Prachtvolle Kurfürstliche Tafel im Reisezelt von Kurfürst Friedrich dem Weisen, nicht minder prachtvoll sind die Gewänder, die von den Mitgliedern des Trachtenvereins getragen werden. Foto: Verein

Prachtvolle Kurfürstliche Tafel im Reisezelt von Kurfürst Friedrich dem Weisen, nicht minder prachtvoll sind die Gewänder, die von den Mitgliedern des Trachtenvereins getragen werden. Foto: Verein

11.05.2018

Der Trachtenverein hat den Kurfürstlichen Hof aufgebaut

Historische Gewänder prägen das Stadtfestbild zu Luthers Hochzeit

Wittenberg (wg). Der Trachtenverein verleiht nicht nur historische Gewänder zum Stadtfest: Seit 2010 hat sich der Kurfürstliche Hof zur zweiten Schiene entwickelt. „Wir hatten eine Idee und wir haben sie umgesetzt, andere Vereine kommen zu uns und schauen, wie wir das machen, darauf sind wir stolz“, erklärt Frank Sommer, zweiter Vorsitzender des Trachtenvereins Wittenberg e.V., im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. 

Die üblichen Verkaufsstände zu „Luthers Hochzeit“ reichten dem Trachtenverein nicht: „Unsere Mitglieder engagieren sich das ganze Jahr über für den Verein und seinen Fundus mit mehr als 1.000 Gewändern“, berichtet Birgit Uebe, erste Vorsitzende des Trachtenvereins. Und wer dann noch zum Stadtfest Dienst am Stand schieben soll, verliere irgendwann die Lust. 

2010 wurde die Idee, zusätzlich einen Kurfürstlichen Hof aufzubauen, den Stadtfestmachern Johannes Winkelmann und Jörg-Peter Pajak sowie den anderen Vereinen vorgestellt. „Einen solchen Hof gab es bis dato nicht, wir hatten aber die dafür erforderlichen Gewänder“, erzählt Sommer, der erster Vorsitzender des 2015 gegründeten Vereins Kurfürstlicher Hof e.V. ist. Mit einem sieben mal zehn Meter großen Reisezelt und einer kurfürstlichen Tafel fing alles an, schon bald musste das Zelt auf sieben mal 13 Meter vergrößert werden. 

In diesem Jahr wird der Kurfürstliche Hof wieder auf der Schlosswiese anzutreffen sein – dank einer Spende sogar mit zwei Zelten. „Wir haben im vergangenen Jahr gemerkt, dass unsere Kapazitäten nicht mehr ausreichen, alle Gäste angemessen unterzubringen und zu bewirten“, sagt Sommer. Regelmäßig sind Freunde vom Frundsbergfähnlein aus Mindelheim zu Gast, man besucht sich gegenseitig. Und es gibt die Anfrage, ob der Kurfürstliche Hof in 2019 Ehrengäste der Stadt angemessen empfangen und bewirten könne. 

Bei der Gestaltung des Hofes bewegen sich die Vereinsmitglieder in der Zeit Kurfürst Friedrich des Weisen und legen Wert auf Authentizität. Bänke und Tische wurden in eigener Regie hergestellt, an den Zeltwänden hängen sechs Gobelins, für die Tischdecken kommen die Brokatstoffe aus Venedig und werden selbst genäht, das Tafelgeschirr (Waldglas) kommt aus Tschechien, Deko-Fasane und Blumen schmücken die Tafel. Jeder hat sein eigenes Besteck und seine eigenen Gläser. 

„Einfach in ein Ladengeschäft gehen und diese Dinge kaufen, das funktioniert nicht“, erklärt Sommer. Das erforderliche handwerkliche Know-how müsse man sich erwerben, zum Beispiel in Museen. Andreas Thiele, der Kurfürst Friedrich den Weisen verkörpert, hat sich viel Wissen angeeignet und ein historisches Reisebett sowie die Scherenstühle gebaut. 

In seinen Kurfürstlichen Hof hat der Verein seit 2010 rund 50.000 Euro aus Eigenmitteln und Spenden investiert, die Eigenleistungen der Mitglieder nicht mitgerechnet. „Jeder Verein auf der Schlosswiese hat seine Identität, wir interagieren miteinander und besuchen uns gegenseitig, wir machen uns aber keine Konkurrenz“, betont Sommer. Auf der Schlosswiese gibt es am Freitag ein eigene kleine Eröffnung, wenn der Kurfürst mit wohlgefälligen Worten den Startschuss für das fröhliche Treiben gibt. Zum historischen Festumzug am Samstag ziehen alle Vereine geschlossen von der Wiese zum Stellplatz vor dem Augusteum. 

Das Bild des Kurfürstlichen Hofes gehört zu den prächtigsten im Umzug und wird immer wieder mit Sonderapplaus bedacht. Im Bild stellt der Verein historische Persönlichkeiten der damaligen Zeit mit Bezug zum kurfürstlichen Hof dar wie Johann der Beständige, Bruder von Kurfürst Friedrich des Weisen, Degenhart Pfeffinger, Kämmerer des Kurfürsten, Heinrich der Fromme, Herzog von Sachsen und Markgraf von Meißen und viele mehr mit ihren Gemahlinnen. „Die Gewänder dieser Persönlichkeiten sind in der Regel durch historische Gemälde vor allem aus der Cranach-Werkstatt belegt“, erläutert Birgit Uebe. „Sie sind so authentisch, dass wir anhand unserer Gewänder erkannt werden.“ 

Als ABM gestartet 

Der Trachtenverein wurde im Mai 1995 gegründet und ging aus einer ABM in Trägerschaft des Landkreises hervor. Vorbild war die Stadt Bretten mit ihrem Peter-und-Paul-Fest: Für ein authentisches Stadtfest braucht es originalgetreue Gewänder und deshalb ist der Trachtenverein auch einer der ältesten Vereine, die sich im Kontext des Stadtfestes gegründet haben. In der ABM arbeiteten vor allem Schneiderinnen, deren Betriebe nach der Wende abgewickelt wurden.

„Vor fünf Jahren haben wir aufgehört, neue Gewänder in größerer Zahl etwa für Vereine zu nähen, wir können das mit unseren Mitgliedern nicht mehr bewältigen“, so Uebe. Man habe genug Arbeit mit der Pflege und dem Ausbessern. Die Schneiderinnen von damals seien heute 70 Jahren und älter, überdies fehlen die Raumkapazitäten, weitere Gewänder sachgerecht zu lagern, denn mit mehr als 1.000 Exemplaren sowie Zubehör wie Blusen und Schauben ist der Fundus voll. Nur Bernhard Naumann bekam 2017 als Luther-Darsteller noch einmal ein komplett neues Gewand. 

„Anträge auf Projektförderung durch die Stadt stellen wir nicht, wir wissen um die Haushaltslage der Lutherstadt“, berichtet Sommer, „wir machen uns aber Sorgen, wie es in Zukunft weitergeht.“ Es geht um die Förderung der Räume des Trachtenvereins in der Phönix Theaterwelt. Der Eigenanteil des Vereins beläuft sich auf rund 3.000 Euro, dies entspricht 30 Prozent. Die in der jüngst vom Stadtrat beschlossenen Vorlage zur Förderung freiwilliger Aufgaben vorgesehene – und dann gestrichene - jährliche Anhebung auf 40, 50 und schließlich 60 Prozent kann der Verein nicht stemmen. 

„Wir haben jedes Jahr unsere Flächen im Phönix reduziert, um Kosten zu sparen“, so Uebe. Bei der Ausleihe der Gewänder erhebe man moderate Preise inklusive Wäsche/Reinigung und Aufarbeitung. Mehr wollten viele Wittenberger für die Gewänder zum Stadtfest nicht bezahlen, was aber wäre ein Stadtfest ohne diese Gewänder? 

Hinweis

 Der Trachtenverein möchte vom 1. August an Stellen im Bundesfreiwilligendienst besetzen. Die Arbeitszeit beträgt 25 Wochenstunden und ist sehr gut für Rentner geeignet. Da die Stellen bereits im Mai freigegeben werden, wird um eine kurzfristige Kontaktaufnahme unter Tel.: 0177/65 36 511 gebeten. 

Für das Stadtfest „Luthers Hochzeit“ vom 8. bis 10. Juni können  Gewänder ausgeliehen bzw. reserviert (Tel.: 03491/43 23 58) werden. Insbesondere Vereinen, die mehrere Gewänder benötigen, wird eine rechtzeitige Ausleihe empfohlen. 

Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 8 bis 13.30 Uhr, Mittwoch von 13 bis 18 Uhr; in der Woche vor dem Stadtfest Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr.





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