22.06.2018

Wittenberger Sonntag liest die Berliner Morgenpost

Nitrat im Grundwasser: Eine tickende Zeitbombe

Berlin (ots) - Es stimmt schon lange nicht mehr. Deutschland ist kein leuchtendes Vorbild mehr im Umweltschutz. Kein Vorreiter für saubere Technologien, kein Pionier mehr, der Probleme mit Patenten löst. Und wer immer noch glaubt, dass Deutschland die Welt rettet und EU-Auflagen freiwillig übererfüllt, der sollte noch einmal die Nachrichten dieser Tage nachlesen: Deutschland verfehlt seine Klimaschutzziele - national wie auch auf europäischer Ebene. Die EU-Kommission verklagt Deutschland wegen zu schmutziger Luft in den Städten. Der Europäische Gerichtshof verurteilt Deutschland dafür, zu wenig gegen Nitrate im Grundwasser unternommen zu haben. Die Wahrheit ist: Der Prestigeweltmeister läuft Gefahr, als Sprücheklopfer zu gelten. 

Das Problem mit dem Nitrat ist seit Jahren bekannt. Nitrat, eine chemische Verbindung aus Stickstoff und Sauerstoff, kann im Körper von Menschen in schädliches Nitrit umgewandelt werden. Auch die Hauptquelle ist bekannt. Stickstoff wird in der Landwirtschaft als Dünger eingesetzt, zweifellos hat dies Vorteile: Der Dünger hilft, hohe Erträge bei guter Qualität zu erzielen, und liefert Böden ausreichend Nährstoffe nach. Ein Zuviel davon aber schadet: Überschüssiges Nitrat aus Dünger und Gülle gelangt von den überdüngten Feldern in Flüsse und Seen - und ins Grundwasser. Laut Umweltbundesamt zeigt inzwischen die Hälfte aller Grundwasser-Messstellen in Deutschland erhöhte Konzentrationen.

Es dauert Jahre, ehe das Nitrat ins Grundwasser sickert. Deswegen ist das Thema eine tickende Zeitbombe: Experten erwarten, dass die Werte großflächig steigen könnten. Umdenken müssen nun die Landwirte, die Nitratmengen verringern müssen. 

Das Politikversagen besteht darin, dass über Agrarsubventionen und Steuergelder ebenjene Art des Wirtschaftens gefördert wird, die Kern des Problems ist: maximale Erträge zu minimalen Kosten.




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