AWO-Geschäftsführerin Corinna Reinecke (links), hier im Gespräch mit Ellen Rinke, nimmt die von der Landesregierung angekündigten Verbesserungen für Kitas als „ersten Schritt“ wohlwollend zur Kenntnis, betont aber auch, dass für den Nachwuchs noch sehr viel mehr getan werden müsse – auch in bildungstechnischer Sicht. Foto: Wolfgang Marchewka

AWO-Geschäftsführerin Corinna Reinecke (links), hier im Gespräch mit Ellen Rinke, nimmt die von der Landesregierung angekündigten Verbesserungen für Kitas als „ersten Schritt“ wohlwollend zur Kenntnis,  betont aber auch, dass für den Nachwuchs noch sehr viel mehr getan werden müsse – auch in bildungstechnischer Sicht. Foto: Wolfgang Marchewka

12.05.2018

Aufgaben der Bildung besser zwischen Kita und Grundschule abstimmen

Corinna Reinecke: „Wir müssen mehr für die Kinder tun“

Wittenberg (wm). Als einen „Schritt in die richtige Richtung“ hat AWO-Geschäftsführerin Corinna Reinecke die von der Landesregierung von Sachsen-Anhalt in dieser Woche angekündigten Verbesserungen für die Betreuung von Kindern in den Kindertagesstätten des Landes bezeichnet. „Es ist aber nur ein Schritt, denn wir haben mehr erwartet“, stellt die AWO-Geschäftsführerin im Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag klar. Daher werden die Eltern die auf der AWO-Regionalkonferenz im April unter dem Motto „Meine Stimme für mein Kind“ erhobenen Forderungen weiter verteidigen und die begonnenen Unterschriftenaktionen fortsetzen. 

Die Arbeiterwohlfahrt ist Träger für zehn Kindertagesstätten und zwei Horte, in denen in Stadt und Kreis durchschnittlich 900 Kinder betreut werden. „Unsere Probleme beginnen mit dem offiziellen Personalschlüssel von 1 : 25, denn der steht nur auf dem Papier“, berichtet Reinecke. Zwar habe sich das Land nun dazu durchgerungen, zehn Fehltage einzukalkulieren, doch reiche das nicht aus: „Jeder kann sich selbst ausrechnen, dass zehn Tage als Ausgleich für Urlaubszeiten, Krankheiten und Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen nicht ausreichend sind.“ 

Zudem werde von der Politik gern vergessen, dass die Betreuung für Hortkinder am Nachmittag in der Regel sehr personalintensiv ist und dass es auch in den Kitas nicht nur „pflegeleichte“ Kinder gebe, sondern auch zahlreiche Probleme in die Einrichtungen hineingetragen würden, auch solche, die familiäre Ursachen haben: „Eigentlich werden für diese Fälle und für die Beratung überforderter Eltern zusätzliche Sozialarbeiter benötigt “, stellt Reinecke fest und kritisiert: „Bei den Jüngsten ist das Kindeswohl auch im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Kinder ein ganz wichtiges Thema, wir müssten viel stärker vorbeugend arbeiten können, doch die Bedeutung der Prävention wird leider verkannt.“

Vorbeugend arbeiten zu können statt einen hohen Aufwand für den gesellschaftlichen Reparaturbetrieb zu betreiben: Das wäre nach den Vorstellungen von Corinna Reinecke auch eine gute Idee, die Kindertagesstätten konzeptionell weiter zu entwickeln: „Auch wenn in erster Linie die Eltern für die Erziehung der Kinder verantwortlich sind, könnten wir im Sinne einer frühkindlichen Bildung sehr viel mehr tun, denn in diesem Alter saugen die Kinder alles auf, fast wie ein Schwamm.“ Leider gelte das aber auch für mögliche negative Erlebnisse.

Die AWO-Geschäftsführerin bezeichnet die Bildungskette von der Kita zur Grundschule als „leider mangelhaft“: „Das funktioniert nur punktuell und als Modellversuch“, bedauert Reinecke, „dabei wäre ein gleitender und abgestimmter Übergang von der Kita in die Grundschule aus bildungstechnischer Sicht logisch.“ Eine Auffassung, die auch vom jüngst vorgestellten ersten Bildungsbericht des Landkreises untermauert wird.

„Das beginnt schon beim Mangel an Fachkräften“, berichtet Reinecke, „da liegen die Fehler in der Vergangenheit, denn so langsam erkennt man an, dass unsere Erzieherinnen keine ‚Kita-Tanten’ sind.“ Eine Gleichstellung – auch finanzieller Natur - mit den Grundschullehrern könnte mehr Frauen und Männer für den Beruf des Erziehers motivieren, eine weitere Voraussetzung wäre, die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher grundlegend zu verbessern – zum Beispiel um die deutsche Sprache als ein für den weiteren Bildungsweg der Kinder wesentliche Voraussetzung kindgerecht vermitteln zu können.

Immerhin gibt es an den berufsbildenden Schulen in Stendal und Halle als Versuch ein Modellprojekt für die dreijährige Ausbildung zur „Fachkraft für Kindertageseinrichtungen. “ Sie qualifiziert zur eigenverantwortlichen Betreuung, Bildung und Erziehung von Kindern in Tageseinrichtungen und in Tagespflegestellen des Landes Sachsen-Anhalt. Die Ausbildung erfolgt praxisintegriert, die Lernorte Berufsfachschule und Kindertageseinrichtung wechseln sich ab. „Es ist zwar nicht das, was nötig wäre, aber immerhin ein Versuch, um an dringend benötigte Fachkräfte zu kommen“, kommentiert Reinecke. Die AWO beteiligt sich mit drei Stellen an diesem Versuch.

Der Mangel an Fachkräften begründet auch die für berufstätige Mütter unzureichende Öffnungszeiten der meisten Kitas: „Wenn eine Mutter Vollzeit arbeiten möchte, nützen ihr Kita-Öffnungszeiten bis 17 oder auch 18 Uhr nicht viel“, gibt Reinecke zu.




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