18.07.2018

Wittenberger Sonntag liest die Westfalenpost

Alleinerziehende: Allein und benachteiligt

Hagen (ots) - Rund 2,6 Millionen Alleinerziehendenhaushalte gibt es laut Statistischem Bundesamt in Deutschland. Die Kinder von getrennt lebenden Eltern wachsen zu 90 Prozent bei der Mutter auf und somit sind meist Frauen die Leidtragenden. Fast die Hälfte dieser Kinder lebt von Hartz IV. Demgegenüber stehen 300 000 Kindergarten-Plätze, die in Deutschland fehlen. Warum ist es so schwer für die Politik, zwischen diesen Faktoren einen Zusammenhang herzustellen? Klar, es ist löblich, dass der Staat durch eine Reform nun in der Lage ist, den Unterhaltsvorschuss für zahlungsunwillige Väter zu begleichen. Aber wäre es nicht besser, Frauen mit Kindern zu ermutigen, in der Arbeitswelt selbstbewusst zu agieren? Dafür müssten mehr Kita-Plätze geschaffen werden, und vor allem die Stigmatisierung von Müttern, die Vollzeit arbeiten gehen, müsste ein Ende haben. 

Es wäre an der Zeit, dass die Politik die Leistungen von Alleinerziehenden mit steuerlichen Vorteilen ähnlich dem Ehegattensplitting fördert. Weil sie Leistungsträgerinnen sind. Sie sind zerrissen zwischen Familie und Beruf. Kinder zu haben, heißt in unserer freien Wirtschaft, Verwundbarkeit zu zeigen. Sie sorgen für Lebensunterhalt und ihre Kinder. Jeden Tag. Und sind irgendwann einmal die Kinder aus dem Haus, droht häufig Altersarmut. 

In Deutschland beträgt die gesetzliche Durchschnittsrente von Frauen 645 Euro, die von Männern 1595 Euro. So werden Alleinerziehende mehrfach bestraft. 

Die Ehe steht in unserem unionsregierten Land unter besonderem Schutz. Alleinerziehende Haushalte nicht. Sie genießen im Gegensatz zu Ehepaaren verschwindend geringe Steuervorteile. Auch wenn 56 Prozent der Paare, die das Ehegattensplitting nutzen, keine Kinder haben. Alleinerziehende könnten zu dem Schluss kommen, dass der Staat auf ihre Kosten lebt, weil er ihre tägliche Gratisarbeit in der Erziehung nicht wertschätzt.




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