WeibsBilder sind auf Entdeckungstour - hier auf dem Hof des Hauses der Geschichte, mit Sprachpatin Inge Harazin (l.) und Christel Panzig (2.v.l.), Leiterin des Hauses der Geschichte. Foto. Wolfgang Gorsboth

WeibsBilder sind auf Entdeckungstour - hier auf dem Hof des Hauses der Geschichte, mit Sprachpatin Inge Harazin (l.) und Christel Panzig (2.v.l.), Leiterin des Hauses der Geschichte. Foto. Wolfgang Gorsboth

17.07.2018

Integration von geflüchteten Frauen durch Bildung und Beruf

WeibsBilder auf Entdeckungstour in Wittenberg

Wittenberg (wg). Geflüchtete Frauen aus Syrien, Afghanistan, Somalia und Eritrea waren als „WeibsBilder unterwegs in Wittenberg“: Nach einer Führung durch das Haus der Geschichte gab es eine Stadtrundfahrt mit der Altstadt-Bahn und zum Abschluss ein kleines Grillfest auf dem Hof des Museums. Das Projekt des Nachbarschaftstreffs in Wittenberg West wird von ehrenamtlichen Sprachpaten unterstützt.

„Wir wollen über unsere Geschichte und Kultur informieren, Parallelen zeigen zwischen der Situation von Flüchtlingsfrauen heute und den vertriebenen Frauen nach dem Zweiten Weltkrieg“, erklärt Sprachpatin Inge Harazin im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. „Deutschland ist eine Leistungsgesellschaft, Integration funktioniert nur über Sprache und Arbeit“, beton Harazin. Alle Frauen besuchen Sprachkurse in der Kreisvolkshochschule oder anderen Bildungsträgern, einige absolvieren zusätzlich ein Praktikum. 

„Die Bereitschaft, sich sprachlich und im Arbeitsmarkt zu integrieren, ist hoch“, so Harazin. Damit würden die Frauen Unabhängigkeit von staatlichen Hilfen und Männern und eine Befreiung von der unterwürfigen Rolle verbinden. Die Kluft zwischen der Selbstbestimmung der Frau hierzulande und der traditionell untergeordneten Rolle der Frau in einigen Flüchtlingsländern sei eine Herausforderung bei den Integrationsbemühungen. „Die Chance, Deutsch zu lernen, eine Ausbildung zu machen, eine Arbeit aufzunehmen, wird von den Frauen gern genutzt“, sagt Harazin, „die Lernbereitschaft, Pünktlichkeit und Fleiß sind oft ausgeprägter als bei den Männern.“ 

Parallelen zu deutschen Flüchtlingen nach 1945

Viele Frauen sind ohne Männer gekommen, aber mit Kindern. Für die Leiterin des Hauses der Geschichte, Dr. Christel Panzig, ist das eine von mehreren Parallelen zu den Vertriebenen und Zwangsumsiedlern aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten: „Auch sie hatten Hab und Gut verloren, ebenso Heimat und Identität sowie den sozialen Status ihrer angestammten Heimat.“ Die Frauen damals mussten in einem zerstörten Land alleine für ihr Familien sorgen, weil die Männer entweder tot, in Gefangenschaft oder verwundet waren. „Vorher waren manche nur Hausfrauen, nun mussten sie das Land wieder aufbauen, einige haben auch politische Funktionen wie das Amt der Bürgermeisterin übernommen“, berichtet Patzig.

Im Prozess der Integration hätten die Vertriebenen, Flüchtlinge und Zwangsumsiedler zwiespältige Erfahrungen gemacht: „Es gab uneigennützige Hilfe der einheimischen Bevölkerung, wie sie heute im Begriff ‚Willkommenskultur’ Ausdruck findet, aber es gab mit Blick auf Nahrungsmittelknappheit und Wohnungsnot auch entschiedene Ablehnung.“ Dass es zu Zwangszuweisungen kam, habe das Verhältnis zwischen Einheimischen und sogenannten Neubürgern nicht verbessert, immer wieder hieß es: „Die sollen zurück, wo sie hergekommen sind.“ Wie heute gab es kein Recht auf einen selbstbestimmten Wohnort. 

Man könne die traumatischen Erfahrungen durch Flucht und Vertreibung vergleichen, so Panzig, und auch die Art und Weise, wie die Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg von Einheimischen abgelehnt wurden, zeige Parallelen auf mit den Brandstiftern von heute. „Man kann Menschen eine neue Heimat geben, wenn man nur will“, erklärt Panzig, „zumal wir heute im Vergleich zur Nachkriegszeit in einer wohlhabenden Gesellschaft leben.“ Die Hoffnungen der Heimatvertriebenen damals auf ein menschenwürdiges und friedliches Leben sowie einen erfolgreichen Neuanfang seien ähnlich wie die Hoffnungen der Hilfesuchenden von heute. 

Hinweis: Straßenfest am Nachbarschaftstreff 

Nach dem länderspezifisch orientierten Projekt „Tanz der Kulturen“ behandelt das Projekt „WeibsBilder weltweit“ konkrete Themen wie Internationaler Frauentag, Frauen und Religion, das Kopftuch zwischen Brauchtum und Mode, Hochzeitsbräuche und Frauen auf Entdeckungstour. 

Der Abschluss ist für den 31. August geplant: Zum traditionellen Straßenfest am Nachbarschaftstreff werden zugewanderte Frauen einen Gewürzbasar anbieten – zum Riechen, Schmecken und Heilen.

Eine Fortsetzung mit einem neuen Projekt ist nach Auskunft des Nachbarschaftstreffs in Planung.




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