Siegfried Jahn, pensionierter Forstmeister und Sprecher der heimischen Bürgerinitiative „Pro Wald“. Foto: privat

Siegfried Jahn, pensionierter Forstmeister und Sprecher der heimischen Bürgerinitiative „Pro Wald“. Foto: privat

06.05.2018

„Pro Wald“ engagiert sich in neuer Bundes-Bürgerinitiative

Bürgerinitiative: Schutz der Wälder reicht nicht

Wittenberg (wg). Aus Anlass des internationalen „Tag des Baumes“ hat Siegfried Jahn, pensionierter Forstmeister und Sprecher der BI „Pro Wald“, auf das „Manifest zum Wald in Deutschland“ hingewiesen. Das Papier wurde von der „Bundes-Bürgerinitiative Wald-Schutz“ formuliert, weil diese die Entwicklung in den Wäldern mit großer Sorge beobachtet.

„Unsere Proteste haben Wellen geschlagen, die auf Bundesebene gegründete BI ist bereits in elf Bundesländern vertreten“, erklärt Jahn im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag, die hiesige BI „Pro Wald“ sei dabei. Der Protest richte sich gegen die Auswüchse einer industrialisierten Forstwirtschaft. Es sei wichtig, dass die Bürger bei der Bewirtschaftung der Wälder mitredeten, die Politik wiederum sei aufgefordert, endlich die ökologische Waldwende einzuleiten.

Vor zehn Jahren hatte sich die BI „Pro Wald“ in Wittenberg gegründet, zu den Mitgliedern gehören Forstleute, Jäger, Waldbesitzer und Naturfreunde, die es sich auch mit Blick auf das Holzkraftwerk in Piesteritz zur Aufgabe gemacht haben, die Wälder der Dübener Heide und des Flämings zu schützen. Aber auch in anderen Bundesländern regte sich Widerstand: „Im März 2017 gründete sich zunächst in Bayern eine BI gegen Waldzerstörung“, berichtet Jahn, „aus anderen Bundesländern meldeten sich weitere Unterstützer, so dass am 1. Juli 2017 in Darmstadt die ‚Bundes-Bürgerinitiative Wald-Schutz’ gegründet worden ist.“

Ziel ist, den Wald als Lebensraum zu schützen und sorgsam mit ihm umzugehen, denn von einer umwelt- und naturgerechten, ökologisch nachhaltigen Nutzung der Wälder sei man weit entfernt. „Künftig sollen bis zu 80 Prozent des Holzeinschlags mit Holzerntemaschinen wie Harvestern durchgeführt werden“, sagt Jahn. 

Diese Entwicklung habe aber brutale Folgen für das Waldökosystem: „Diese Bewirtschaftung führt zu hoher Verdichtung der Waldböden, für die großen und schweren Maschinen werden zudem die Rückegassen und für den Holztransport die Waldwege vergrößert.“ Das alles wirke sich nicht nur negativ auf die Waldvitalität und Biodiversität aus, sondern beschränke auch die Erholungsfunktion des Waldes.

In Paragraph eins des Bundeswaldgesetzes sind die Nutzungs-, Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes festgeschrieben. Der Wald ist eben nicht nur Rohstofflieferant, sondern er dient auch dem Schutz der Artenvielfalt, der Wasserspeicherung, der Luftreinhaltung, dem Bodenschutz und der Erholung des Menschen. „Diese Funktionen sind gleichrangig, aber die Gemeinwohlfunktionen treten hinter der Intensiv-Holznutzung zurück“, kritisiert Jahn. 

Vor 300 Jahren wurde die nachhaltige Forstwirtschaft in Deutschland entwickelt, was ist aus diesem Erfolgsmodell geworden? „Der deutsche Wald ist ein ökologisch unreifer Wald, 50 Prozent der Gesamtwaldfläche sind mit unter 60-jährigen Baumbeständen bewachsen, der Anteil der Baumaltersklasse über 160 Jahre erreicht nur drei Prozent“, erläutert Jahn. Das Fehlen einer fortgeschrittenen Waldentwicklung habe fatale Auswirkungen auf die biologische Vielfalt der Wälder. Durch die exzessive Holznutzung fehle auch ein ausreichendes Angebot an Biotop- und Totholzstrukturen im Wald. 

Jahn beklagt zudem den mangelnden Schutz der Wälder, denn die Fläche, auf der aus Naturschutzgründen keine Nutzung mehr zulässig sei, umfasse nicht einmal zwei Prozent der deutschen Waldfläche. Selbst in unter Naturschutz gestellten Waldbeständen werde weiter intensive Holznutzung betrieben. Es zähle allein der Holz-Preis, nicht der Wert des Waldes. Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen der Forst- und Holzwirtschaftsverbände sei die Entwicklung besorgnisserregend.

Jahn, der manchmal ein kleines Flugzeug anmietet, um Veränderungen im Wald von oben per Foto zu dokumentieren, findet in der Dübener Heide immer wieder Kahlschlagflächen, die er als „forstliches Trauerspiel“ bezeichnet. Nach seinen Berechnungen müssten allein in der Heide jedes Jahr 300 Hektar aufgeforstet werden, davon sei man weit entfernt. 

Dass es noch viele dicke Bretter zu bohren gibt, bis es zu einem grundlegenden Politikwechsel kommt, weiß auch Jahn, dessen Denkschrift, zu welcher der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer ein Vorwort verfasst hat, inzwischen in Brüssel kursiert. Der Verzicht auf Kahlschläge und der Schutz des Bodens vor schwerer Technik haben für Jahn absoluten Vorrang. Außerdem müssten die Bewirtschaftungsgrundsätze überprüft werden. Öffentlicher Wald sei zudem Bürgerwald, verbunden mit einem Recht auf Information und Beteiligung.






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