Margitta Müller wird von Bürgermeister Jochen Kirchner sowie Janine Stiller (l.) und Jenny Strümpel verabschiedet. Foto: Wolfgang Gorsboth

Margitta Müller wird von Bürgermeister Jochen Kirchner sowie Janine Stiller (l.) und Jenny Strümpel verabschiedet. Foto: Wolfgang Gorsboth

06.07.2018

Für Stadtplanerin Margitta Müller war der Beruf Berufung

Mit langem Atem hat sie das Bild der Stadt geprägt

Wittenberg (wg). „Mit Margitta Müller verlässt uns eine herausragende Persönlichkeit, die tiefe Spuren hinterlassen hat“, sagt Bürgermeister Jochen Kirchner (parteilos). Nach 28 Jahren wechselt die Sachgebietsleiterin für Stadtplanung in den wohlverdienten Ruhestand. Unter der Maxime „Bewahren und Entwickeln“ habe sie maßgeblich das Bild der Gesamtstadt geprägt.

Die gebürtige Wittenbergerin, die in Dresden Architektur studierte, arbeitete ab 1978 im Stickstoffwerk als Projektantin, doch: „Man hatte dort als Architektin wenig Möglichkeiten, seine Ideen umzusetzen.“ Die Wende sei für sie deshalb nicht nur politisch, sondern auch beruflich ein Glücksfall gewesen. Am 1. November 1990 wechselte sie in die Stadtverwaltung, dort hat sie den Fachbereich Stadtentwicklung aufgebaut, Unterstützung gab es vom Stadtplanungsamt der Partnerstadt Göttingen: „Damals haben wir Neuland betreten, hatten viele Ideen, trotzdem musste alles rechtssicher sein.“ 

Aus dem Beruf wurde eine Berufung. „Pläne und Ideen werden erst groß, wenn du sie mit anderen teilst“, lautet einer ihrer Kernsätze. Sowohl in der eigenen Verwaltung, als auch in anderen Behörden und im Bauausschuss wurde Müller für ihre kollegiale und kommunikative Art wertgeschätzt. Für die Umsetzung von Projekten der Stadtentwicklung braucht es nicht nur Fachleute in der Verwaltung, sondern auch das Einvernehmen mit der Politik und der Öffentlichkeit. 

„Damals war Wittenberg auf dem Weg, sich von der Lutherstadt zur Chemiestadt zu entwickeln“, blickt Müller zurück. Heute gehören „Wittenberg als Standort mit Industrie-Kultur“ und als „Stadt der Reformation“ zu den Leitbildern des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) Wittenberg 2017+. Um die Altstadt entwickeln zu können, mussten mit Gestaltungs-, Erhaltungs- und Sanierungssatzung die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. 

Von Anfang an hatte Müller den Blick auf die Gesamtstadt und damit auf Bebauungspläne, Fragen des Baurechts, Stadtentwicklungskonzepte (STEK), Flächennutzungspläne (FNP) sowie Rahmenplanungen. Strategische Vorhaben, die auf Grund der äußerst komplexen Verfahren einen langen Atem benötigen. So erlangte der FNP für die Stadt Wittenberg erst nach rund zehnjähriger Bearbeitungzeit 2004 Rechtskraft: „Es gab gründliche Analysen und ausführliche Diskussionen, deren Ergebnisse in den FNP eingearbeitet werden mussten.“ Ähnlich lange dauerten die Arbeiten am STEK, mit denen 1993 begonnen wurde, mit etlichen Teilfortschreibungen zu Themen wie Wohnen und Verkehr.

 Damals habe man sich vor allem auf Gewerbeflächen konzentriert: „Wir kämpften darum, dass Wittenberg in der Landesentwicklungsplanung den Status Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums zuerkannt bekam und da spielte das Gewerbe eine zentrale Rolle.“ Mit dem ersten B-Plan W1 wurde damals in Apollensdorf-Nord die Grundlage für die Ansiedlung von SIG Combibloc (vormals PKL) geschaffen. 

Probleme gab es nach der Wende genug: Die Konversionsflächen wie Brückenkopf, Arado, Arsenalplatz, Nordendstraße, die zwei Bahnlinien, die die Stadt zerteilten und mit drei beschrankten, kernstadtnahen Bahnübergängen regelmäßig für Verkehrsstau sorgten sowie zwei Bundesstraßen, die bis heute die Stadt zerteilen, da das Umfahrungskonzept (Nordumfahrung, letzter Bauabschnitt Ostumfahrung, L 126) noch nicht abgeschlossen ist. 

Es habe etliche Meilensteine in der Stadtentwicklung gegeben, so Müller, „und diese kann man nur realisieren, wenn alle dasselbe Ziel haben.“ Ein solcher Meilenstein war die anfangs umstrittene Öffnung der Bäche in der Altstadt. Dazu gehören die Infrastrukturprojekte der Deutschen Einheit wie die beiden neuen Elbebrücken, die Hafen- und die Bahnbrücke sowie Unterführungen. Die Werkssiedlung Piesteritz konnte restauriert und zur ersten autofreien Siedlung profiliert werden, nicht zuletzt dank der Expo 2000 in Hannover, die Werkssiedlung war das erste Projekt als Korrespondenzstandort. Auf Grund des Bevölkerungsrückgangs wurden im Rahmen des Stadtumbaus Ost Wohnblöcke abgerissen – und gleichzeitig auf Aufwertung gesetzt durch Ausweisung neuer Flächen für den Eigenheimbau. „Die Elbe war damals ein verschmutzter Fluss ohne Bezug zur Stadt“, berichtet Müller. „Durch die Eingemeindung von Pratau wurde die Elbe zum Fluss in der Stadt.“ Auch in der Forschtreibung des ISEK Wittenberg 2017+ ist „Wittenberg als Stadt an der Elbe“ als strategisches Leitbild benannt. 

 Durch die vielen Eingemeindungen verzeichnete die Stadt einen erheblichen Flächenzuwachs, hinzugekommen sind Dörfer im ländlichen Raum, deren Anbindung an die Kernstadt infolge des miserablen ÖPNV völlig unzureichend ist, ebenso ist die Versorgungs-Infrastruktur wie Einkaufsmöglichkeiten und Arztpraxen vielerorts mangelhaft. Alles das muss bei der Überarbeitung/Fortschreibung des FNP und des STEK als ISEK 2017+ mitberücksichtigt werden. 

Das ist nunmehr die Aufgabe von Janine Stiller, die als Sachgebietsleiterin für die Stadtentwicklung zuständig ist und von Jenny Strümpel, die sich als Sachgebietsleiterin um Stadtsanierung und Baurecht kümmert. „Zwei junge, engagierte und fachkompetente Kolleginnen, die die Arbeit von Margitta Müller fortführen werden“, erklärt Kirchner. Auf der Agenda stehen die Schließung des Stadtumfahrungsnetzes und hier vor allem Vollendung der Ostumfahrung und Bau der Nordumfahrung, die Bereitstellung von Flächen für den Eigenheimbau in der Kernstadt und in einigen Ortsteilen, die Verlängerung des Bahnhofsosttunnels sowie die weitere Festigung des ansässigen Gewerbes und Neuansiedlung.

„Wir wollen, dass der Arbeit wegen mehr Menschen nach Wittenberg ein- als auspendeln und dass sich letztlich die Menschen entscheiden, nach Wittenberg zu ziehen“, sagt Stiller.





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