Die Wittenberger Stadtplanerin Enikö Andersen war zu Gast bei der SPD, hier mit Thomas Merten, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Wittenberg (l.) und Vorstandsmitglied Sven Paul. Foto: Wolfgang Gorsboth

Die Wittenberger Stadtplanerin Enikö Andersen war zu Gast bei der SPD, hier mit Thomas Merten, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Wittenberg (l.) und Vorstandsmitglied Sven Paul. Foto: Wolfgang Gorsboth

21.07.2018

SPD-Stammtisch plädiert für Wittenberg als Radlerstadt

Mehr Radverkehr für eine lebenswerte Kommune

Wittenberg (wg). Die Stadtplanung schenkt dem Radverkehr große Beachtung, zumal es noch viel Potenzial für diese umweltfreundliche Form der Mobilität in Wittenberg gibt. Das ist ein Ergebnis des Stammtisches des SPD-Ortsvereins am Donnerstagabend zum Thema Mobilität, dazu war als Fachfrau Enikö Andersen eingeladen, die im Neuen Rathaus für Stadtplanung mit dem Schwerpunkt Verkehrsplanung zuständig ist. Trotz hochsommerlicher Hitze war der Stammtisch gut besucht. 

„Mobilität ist ein Schlüsselthema für die gesellschaftliche Entwicklung, verbunden mit Chancen und Risiken“, erklärte Ex-Oberbürgermeister Eckhard Naumann, der den Stammtisch moderierte. Außer Radverkehr ging es auch um ÖPNV, um Pendler und um die bessere Vernetzung der Ortsteile mit der Kernstadt und mithin letztlich um die Frage, wie eine innovative – und umweltfreundliche – Verkehrspolitik Wittenberg als Stadt attraktiver und lebenswerter macht. 

Laut Haushaltsbefragung der TU Dresden liegt der Anteil der Radler am Gesamtverkehr in Wittenberg bei 19 Prozent (Landesdurchschnitt: 15 Prozent), „Ziel ist eine Steigerung auf 30 Prozent bezogen auf den Modalsplit“, sagte Enikö Andersen. In jedem Haushalt existierten in der Regel zwei Fahrräder. Wittenberg soll mehr und mehr zur Radlerstadt werden. 

„Mit mehr Rad wird eine Stadt interessanter, dazu bedarf es aber in einer Kommune eines entschlossenen Vorgehens“, erklärte Stefan Zowislo, Vorsitzender des ADFC-Kreisverbandes. Im Detail werde einiges getan, aber es fehle an makropolitischen Ansätzen. Überdies regte Zowislo die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft Radverkehr an. Bewährt hätten sich die Radwege-Checks gemeinsam mit der Stadtverwaltung. Mit dem Einsatz von Lasten-Bikes ließe sich zudem der Verkehr in der Altstadt reduzieren, um endlich der Fußgängerzone zu ihrem Recht zu verhelfen. 

Wenn Wittenberg zur Radlerstadt werden soll, müssen entsprechende Bedingungen geschaffen werden mit Blick auf Neubau bzw. Sanierung von Radwegen, Verkehrssicherheit sowie einem Bündel von Maßnahmen im Servicebereich – angefangen von Abstellmöglichkeiten über Reparatur (Schlauchautomaten) bis hin zu Ladestationen für E-Bikes. Für Pendler und Touristen besonders wichtig ist eine sichere Aufbewahrung der Räder und des Gepäcks. 

Die Ortsteile besser anbinden

Auch bei der Anbindung der Ortsteile an die Kernstadt spielen Radwege eine besondere Rolle. Reinhard Rauschning, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion und Ortsbürgermeister von Reinsdorf, erinnerte an die 1.200 Unterschriften, mit denen Bürger aus Straach und Nudersdorf fordern, dass endlich ein Radweg entlang der L 124 gebaut werde. Die Unterschriftenliste läge beim Petitionsausschuss des Landtages, weil das Land diesen Radweg in seiner Prioritätenliste trotz der Notwendigkeit schlicht ignoriert. „Wir kämpfen seit mehr als zehn Jahren für diesen Radweg, auch, weil vor allem Sekundarschüler das Rad nutzen, um zur Heinrich-Heine-Schule in Reinsdorf zu kommen“, so Rauschning. 

Bei anderen Projekten sieht es besser aus, informierte Andersen. So läuft für den Radweg von Kropstädt zur Landesgrenze Brandenburg entlang der B 2 das Planfeststellungsverfahren. Der Abschnitt an der B 2 ab Höhe Annendorfer Straße bis Trajuhn ist bereits planfestgestellt, das Baurecht liegt vor. Allerdings, so Andersen, wollten weder Bund noch Land das Vorhaben realisieren, indem sie auf die bevorstehende Realisierung des dritten Bauabschnitts zur Ostumfahrung (B 2 neu) und der damit verbundenen Abstufung der B 2 alt zur Kommunalstraße verweisen. Die Stadt halte aber an diesem Vorhaben fest. 

Bei der Sanierung von Straßen wie derzeit Erich-Mühsam-Straße und Triftstraße geht es nach Auskunft von Enikö Andersen immer auch um Fragen der Verbesserung für Fußgänger und Radfahrer. Für den dritten Bauabschnitt Ostumfahrung stehe in diesem Jahr der Erörterungstermin an. Der Lärmaktionsplan für die Stadt befinde sich im Entwurf und werde noch in diesem Jahr im Stadtrat beraten und beschlossen. Dazu habe es vorab einen umfassenden Prozess der Bürgerbeteiligung gegeben. Das Eisenbahnbundesamt erstelle derzeit einen Lärmaktionsplan „Schiene“, außer der Nord-Süd-Trasse anerkenne die Bahn, dass es auch im Bereich der West-Ost-Trasse erhebliche Probleme mit Lärmbelästigung gebe. 

Zweites Parkhaus spielt keine Rolle

Überhaupt keine Rolle spielte beim SPD-Stammtisch das von SKW-Geschäftsführer Rüdiger Geserick ins Gespräch gebrachte zweite Parkhaus: Eine autogerechte Stadt ist eben keine lebenswerte Stadt, denn außer den Problemen, die durch den fließenden Autoverkehr verursacht werden, stellt auch der ruhende Verkehr in vielen Fällen einen kritischen Punkt dar, vor allem für die Umwelt.




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