Bild: Auch Rando Gießmann, Geschäftsführer der Wittenberger Wohnungsbaugesellschaft, hält nichts von der Forderung nach einem weiteren Parkhaus für Wittenberg. Stattdessen möchte er zum Wohle aller durch den Bau von attraktiven Wohnungen sowohl vorhandene Baulücken schließen als auch für mehr Leben in der Innenstadt sorgen. Foto: Wolfgang Marchewka

Bild: Auch Rando Gießmann, Geschäftsführer der Wittenberger Wohnungsbaugesellschaft, hält nichts von der Forderung nach einem weiteren Parkhaus für Wittenberg. Stattdessen möchte er zum Wohle aller durch den Bau von attraktiven Wohnungen sowohl vorhandene Baulücken schließen als auch für mehr Leben in der Innenstadt sorgen.
Foto: Wolfgang Marchewka

10.07.2018

Ein zweites Parkhaus macht die Innenstadt nicht attraktiver

Aufgabe: Mehr Leben in die Wittenberger Altstadt bringen

Wittenberg (wm). Zu der von mehreren Fachleuten bereits als sachlich unzutreffend bezeichneten Medienkampagne der SKW Piesteritz mit der Forderung nach einem weiteren Parkhaus hat sich auch die Wittenberger Wohnungsbaugesellschaft (Wiwog) positioniert. „Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, mehr Leben in die Altstadt zu bringen, und keine toten Augen“, sagt Wiwog-Geschäftsführer Rando Gießmann im Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag. 

Mit „toten Augen“ meint Gießmann in erster Linie die Scheinwerfer von den Fahrzeugen solcher PKW-Besitzer, die morgens möglichst nah an ihren Arbeitsplatz heranfahren wollen, um nach vollbrachtem Tagwerk wieder heimwärts zu streben. 

Diese Gruppe sorgt auch für den wesentlichen Teil des störenden Verkehrs, weil die Fahrzeuglenker arbeitstäglich auf der Suche nach einem möglichst kostenlosen Dauerparkplatz sind. 

Wer die Innenstadt stärken möchte, müsse mehr Menschen dauerhaft in die City bringen, und das funktioniere am besten durch den Bau von möglichst attraktiven Wohnungen. „Wer in der Altstadt wohnt, kauft auch dort, nutzt die örtliche Gastronomie viel stärker und möchte auch etwas erleben“, ist Gießmann überzeugt, „dagegen macht ein zweites Parkhaus die Innenstadt nicht schöner.“ 

Die vorhandenen Baulücken in der Altstadt sieht der Wiwog-Geschäftsführer als ein Problem an, das nur mit geduldigen Verhandlungen zu lösen sei: „Die fraglichen Grundstücke sind in Privatbesitz, und wir können die Eigentümer nicht zum Verkauf zwingen.“ 

Die Wiwog habe durchaus Ambitionen, in der Altstadt vorhandene Baulücken mit dem Bau weiterer Wohnungen zu schließen. Man sei auch seit geraumer Zeit mit einigen Eigentümern zwecks Grundstückskauf im Gespräch, doch: „Das kann nur zu fairen Konditionen geschehen.“ Übersetzt: Manche Grundstückseigentümer fordern bisher noch zu hohe Preise. 

Autofreie Innenstädte 

Die Redaktion des Wittenberger Sonntag bezeichnete die Forderung der SKW als einen „Geist aus dem vorigen Jahrhundert.“ Wie richtig diese Einschätzung ist, zeigt ein Blick über den heimischen Landkreis hinaus: Diverse Städte in Deutschland und der Welt haben bereits Projekte für die autofreie Innenstadt realisiert. Wir zitieren dazu mal nicht die MZ, sondern ein Qualitätsmedium. 

Die Märkische Allgemeine schrieb jüngst wörtlich: „Die Italiener, die Holländer, die Skandinavier, die Briten und Franzosen, sogar ostdeutsche Städte zeigen, wie man Ruhe und Beschaulichkeit und trotzdem mehr Leben in alte Innenstädte bringt. Sie sperren den Durchgangsverkehr aus, schaffen Parkplätze ab, bringen Elektrofahrzeuge auf die Straßen, bevorrechten Radfahrer und Fußgänger – die Altstadt wird zum Ort des Bummelns und Genießens. In Wernigerode im Harz zum Beispiel. Geht das auch in Potsdam?“

Autofreier Sonntag 

Die Stadt Hannover feierte im Juni ein beachtliches Jubiläum: Zehn Jahre autofreier Sonntag. Dazu meldete das offizielle Internetportal der Stadt etwa 110.000 Besucherinnen und Besucher, die nicht nur feierten, sondern sich informierten zu den Themen Mobilität, Klima- und Umweltschutz, erneuerbare Energien, nachhaltige Lebensstile und kulturelle Vielfalt. 

Keine grüne Spinnerei 

Häufig werden in Stadt und Kreis Wittenberg Anregungen zu einer autofreien Innenstadt als „grüne Spinnerei“ diffamiert. Das ist sachlich falsch, wie nicht nur die bereits erfolgreich realisierten Projekte in anderen Städten beweisen, sondern auch die größte Lobbyvereinigung der Autofahrer in Deutschland, der ADAC, beschäftigt sich mit der autofreien Zukunft und hat dazu eine Studie veröffentlicht. 

Darin heißt es zum Beispiel wörtlich: „Immer mehr Städte setzen zur Steigerung der Lebensqualität auf Verkehrskonzepte, in denen der Radverkehr einen Großteil des Autoverkehrs ablöst. Vielfach werden neue elektrische Zweiräder zum schnellsten Verkehrsmittel, weil nicht mehr die Höchstgeschwindigkeit, sondern das durchschnittliche Tempo die Mobilität in Städten bestimmt. Verleihstationen und Lastenräder sorgen für eine Neuverteilung urbaner Mobilität und öffentlicher Räume. Die Innenstädte werden zunehmend autofrei und bekommen mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität. Die Stadt von morgen wird smarter und menschlicher: weniger Fahrzeuge, Parkraum und Umweltbelastung. Bislang getrennte Einzelsysteme wandeln sich zu integrierten Systemen. Auch der Wirtschafts- und Lieferverkehr wird vernetzter, smarter, grüner.“ 

Fazit: Neue Ideen sind auch für die Zukunft der Stadt Wittenberg gefragt – und kein Rückfall ins vergangene Jahrhundert, wie die zweifelhafte Medienkampagne der SKW Piesteritz den Menschen weismachen will.





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