Oberbürgermeister Torsten Zugehör: Noch mehr Geld für den Wohnungsbau in den Metropolen auszugeben löst deren komplexen Probleme nicht, sondern verschärft die demografische Entwicklung in den Kommunen in der Fläche. Foto: Archiv/Wolfgang Marchewka

 Oberbürgermeister Torsten Zugehör: Noch mehr Geld für den  Wohnungsbau in den Metropolen auszugeben löst deren komplexen Probleme  nicht, sondern verschärft die demografische Entwicklung in den Kommunen in der Fläche. Foto: Archiv/Wolfgang Marchewka

21.05.2018

Wittenberg als attraktiven Wohn-, Lebens- und Arbeitsstandort weiter profilieren

OB Zugehör: Wir nutzen den Schwung des Jahres 2017!

Wittenberg (wg). „Es war abzusehen, dass es nach dem Reformationsjubiläum 2017 schwierig werden wird, deshalb haben wir rechtzeitig mit den Planungen für 2017+ begonnen, bereits 2015 gab es dazu erste Beratungen mit Vertretern des Stadtrates“, erklärt Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag.

Mit der Überarbeitung des Stadtentwicklungskonzeptes (STEK) habe man sofort nach Erhalt des Förderbescheides im Juni 2017 begonnen, der Zeitplan für die Neuaufstellung des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) sei ehrgeizig, bereits im Juni 2019 soll im Stadtrat die Beschlussfassung erfolgen. Im Prozess der strategischen Neuausrichtung seien die Bürger intensiv eingebunden, die Ergebnisse der Bürgerwerkstatt, Fachforen und der Ortschaftswerkstatt würden transparent dokumentiert. Über den gesamten Planungsprozess hinweg könne sich die Öffentlichkeit einbringen. 

„Wir nutzen den Schwung des Jahres 2017“, betont Zugehör, „für die weitere Entwicklung unserer Stadt.“ Dass die im Vergleich zu anderen und höher verschuldeten Gemeinden überaus harten Bandagen der Kommunalaufsicht zur Genehmigung des Wittenberger Haushaltes 2018 (mit Haushaltssperre in Höhe des Defizits von 7,5 Millionen Euro, Kürzung der freiwilligen Aufgaben, etc.) diesen Prozess nicht gerade positiv befördern, wurde nicht zuletzt auch im Stadtrat und seinen Ausschüssen kritisiert.

„Eine Kommunalaufsicht sollte präventiv und mit Fingerspitzengefühl agieren, aber nicht Kahlschläge anordnen“, kritisiert der OB. Die DNA einer Stadt müsse erhalten bleiben, insbesondere die freiwilligen Leistungen in den Bereichen Kultur, Bildung und Sport hielten eine Stadtgesellschaft zusammen. Inzwischen hat die Stadt das Defizit von 7,5 auf knapp unter 4,9 Millionen Euro gesenkt: „Nicht durch kosmetische Tricks, sondern durch knallhartes Sparen“, unterstreicht Zugehör.

Was bleibt? 

Dass Wittenberg nicht die einzige Kommune ist, die die Landesregierung zu Bettlern degradiert hat, dürfte die Lutherstädter wenig trösten. 

Dass das Wittenberg-Zentrum des Lutherischen Weltbundes (LWB) bis mindestens 2028 in der Lutherstadt bleibt, ist ein Verdienst der Akteure von Stadt und LWB. Derzeit wird in der Jüdenstraße 9 von der Wiwog-Schwester Wigewe ein Neubau errichtet, indem das LWB-Zentrum einziehen wird, die bisherigen Räume im Colleg Wittenberg waren zu beengt. Die Investition trägt die Wigewe als kommunales Unternehmen, Fördermittel des Landes gibt es keine. 

Was bleibt, ist auch das Panorama „Luther 1517“ von Yadegar Asisi, nach wie vor ein Publikumsmagnet und ein Highlight, mit dem sich die Landesregierung gerne feiern lässt, obwohl nicht ein Cent Landesförderung drin steckt. Und dass die Haushaltslage der Stadt deutlich entspannter wäre, wenn das Land seine Schulden in Höhe von 2,6 Millionen Euro (unter anderem für das Schloss) endlich begleichen würde, liegt auf der Hand: Das Defizit läge dann bei „nur“ noch 2,3 Millionen Euro, was weder eine rigide Haushaltssperre noch drastische Einsparungen bei den freiwilligen Leistungen über die Schmerzgrenze hinaus rechtfertigen würde.

Überdies bleiben die Bethel-Begegnungsstätte der v. Bodelschwinghschen Stiftungen, die Weltkugel auf dem Marktplatz, das „House of One“ (das derzeit als Leihgabe in Berlin steht), die Konfi-Camps und natürlich die Installation auf dem Bunkerberg, die von Einheimischen wie Touristen gern besucht wird. 

Durch den Verbleib dieser und anderer Installationen, wozu auch das Flüchtlingsboot am Schwanenteich zählt, entstehen Orte, die „zum Besinnen und dem fortwährenden Gespräch einladen“. 

Attraktive Lutherstadt 

Zentrales Ziel der weiteren Stadtentwicklung ist es, die Schrumpfung der Stadt endgültig zu stoppen und einen Zuzug bzw. Wachstum an Einwohnern zu erreichen, bereits heute schon ist das Wanderungssaldo positiv. „Wir müssen unsere Stärken stärken und hervorheben, was uns von anderen Städten unterscheidet“, sagt der OB. 

Dabei setzt die Stadt vor allem auf die Neuschaffung von bezahlbarem, aber auch hochwertigem Wohnraum, denn die Metropolen Berlin und Leipzig wachsen nicht etwa, sie explodieren förmlich mit der Folge, dass dort Wohnungsnot herrscht und selbst Gutverdiener rund 50 Prozent ihres Einkommens nur für die Miete ausgeben müssen. „Dieses Problem löst man nicht dadurch, dass noch mehr Geld in den sozialen Wohnungsbau fließt und selbst der dritte Hinterhof zu Wohnzwecken erschlossen wird“, kritisiert Zugehör. „Eine Alternative stellen Städte wie Wittenberg dar, vorausgesetzt, die ICE-Anbindungen funktionieren gut.“

Die Lutherstadt wolle sich deshalb als attraktiven Wohn-, Lebens- und Arbeitsstandort profilieren, weil es dafür eine Zielgruppe gebe. Die Stadt biete Wohnraum zu günstigen Konditionen, ausreichend Kita-Plätze, attraktive Arbeitsplätze – und eben die ICE-Anbindung.

Letztere hat sich im aktuellen Fahrplan verschlechtert, die Stadt bemüht sich bei der Bahn, dass die beiden gestrichenen Halte im neuen Fahrplan wieder eingeführt werden: „Um den Wohn- und Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sollte die Flexibilität der Menschen gefördert und die Taktzahl der Züge erhöht werden“, erklärt Zugehör. Städte wie Wittenberg böten ein erhebliches Entlastungspotenzial für die Ballungsräume. 

40 Prozent der Bevölkerung in der Bundesrepublik leben in Metropolen und Großstädten, 60 Prozent aber im ländlichen Raum. Die Großstädte wachsen auf Kosten des Umlandes, auf das sie eine Sogwirkung entfalten. „Statt in Größenordnungen in den sozialen Wohnungsbau in Großstädten zu investieren, muss eine Verbesserung der Erreichbarkeit aus dem ländlichen Raum realisiert, statt ICE-Halt zu streichen, muss die Taktung verbessert werden“, erläutert Zugehör und verweist auf die im Koalitionsvertrag angekündigte Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“: „Es geht um gleichwertige Lebensverhältnisse in handlungs- und leistungsfähigen Kommunen in städtischen und ländlichen Räumen, in Ost und West.“ 

Unterstützung bekommt Zugehör vom Deutschen Städtetag, beim turnusmäßigen Jahresgespräch mit der DB wolle man sich persönlich für eine optimale Dichte der ICE-Halte in Wittenberg verwenden. Auch bei den Gesprächen mit Bundesminister Horst Seehofer wolle man auf das Entlastungspotenzial von Städten in der Fläche mit Blick auf die stetig wachsenden Metropolen hinweisen.




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