Elke Strauchenbruch, Historikerin, Autorin und Stadtführerin. Foto: Privat

Elke Strauchenbruch, Historikerin, Autorin und Stadtführerin. Foto: Privat

01.06.2018

Luthers Hochzeit: Ein Abbild gelebter Reformation

Elke Strauchenbruch schrieb das Buch zum Fest

Wittenberg (wg). Elke Strauchenbruch, Historikerin, Autorin und Stadtführerin, hat zum Stadtfest ein besonderes Verhältnis, nicht nur, weil sie ein Buch zum Thema „Luthers Hochzeit“ veröffentlicht hat, sondern auch, weil sie Ideengeberin war. 1987/88 gab es unter ihrer Federführung eine Ausstellung zur Mode zur Lutherzeit. „Das war damals Neuland, Modenschau und Ausstellung wurden mit Gewändern aus Luther-Filmen gestaltet, die die DEFA-Studios Babelsberg zur Verfügung stellten“, berichtet Strauchenbruch im Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag.

Anfang der 1990er Jahre führte sie historische Modenschauen mit Schülern durch, unter anderem auch in der Partnerstadt Bretten. Überdies hielt sie zahlreiche Vorträge zum Thema, so auch vor den Mitarbeiterinnen einer beim Landkreis angesiedelten Groß-ABM, aus der später der Trachtenverein hervorging. „Damals überlegte man, welche Gewänder man schneidern wollte, auch gab es 1993 ein Stadtfest aus Anlass 700 Jahre Wittenberg“, erklärt Strauchenbruch. Das Fest war ein voller Erfolg und in der Stadtgesellschaft herrschte Einmütigkeit, es in den Folgejahren fortzusetzen – nur unter welchem Motto? 

„Ich habe den Damen der von Anita Fabig geleiteten ABM vorgeschlagen, Stadtfest und die Gewänder unter das Motto ‚Luthers Hochzeit’ zu stellen“, erinnert sich Strauchenbruch, „damals war die Mode besonders bunt und prachtvoll, mit weiten Ausschnitten und großen Baretten.“ Heuer wird Luthers Hochzeit zum 24. Mal gefeiert. Im vergangenen Jahr veröffentlichte Elke Strauchenbruch das in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig erschienene Buch „Luthers Hochzeit“, das Cover ziert ein Bildausschnitt aus dem Panorama „Luther 1517“ von Yadegar Asisi, die Historikerin hatte den Künstler beraten.

Das Titelbild zeigt Martin Luther und Katharina von Bora beim morgendlichen Aufstehen im Schlafzimmer, die Idee zur Szene hatte Asisi, ebenfalls aus dem Panorama stammt die Abbildung, die Luther als Hochzeitsgast zeigt. Dabei schrieb Luther, als er noch Mönch war: „Mein Sinn steht der Ehe fern.“ Doch 1525 heiratet er Katharina von Bora, die entlaufene Ordensfrau. 

Vor Luther heirateten alle seine wichtigen Freunde, „und so weit überliefert ist, sollen diese Ehen wie auch die des Luther-Paares glücklich gewesen sein“, sagt Strauchenbruch. Dabei war Luther gar nicht erste Wahl, Katharina, die Umgang mit den Studenten hatte und von diesen wegen ihrer Schönheit und Bildung als „Katharina von Siena“ verehrt wurde, hätte lieber Hieronymus Baumgärtner geheiratet, einen Nürnberger Patriziersohn. Der reiste nach Nürnberg, um seine Eltern um Erlaubnis zur Heirat zu bitten – und wurde in Wittenberg nie wieder gesehen. „Wahrscheinlich hatten die Eltern ihr Veto gegen die Ehe mit einem mitgiftlosen Adelsfräulein eingelegt“, vermutet die Autorin.

Luther selbst hat dem jungen Studenten einen Brief geschrieben, um nach dem Stand der Dinge zu fragen und sich um weitere Ehekandidaten für Katharina gekümmert, ins Gespräch kam auch der Universitätsrektor Kasper Glatz, der ein unangenehmer Zeitgenosse gewesen sein soll. „Katharina hatte Nikolaus von Amsdorf gegenüber geäußert, dass sie dann doch lieber ihn oder Luther heiraten wolle und der Freund überbracht diese Nachricht, da dürfte bei Luther endgültig der Entschluss gereift sein“, so Strauchenbruch. 

Luther wusste, dass er als Universitätsgelehrter einen Hausstand brauchte und bei einer Reise zusammen mit Melanchthon ins Mansfelder Land, wo der Bauernkrieg tobte, schrieb er in einem Brief, dass er, bliebe er am Leben, Katharina heiraten werde. Mitten in dieser großen Umbruchzeit (Kurfürst Friedrich der Weise war gestorben) heiratete Luther heimlich am 13. Juni im engsten Freundeskreis im Beisein von Johannes Bugenhagen (Stadtkirchenpfarrer und Theologieprofessor), Lucas Cranach, Justus Jonas (Propst der Schlosskirche) und Johannes Apel (Juraprofessor). „In ihrem Beisein als Zeugen fand auch das öffentliche Beilager des Paares statt, mit dem die Ehe unanfechtbar wurde“, erläutert die Autorin. 

Melanchthon war bei der Trauung nicht dabei, wohl aber bei der großen Hochzeitsfeier am 27. Juni im Lutherhaus. Der Wittenberger Rat sandte zum Festmahl ein Fass „Einbeckisch Bier“ und Luther selbst bat in einen Brief an den Kaufmann Leonhard Koppe um „Torgisch Bier“. Vermutlich gab es Wildschweinbraten. „Das Lutherpaar startete auf gehobenem Niveau in die Ehe“, kommentiert Strauchenbruch, „ein Niveau, das es aufgrund des Geschicks Katharina von Boras auch später wirtschaftlich halten konnte.“ 

Luther selbst hatte die Namen der aus dem Kloster entflohenen Nonnen veröffentlicht und sie so persönlich verteidigt. Untergebracht wurden sie bei Verwandten oder Wittenberger Bürgern, so wie Katharina bei Lucas Cranach, dort dürfte Luther die entflohene Nonne kennengelernt haben. „Barbara Cranach dürfte die Aufgaben der Braut-Mutter übernommen haben, da Katharinas Mutter bereits verstorben war“, vermutet Strauchenbruch. 

Auch wenn die Konstellation, die zur Ehe führte, nicht eben als Liebesheirat bezeichnet werden kann, entwickelte sich aus der Vernunftehe gleichwohl eine Liebesgeschichte. „Luther selbst erschien die Ehe anfangs als Zweckbündnis“, berichtet Strauchenbruch, „aber schon bald erkannte er, dass er richtig gewählt hat. Katharina war die Liebe seines Lebens und er die ihre.“ Beide hätten die Freuden der Ehe genossen und seien voller Respekt und partnerschaftlich miteinander umgegangen – „die Ehe als Abbild gelebter Reformation“, wie Strauchenbruch betont.




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