 7,0. Unter Köcke erlebte die KVHS einen enormen Aufschwung, Angebot, Unterrichtsstunden und Teilnehmerzahlen stiegen. Durchschnittlich 5.000 Teilnehmer besuchen rund 440 Kurse und Veranstaltungen im Jahr. „Im Mittelpunkt stehen die Bedarfe der Teilnehmer und die Qualität der Kurse“, betont Köcke. Aus diesem Anspruch sei auch die Idee entstanden, die ehemalige Rosa-Luxemburg-Schule zu einem modernen Bildungs- und Begegnungszentrum mit hoher Servicequalität zu profilieren, am 1. Januar 2012 konnten KVHS und Kreismusikschule einziehen. 

"Die KVHS stellt sich neuen Herausforderungen, als ab 2015 viele Geflüchtete zu uns kamen, haben wir sofort reagiert“, sagt Köcke. Im Durchschnitt werden sieben Sprach- und Integrationskurse für Erwachsene pro Semester angeboten, zusätzlich in Kooperation mit der Berufsschule Kurse für Jugendliche. „Hätten wir mehr personelle und räumliche Ressourcen, könnten wir mehr Kurse anbieten, der Bedarf ist da“, kritisiert Köcke, „es fehlen Kurse an der Schnittstelle Spracherwerb und Berufsausbildung.“ 

Ebenfalls auf eine gesellschaftliche Herausforderung reagiert die KVHS mit ihren Kursen für funktionelle Analphabeten, die über die EU finanziert werden. „Anfangs waren die Hemmschwellen für die Betroffenen hoch, doch inzwischen laufen zwei Parallelkurse“, so Köcke.

Nachfolge nicht geregelt

Noch gibt es für Köcke keinen Nachfolger, so dass ab dem 5. September Musikschuldirektor Markus Biedermann, der gleichzeitig stellvertretender KVHS-Direktor ist, die Stelle kommissarisch übernehmen wird. „Ich habe der Kreisverwaltung bis zum 30. April die Ausschreibung für die Stelle des KVHS-Direktors zugearbeitet, seitdem ruht still der See“, kritisiert Köcke, der sich eine persönliche Übergabe an seinen Nachfolger gewünscht hätte. Ausdrücklich dankt er seinen Mitarbeitern für ihr Engagement und dem KVHS-Beirat für die konstruktive Begleitung. Die offizielle Verabschiedung am 30. August in der Aula des Bildungszentrums erfolgt nicht auf Einladung der Kreisverwaltung, sondern in privater Regie.




Video

Oberbürgermeister Zugehör

mehr Videos

Videos Stimmen aus der Region

Oberbürgermeister Zugehör
Keine Angst – uns geht es gut
Kommunaler Bildungsbericht im Kreistag vorgestellt
Kreistag beschließt mehr Geld für die Sporthalle im Volkspark

Videos Politik

Bürgerforum Coswig
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 1
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 2

Videos Kultur

Neue Liedertour mit Karl Neukauf
75 Jahre Saxophone Joe
Alaris Schmetterlingspark.m4v
Dicke Luft und kein Verkehr - Der Zoff geht weiter
Jukebox im Clack Theater Wittenberg

Videos Auto

Volvo XC40 Winter-Testfahrten


Wittenberger Sonntag Verlags GmbH, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: