13.06.2018

Wittenberger Sonntag liest die Allgemeine Zeitung Mainz

Kim und Trump: Zertwitterer

Mainz (ots) - Das Schlimmste ist: Es ist eigentlich ziemlich egal, ob Donald Trump Vereinbarungen, die er unterschrieben hat, nachträglich zerstört - auf seine besondere Weise: Trump zertwittert, was er zugesagt hat. Manchmal ist es auch umgekehrt. Er hatte hohe Quoten, als er zwischen 2004 und 2015 in einer Casting-Show auftrat. Das Treffen mit Kim war nun eine Fortsetzung mit anderen Mitteln und unter anderen Gegebenheiten, deutlich in Richtung Seifenoper. 

Trump geht es um Quote, bei seinen Wählern. Und am Ende lässt er Nordkoreas Diktator seine Dienstlimousine bewundern, die bezeichnenderweise "das Biest" heißt. Selten war Politik so beschämend.

Der Singapur-Gipfel war ein Schlag ins Gesicht der G 7-Partner Trumps, eine glatte Provokation. Trump will sich als Weltenlenker und Friedenswächter präsentieren, dabei wissen doch alle, wes Geistes Kind er ist. 

Es wäre ja schön, wenn sich die Lage um Nordkorea entspannen würde. Es wäre vor allem gut für das geknechtete nordkoreanische Volk. Aber zum einen könnte es geschehen, dass der von Trump aufgewertete Kim, der schon bislang über Leichen geht, noch dreister und gegenüber seinem Volk noch brutaler wird. Zum anderen ist das in Singapur unterzeichnete Abkommen so vage, dass es kaum das Papier wert ist, auf dem es geschrieben wurde. 

Was tun? In wenigen Tagen feiern zwei wichtige Ereignisse der deutsch-amerikanischen Geschichte runden Geburtstag. Am 26. Juni 1963 bekannte John F. Kennedy vor dem Schöneberger Rathaus: "Ich bin ein Berliner." Am 24. Juni 1948 begann die sowjetische Blockade Berlins und damit die Luftbrücke der Alliierten. Die "Rosinenbomber" versorgten die geteilte Stadt aus der Luft. Jeder kennt zudem die Geschichte von Ramstein, die Geschichte des US-Stützpunktes Wiesbaden, die von "K-Town" Kaiserslautern und anderen Leuchttürmen von Partnerschaft und Freundschaft. Es ist vor allem die Geschichte von Menschen, Amerikanern und Deutschen, die zueinander gefunden haben. All das darf nicht zerstört werden wegen eines Mannes, dessen Vorfahren - und das ist wahrhaftig ein bitterer Treppenwitz der Geschichte - aus Deutschland, aus der Pfalz, kamen. Daran müssen alle arbeiten, denen an vernünftiger Politik gelegen ist, in der merkantile Konkurrenz sinnvoll ist, in der Egomanie, Dummheit und Verbohrtheit am Ende allen schaden. 

Die Europäische Union hat es derzeit auch deshalb so schwer, weil Trump zum Vorbild und Helden für Nationalisten und Populisten des alten Kontinents wurde. Der Kampf der Europäer um Einigkeit hat wohl seine Grenzen, wenn Staaten wie Ungarn, Polen oder Italien partout nicht mehr wollen oder können. Dann könnte die alte Idee eines Kern-Europa mit Paris und Berlin an der Spitze sehr schnell hochaktuell werden. 

Trump ist derzeit eine Gefahr für vernünftige Lösungen in der Politik, weltweit. 2015 wurde er in seiner eigenen TV-Show gefeuert - wegen rassistischer Tiraden. Die Hoffnung, dass ihm Vergleichbares im Präsidentenamt widerfährt, ist leider Gottes nicht sehr groß. Aber wer weiß.





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