Amtsarzt Dr. Michael Hable und Beate Wetzel, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Foto: Wolfgang Gorsboth

Amtsarzt Dr. Michael Hable und Beate Wetzel, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Foto: Wolfgang Gorsboth

20.05.2018

Früherkennung von Beeinträchtigungen und Defiziten

Ärztliche Untersuchungen in Kitas

Wittenberg (wg). Entwickelt sich das Kind altersgemäß? Bringt es die Voraussetzungen mit für einen guten Schulstart? Diese und andere Fragen werden bei der gesetzlich vorgeschriebenen Schuleingangsuntersuchung im Fachdienst Gesundheit geklärt, untersucht wir die körperliche, geistige und soziale Entwicklung des Kindes. „Diese Untersuchungen werden ein Jahr vor der Einschulung durchgeführt“, berichtet Amtsarzt Dr. Michel Hable, „um Defizite oder Auffälligkeiten durch spezielle Therapien oder besondere Fördermaßnahmen zu beheben, ist die Zeit oft viel zu kurz.“ 

Deshalb hat der Landkreis Kita-Untersuchungen von Kindern im vierten Lebensjahr eingeführt, gesetzliche Grundlage ist Paragraph 18 des Kinder-Förderungs-Gesetzes (KiFöG). Das Konzept wurde zusammen mit den Kita-Trägern erarbeitet und dem Fachausschuss Gesundheit und Soziales, dem Jugendhilfeausschuss sowie der Kreiselternvertretung vorgestellt.

Vom Kreistag wurde für die Kita-Untersuchung eine zusätzliche Kinderarztstelle bewilligt. Das Projekt läuft seit wenigen Wochen und stößt sowohl bei Eltern als auch Erzieherinnen auf eine positive Resonanz. Bis 2003 wurden solche Untersuchungen schon einmal im Kreis durchgeführt, fielen dann aber Personaleinsparungen zum Opfer. Die Kitakinder-Untersuchung versteht sich auch als Ergänzung zu den Vorsorgeuntersuchungen der gesetzlichen Kassen, die nicht von allen Eltern für ihre Kinder wahrgenommen werden. 

„Vierjährige haben eine gute Chance, mit zielgerichteter Förderung mögliche Rückstände bis zur Einschulung erfolgreich aufzuholen“, sagt Beate Wetzel, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin im Fachdienst Gesundheit. Nur durch eine Früherkennung möglicher Entwicklungsbeeinträchtigungen könnten geeignete Therapien und Maßnahmen empfohlen werden. Wie wichtig Früherkennung ist, zeigt ein Blick in die Statistik: Jedes vierte Einschulungskind weist Sprachstörungen auf, jedes neunte Kind ist übergewichtig oder adipös, 18,4 Prozent der Kinder haben Entwicklungsrückstände in der Feinmotorik, 15,1 Prozent Sehstörungen, 9,7 Prozent einen geistigen Entwicklungsrückstand, 17,8 Prozent Dysgrammatismus, 14,5 Prozent Verhaltensauffälligkeiten und 4,4 Prozent weisen in der Grobmotorik Entwicklungsstörungen auf. 

Im Landesvergleich schneiden die Kinder im Kreis Wittenberg schlechter ab, außerdem zeigt sich in der Tendenz eine Zunahme der Defizite ab. Ursachen dafür sind offenbar eine unzureichende Förderung zu Hause und Personalmangel in den Kitas. Dass die Gesundheit/ Entwicklung der Kinder vom Sozialstatus abhängt, kann im Gesundheitsbericht des Landkreises nachgelesen werden: 18,2 Prozent der Kinder von Eltern mit niedrigem Sozialstatus haben einen hohen Förderbedarf, 11,6 Prozent einen sehr hohen Förderbedarf. In Familien mit hohem Sozialstatus sind es 5,2 bzw. 1,9 Prozent. 

Mit der Kita-Untersuchung werden 92,7 Prozent aller Kinder eines Jahrgangs erfasst, circa 1.000 Einschulungen stehen pro Jahr an, Tendenz leicht steigend, da wieder mehr Kinder geboren werden. Für jedes Kind wird eine Akte im Fachdienst Gesundheit angelegt. Bei den Untersuchungen in der Kita sind die Erzieherinnen dabei, auf Wunsch können auch die Eltern teilnehmen. 

30 Minuten werden im Schnitt für jedes Kind veranschlagt, die Untersuchung erfolgt spielerisch und kindgerecht, beurteilt werden Sehen, Hören, Fein- und Grobmotorik, Sprachentwicklung und Verhalten. Die Eltern müssen einen Bogen mit Angaben zum Kind ausfüllen, unter anderem wird nach bekannten Krankheiten und Einnahme von Medikamenten gefragt. Überprüft werden der Impfstatus und die Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen der Krankenkassen, bei Lücken werden den Eltern Empfehlungen gegeben, auch das Ergebnis der Untersuchung wird den Eltern mitgeteilt. 

Bei Bedarf vereinbaren die Kinderärztinnen des Gesundheitsamtes einen Termin mit den Eltern oder einen weiteren Untersuchungstermin. Falls erforderlich, werden die Eltern gebeten, mit ihrem Kind einen Termin in der Sprechstunde des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes wahrzunehmen zwecks weiterer Diagnostik und Beratung über Fördermöglichkeiten.




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