Joachim Perlberg und Kaya Bruchhäuser mit einem der kleinen Sandspielkästen für die nonverbale Therapie. Foto: Archiv /Wolfgang Gorsboth

Joachim Perlberg und Kaya Bruchhäuser mit einem der kleinen Sandspielkästen für die nonverbale Therapie. Foto: Archiv /Wolfgang Gorsboth

25.06.2018

Die Wittenberger Initiative bietet Hilfe für traumarisierte Flüchtlingskinder

TraumaHelfer-Projekt für den Deutschen Engagementpreis nominiert

Wittenberg (WiSo). Das im Landkreis Wittenberg eingerichtete Projekt der fachlich angeleiteten Laienhilfe für Flüchtlingskinder mit seelischen Verletzungen ist für den Deutschen Engagementpreis 2018 nominiert worden und geht ins Rennen um den Dachpreis für freiwilliges Engagement. Damit hat das TraumaHelfer-Projekt die Chance, bei der feierlichen Verleihung des Deutschen Engagementpreises am 5. Dezember 2018 in Berlin geehrt zu werden. Die Initiatoren waren bereits im Rahmen des Integrationspreises 2017 Sachsen-Anhalt ausgezeichnet worden. 

Organisatoren sind Joachim Perlberg, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie und Ärztlicher Leiter der Salus-Tagesklinik Wittenberg sowie Kaya Bruchhäuser, Erzieherin und Heilpraktikerin für Psychotherapie, Traumatherapeutin und Leiterin des Reithofes „Maruschka“ in Meuselko. 

Im Lehrplan „TraumaHelfer“ erwerben psychisch gefestigte und sozial engagierte Menschen, die keine therapeutische Vorkenntnisse haben, das Grundlagenwissen, um anschließend die Gruppenarbeit mit betroffenen Mädchen und Jungen unterstützen zu können. 

Seit dem Start im Herbst 2016 haben rund 100 Menschen die jeweils zweitägigen Wochenendkurse in der Salus-Tagesklinik absolviert, um sich Grundlagenwissen über kriegs- und fluchtbedingte Traumatisierungen sowie therapeutische Hilfsmöglichkeiten anzueignen. Darauf aufbauend wurden bislang drei Traumagruppen mit jeweils zehn Kindern und Jugendlichen zusammengestellt, in denen sich die Betroffenen unter direkter Beteiligung der TraumaHelfer mit ihren Schicksalen auseinandersetzen und ihre Belastung deutlich reduzieren konnten. 

„Die Kinder und Jugendlichen lassen sich voller Ernsthaftigkeit und Vertrauen auf die Angebote ein, entwickeln ein Gefühl des Zusammengehörens“, berichtet Perlberg, „die Szenen aus ihrem Leben, die sie im Sandspiel oder beim Legen ihrer Lebenslinie mit Steinen und Blumen andeuten, sind oft von erschütternder Klarheit, sie lassen das Ausmaß ihrer seelischen Wunden erahnen.“ 

Die TraumaHelfer übernehmen dabei die Funktion des persönlichen Gegenübers für das Kind, helfen ihm beim Erlernen der Übungen und dokumentieren die Entwicklungsschritte durch Aufzeichnungen, Fotos und das Anlegen einer Dokumentationsmappe. Anschließend gelingt es den jungen Menschen besser, mit den unvermeidlichen Stressbelastungen des Alltags auch in Deutschland umzugehen und nicht immer wieder von qualvollen Erinnerungen an erlebtes Leid überflutet zu werden. 

Perlberg freut sich über ein ungebrochenes Interesse an der Ausbildung zum TraumaHelfer: „Daher denken wir darüber nach, dieses Gruppentherapieangebot künftig auch einheimischen Kindern und Jugendlichen anzubieten. Dies ist besonders vor dem Hintergrund sinnvoll, dass nicht genügend Therapieplätze für betroffene junge Menschen zur Verfügung stehen oder von Krankenkassen nicht finanziert werden.“ Außerdem sei die TraumaHelfer-Ausbildung auch gut geeignet, um Beschäftigte in pädagogischen und erzieherischen Berufen so zu qualifizieren, dass sie Traumafolgestörungen besser erkennen und angemessen damit umgehen können. 

Hinweis:

Auf die Gewinner der fünf Kategorien Chancen schaffen, Leben bewahren, Generationen verbinden, Grenzen überwinden und Demokratie stärken warten Preisgelder in Höhe von je 5.000 Euro. Eine Experten-Jury bestimmt die Preisträger dieser Kategorien. Über den mit 10.000 Euro dotierten Publikumspreis stimmen die Bürgerinnen und Bürger vom 12. September bis 22. Oktober 2018 online ab. 

Hintergrund 

Der Deutsche Engagementpreis ist der Dachpreis für bürgerschaftliches Engagement in Deutschland. Ziel ist es, die Anerkennungskultur in Deutschland zu stärken und mehr Menschen für freiwilliges Engagement zu begeistern. Initiator und Träger des seit 2009 vergebenen Deutschen Engagementpreises ist das Bündnis für Gemeinnützigkeit, ein Zusammenschluss der großen Dachorganisationen der Zivilgesellschaft in Deutschland. Angesiedelt ist der Deutsche Engagementpreis beim Bundesverband Deutscher Stiftungen in Berlin.




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