14.06.2018

Wittenberger Sonntag liest die Mittelbayerische Zeitung

Fußball-WM in Russland: Nicht nur feiern, auch denken

Regensburg (ots) - Sie ist wieder da, die Zeit, in der jedes Muskel-Aua eines deutschen Fußball-Nationalspielers von nationaler Relevanz sein wird. Ganz zu schweigen von der Befindlichkeit von "Uns Manuel" Neuer: Kann Deutschlands Super-Torwart wieder den Titel einfangen? Kurzum: Es muss wohl sehr viel passieren auf der Welt, um die Fußball-Weltmeisterschaft in den nächsten Wochen vom Mittelpunkt des Interesses zu verdrängen. 

Alle diskutieren mit, alle haben Ahnung, alle spielen Bundestrainer - und vor allem: Alle feiern. An einer Fußball-Weltmeisterschaft führt kein Weg vorbei - und keiner wird gefragt, ob er das nun will oder nicht. Die Verteidigung des Titels ist eben eine nationale Angelegenheit. 

Ja, es ist die Strahlkraft des Fußballs, die Dinge vollbringt, die sonst nur mühsam, wenn überhaupt machbar sind. Fußball kann jede Art von Grenzen aufheben, Zusammengehörigkeitsgefühl fördern, Groß und Klein, Alt und Jung, gebildet und weniger gebildet verbinden - und viel Begeisterung wecken. Letzteres haben gerade wir Deutschen am eigenen Leib erlebt: Es war 1990, als die Menschen zur Feier der Erfolge in Italien erstmals in Scharen und anfangs eher zaghaft auf die Straße gingen. Das war nur die Vorstufe: Denn die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hat etwas verändert, was auf keinem anderen Weg zu schaffen war. Seit 2006, seit dem WM-Sommermärchen in Deutschland darf wieder Schwarz-Rot-Gold ins Gesicht geschmiert werden, es dürfen Fahnen geschwenkt werden, was das Zeug hält - und zwar ohne, dass es aus dem Ausland als gefährlicher Nationalismus kritisch beäugt würde, ohne, dass sich irgendjemand dafür schämt. 

Freilich: Man muss kein Miesepeter sein, um Einwände zu erheben. Der Fußball unserer Tage hat sich nämlich verändert. Nicht nur, dass Fußball zuvorderst in Deutschland jeden anderen Sport er- und unterdrückt. Nein, die Kicker sind in einer Welt angekommen, die längst fernab jeglicher Realität ist. Die gigantischen Transfersummen und gigantischen Gehälter sind ein Ausdruck davon. Woher das kommt, ist einfach zu sagen. Viele kritisieren, viele schimpfen auf dieses und jenes - aber spielen alle Spielchen mit. 

Beispiele? Es werden aberwitzige Preise für Eintrittskarten und Fanartikel bezahlt - und im Dorfverein wird um 50 Cent Mitgliedsbeitrag im Monat fürs Kind gerungen. 

Fußballanhänger können verdammt unkritisch sein, frei nach dem Motto: Wir lassen uns unseren Spaß mit zuviel Überlegen nicht kaputtmachen. Doping? Bringt nichts, das machen nur Radfahrer, Gewichtheber und Leichtathleten, oder? Die Spieltage der Bundesligen erstrecken sich über immer weitere terminliche Strecken und verschiedene Zeiten. Die Übertragungen wandern ins Bezahlfernsehen und die Felder der Welt- und Europameisterschaften werden ausgeweitet und ausgeweitet. Fußballfans kommen trotzdem und bezahlen. Bald sind es 40 WM-Teams. 

Irgendwann, wenn die Färöer gegen die Fidschis um den letzten freien Platz spielen, wird die WM sechs oder acht Wochen dauern - und die Menschen werden trotzdem in Millionenzahl vor den Fernsehschirmen sitzen. Von den politischen Dimensionen ganz zu schweigen. 

Die Schattenseiten von Brasilien, Russland oder Katar werden zur Kenntnis genommen, mehr nicht. Aber haben die Erkenntnisse Konsequenzen? Es scheint, als sei die Welt der Fußballfans bisweilen oberflächlich und nähere sich der reinen Bespaßungswelt altrömischer Gladiatorenspiele an. 

"Ich allein kann doch nichts ändern", wird jetzt der eine oder andere sagen. Doch. Fußball kann genau das auch. Begeisterung und Faszination für das Spiel lassen sich sehr wohl in Einklang mit einer kritischen Betrachtungsweise bringen. Es gilt, nicht nur zu feiern, sondern auch nachzudenken. Mal sehen, wie gut das bei dieser WM in Russland funktioniert.





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