Das Flüchtlingsboot am Schwanenteich, im Reformationsjubiläum 2017 ein wesentliches Detail aus dem Torraum "Torraum Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung", wurde von der Stadt nach der Weltausstellung als Mahn- und Denkmal übernommen. Foto: Archiv / Wolfgang Marchewka

Das Flüchtlingsboot am Schwanenteich, im Reformationsjubiläum 2017 ein wesentliches Detail aus dem Torraum "Torraum Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung", wurde von der Stadt nach der Weltausstellung als Mahn- und Denkmal übernommen. Foto: Archiv / Wolfgang Marchewka

23.06.2018

OB Torsten Zugehör: „Erst stirbt die Sprache, dann die Kultur“

Nicht das Boot, sondern den unsäglichen Antrag entsorgt

Das Flüchtlingsboot, ein Detail aus dem Torraum "Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung" des Reformationsjubiläums 2017, bleibt an seinem Standort am Schwanenteich. Dirk Hoffmann (AfD) scheiterte im Stadtrat. 

Wittenberg (wg). „Den letzten Satz ihres Antrags (‚den Schrott entsorgen’) sollten Sie sich zur Selbstbewertung desselben andienen“, reagierte Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) mit gebotener Schärfe auf einen von Dirk Hoffmann (AfD) am Mittwoch im Stadtrat eingebrachten Antrag, das Flüchtlingsboot am Schwanenteich zu „entsorgen“, um, so die mündliche Begründung, „die Stadt wieder sauber zu machen.“ 

Der im Antrag sowie im Vortrag verwendete Sprachstil sei aufgrund seiner Entgleisungen geeignet, die Stadtgesellschaft zu spalten. „Erst stirbt die Sprache, dann die Kultur“, warnte Zugehör. Zur Logik des Antrages gehöre es, dass sowohl das Aufstellen des Flüchtlingsbootes am Schwanenteich während der Weltausstellung Reformation als auch die vom Stadtrat mit sehr deutlicher Mehrheit getroffene Entscheidung, das Objekt zu übernehmen, ebenfalls als „Schrott“ abqualifiziert würden.

Dass das Flüchtlingsboot nichts mit der Reformation zu tun habe, wie von Hoffmann behauptet, zeuge zudem von Unkenntnis. Im Torraum Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung habe das Flüchtlingsboot aus dem Mittelmeer, auf dem 244 Menschen eingepfercht waren, die Funktion einer Antithese gehabt. 

In seinem Antrag unterstellte Hoffmann der Stadt, mit dem Boot „die Zustimmung der Stadt zur unkontrollierten Grenzöffnung durch Frau Merkel im Jahr 2015“ auszudrücken. „Dieses Boot ist ein Denkmal und ein Ort des Anstoßes, über die Weltausstellung von 2017 hinaus über unsere politischen, moralischen und juristischen Verpflichten in der Flüchtlingsfrage nachzudenken“, betonte der OB. Es gehe darum, den Menschen und seine Würde in den Mittelpunkt zu stellen. 

„Die im Antrag verwendeten Verunglimpfungen sind unerträglich, allein wegen des sprachlichen Duktus ist dieser Antrag abzulehnen“, erklärte CDU-Stadträtin Insa Christiane Hennen, „ich würde mich freuen, wenn es der AfD jemals gelänge, einen konstruktiven Antrag einzubringen, ob in der Kommune, den Ländern oder im Bund.“ Hoffmann habe offenkundig die Bedeutung des Bootes als Symbol nicht verstanden.

Dass es nicht eines gewissen Zynismus entbehre, den Antrag ausgerechnet zum Tag der Weltflüchtlingshilfe zu stellen, betonte SPD-Stadtrat Bernhard Naumann. Das „Schiff auf dem Trockenen“ sei überdies ein treffliches Symbol, um die Situation von Flüchtlingen zu verdeutlichen, wenn sie, aus purer Not getrieben, in einem fremden Land, einer fremden Kultur und einer fremden Sprache strandeten. Der Standort des Bootes an der Rosa-Luxemburg-Schule sei gut gewählt, um Schüler an die Thematik heranzuführen. Wie andere Stadträte auch, regte Naumann an, am Flüchtlingsboot eine Erklärungstafel anzubringen.

„Die Rosa-Luxemburg-Schule betreibt tagtäglich Integration, sowohl im Unterricht als auch in Projekten“, hob Uwe Loos (Linke) hervor. Die Entscheidung des Stadtrates, das Boot an seinem Standort stehen zu lassen, sei richtig gewesen.

„Es kommen keine ‚sogenannten Flüchtlinge’, wie im Antrag formuliert, sondern es kommen Menschen“, erklärte SPD-Stadträtin Daniela di Dio, Leiterin der Rosa-Luxemburg-Schule. Vor drei Jahren habe man angefangen, an der Schule ein Sprachzentrum aufzubauen, überdies erfahre die Schule tatkräftige Unterstützung wie zum Beispiel bei den Schwimm- und Radfahrkursen für Flüchtlinge, die der KSB organisiere. „Unsere Schüler wollen sich integrieren, wollen Teil dieser Gesellschaft werden“, sagte di Dio und forderte ein „Ende der unsäglichen Diskussion“. 

Der Antrag von AfD-Hoffmann wurde mit deutlicher Mehrheit abgelehnt, lediglich zwei weitere Stadträte - der Nazi und ein Rechtspopulist - stimmten für den Antrag.




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