rst gab es die Ehrenurkunde, dann folgte der Eintrag in das Goldene Buch der Stadt: Eckhard Naumann (m.), sein Nachfolger Torsten Zugehör (r.) und Prof. Dr. Wolfgang Huber. Foto: Oleg Alimov

rst gab es die Ehrenurkunde, dann folgte der Eintrag in das Goldene Buch der Stadt: Eckhard Naumann (m.), sein Nachfolger Torsten Zugehör (r.) und Prof. Dr. Wolfgang Huber. Foto: Oleg Alimov

03.07.2018

Festsitzung des Stadtrates im Stadthaus

Ehrenbürgerwürde für Eckhard Naumann

Wittenberg (wg). Vor 725 Jahren erhielt Wittenberg das Stadtrecht und mithin kommunale Autonomie. Eckhard Naumann (SPD) prägte als Stadtoberhaupt nach der Wende 25 Jahre lang die Geschicke der Stadt, dabei hat er sich weit über seine Dienstpflichten hinaus für die Entwicklung der Stadt eingesetzt. Beides zu würdigen stand im Fokus der Festsitzung des Stadtrates a im Stadthaus, die von der Ratsvorsitzenden Franziska Buse (CDU) eröffnet wurde.

„Wir sind zur Festsitzung zusammengekommen, weil die Geschichte Wittenbergs im Mittelpunkt steht und wir mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Eckhard Naumann ein Stück Geschichte fortschreiben“, erklärte Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos). „Der Schlüssel der Geschichte ist nicht in der Geschichte, er ist im Menschen“, zitierte der OB den französischen Philosophen Théodore Simon Jouffroy. Diesen Schlüssel zu erlangen, sei die Pflicht aller, dafür gäbe es kein Verfallsdatum. 

Mit der im März vom Stadtrat beschlossenen Verleihung der Ehrenbürgerwürde hebe die Stadtgesellschaft das Verdienst Naumanns beim Aufbau einer neuen, demokratisch verfassten Stadtverwaltung hervor, ebenso seinen Einsatz für den Industriestandort Piesteritz, für die städtebauliche Sanierung und für seine Moderation bei der Neuordnung der Kultur- und Bildungseinrichtungen der Stadt. Die Ehrenbürgerwürde sei die höchste Form der Anerkennung, die durch den Stadtrat verliehen werden könne, entsprechend hoch seien die Anforderungen. 

Trainer -  Mannschaftskapitän - Teamplayer

Nach dem Desaster der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM in Russland konnte sich Zugehör nicht die Feststellung verkneifen, dass auch das Nationalteam Geschichte geschrieben habe. Zwischen Kommunalpolitik und Fußball gebe es Parallelen – und Unterschiede: So müsse ein Stadtoberhaupt immer Trainer und Mannschaftskapitän zugleich sein, auf jeden Fall ein Teamplayer. Auf der Suche nach der Stadt Bestes bekomme ein Oberbürgermeister nicht nur Beifall, denn das lokale Leben sei keine heile Welt. 

Stolz darauf, wie sich die Stadt entwickelt hat

„Wenn der erste Bürger einer Stadt zum Ehrenbürger ernannt wird, ist dies ein außergewöhnliches Ereignis“, sagte Prof. Dr. Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender a. D. der Evangelischen Kirche in Deutschland, in seiner Laudatio, „denn was werden spätere Oberbürgermeister denken, wenn ihnen diese Auszeichnung nicht zuteil wird?“ Die Auszeichnung zeige, dass die Wittenberger mit der von Naumann geleisteten Arbeit und mit dem vergangenen Vierteljahrhundert zufrieden, ja sogar stolz darauf seien, wie sich ihre Stadt entwickelt habe. 

Früh auf den Weg gemacht 

Naumann, der einst im Stickstoffwerk Leiter des Rechenzentrums war, kam über den Demokratischen Aufbruch zur SPD. „Dass jemand aus der Industrie in die Politik wechselte, war 1900 ein seltener Fall“, so Huber. Man müsse von Wittenberg aber auch ein inneres Bild haben, ablesbar an den vielen Gedächtnistafeln in der Innenstadt, die an Persönlichkeiten erinnern, die dieser Stadt ihre Stempel aufgedrückt haben. Man habe 2017 den Geist der Reformationszeit mit dem der heutigen Zeit in einen lebendigen Dialog gebracht: „500 Jahre Reformation zu feiern, bedeutete, Wittenberg in den Fokus zu nehmen.“ 

Naumann habe sich früh und konsequent auf den Weg Richtung Reformationsjubiläum gemacht, „begleitet und unterstützt vom viel zu früh verstorbenen Propst Siegfried Kasparick“, erklärte Huber. Die damals zwischen Land, Stadt und Kirchen unterzeichnete Rahmenvereinbarung sei wegweisend gewesen und habe das Bild der Stadt positiv verändert. Naumann habe sich aber auch für die inhaltlichen Aspekte des Reformationsjubiläums interessiert, für die Freiheit eines Christenmenschen ebenso wie für die Vielfalt der christlichen Kirchen. 

Weltoffenheit - Neugierde - Respekt 

Huber bescheinigte Naumann Weltoffenheit, Neugierde auf Andere und einen von Respekt geprägten Umgang mit Menschen. „Dass er das Jahr 2017 nicht mehr im Amt als Oberbürgermeister erlebte, nahm er klaglos hin, der Staffelstab an seinen Nachfolger Torsten Zugehör wechselte reibungslos. Wäre das in der Politik immer so, hätten wir weniger Theater.“ 

Für Huber gehören „Beheimatung und Weltoffenheit“ zusammen, in Wittenberg verkörpere dies das Wittenberg Zentrum für Globale Ethik (WZGE), das jüngst seinen 20. Geburtstag feierte. Huber ist Mitglied des Kuratoriums des WZGE, Naumann Stiftungsrat und Präsident des Präsidiums. Die großen Fragen der Globalisierung untersetze das WZGE mit Antworten, dabei seien wichtige Impulse aus Wittenberg in die Welt gegangen. 

Viele Höhen und Tiefen 

Ehrenbürger Naumann dankte dem Stadtrat für seine „nicht risikofreie Entscheidung“, auch wenn ihm das viele Lob fast unheimlich sei, so nehme er die Auszeichnung gerne an. Er bleibe Bürger dieser Stadt, deren neue Imagekampagne „Schön wie nie“ (der Wittenberger Sonntag berichtete) auch eine Verpflichtung sei. Er dankte seiner Familie und Ehefrau Monika für die Unterstützung, außerdem der SPD-Ratsfraktion. Dass er 25 Jahre und ein Monat Stadtoberhaupt war, sei weder geplant noch strategisch vorbereitet gewesen. 

„Die Zeit von 1990 bis 2015 war alles andere als langweilig, sie war auch nicht von Konstanz geprägt, es gab Höhen und tiefe Täler, wir waren oft Getriebene einer spannenden Entwicklung“, bekannte Naumann. Als Meilensteine seiner Amtszeit nannte Naumann die Überführung der alten Stadtverwaltung in eine neue inklusive Stasi-Überprüfungen, die Gründung kommunaler Unternehmen, die heute „Perlen der Stadt“ seien, die Rückkehr der Evangelischen Akademie im Sommer 1997 nach Wittenberg, die erfolgreiche Entwicklung des Agro-Chemie-Parks, der Bau des Klärwerks (trotz anfänglicher Kritik wegen der Überdimensionierung), die Sanierung der Werkssiedlung Piesteritz und die Teilnahme an der EXPO 2000, die Internationale Bauausstellung 2010, die Altstadtsanierung samt Rettung der Cranach-Höfe, der neue Hauptbahnhof samt ICE-Halt, das Cranachjubiläum 2015 und das Reformationsjubiläum 2017.

„In der in den 1990er Jahren herrschenden Stimmung wäre eine Vorbereitung auf 2017 so nicht möglich gewesen, zu viele Akteure hätten sich eifersüchtig im Wege gestanden“, erklärte Naumann, „dies zeigt aber auch, dass es nachhaltige Lernprozesse gab. Es gibt mehr als die eigene Weisheit, doch gerade diese Erkenntnis wird heute zu Unrecht als fauler Kompromiss diffamiert.“ Nur diktatorische Anordnungen bedürften keiner Kompromisse, doch führten diese allzu oft in die Sackgasse. 

Naumann dankte zwei inzwischen verstorbenen Persönlichkeiten, die nach der Wende von Göttingen nach Wittenberg wechselten, denen die Stadt viel zu verdanken habe, weil sie kreativ und solidarisch an der Entwicklung des Gemeinwesens mitwirkten: Ulrich Pfingsten und Engelbert Pennekamp. 

725 Jahre Stadtrecht 

Als Burgward „Witteburg“ wurde Wittenberg bereits in einer Urkunde von 1180 erstmals erwähnt, doch 725 Jahre Stadtrecht bezieht sich auf den 28. Juni 1293, als Herzog Albrecht II. von Sachsen-Wittenberg dem Ort Stadtrecht verlieh, 50 Mark Silber musste die Stadt dafür zahlen. „Damit war der einzelne Eigentümer von Flächen von der individuellen Abgabe an den Herrscher befreit, die durch die pauschale Abgabe ersetzt wurde, dies setzte aber eine entsprechende Verfasstheit der Bürgerschaft voraus“, erläuterte Heiner Lück, Professor für Bürgerliches Recht und Rechtsgeschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, in seiner Festrede „725 Jahre Stadtrecht der Lutherstadt Wittenberg“. 

1295 habe der Rat der Stadt selber eine Urkunde ausgestellt, diese enthalte die Namen von vier Ratsherren und sieben Schöffen und gebe damit Aufschluss über die Verfasstheit der Stadt, die sich am Magdeburger Recht orientiert habe. „Diese Urkunde von 1295 wurde bislang von der Wissenschaft viel zu wenig zur Erklärung der Urkunde von 1293 herangezogen, letztere wird erst seit dem 19. Jahrhundert als Stadtrechtsurkunde bezeichnet“, so Lück. Der Festredner erwähnte noch Urkunden von 1313 und 1317, in der einen ging es um die Veräußerung von Grundstücken der Stadt, dazu war die Zustimmung der Bürgerschaft erforderlich, in der anderen um eine Streitentscheidung, die der Herzog zwischen der Stadt und den Bäckern getroffen hatte.

Die mit dem Stadtrecht verbundene kommunale Autonomie sowie die günstige Lage Wittenbergs an wichtigen Handelstraßen hätten zum Aufstieg Wittenbergs als bedeutende Residenz- und später Universitätsstadt beigetragen.




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