Rolf Hennig vom Vereinsvorstand und Vereinsmitglied Mario Gabler im Mühlenzimmer, hinter ihnen befinden sich die Präzisionswaage (oben) und der Brabender-Dollinger Hochleistungs-Mehlveredler. Foto: Wolfgang Gorsboth

Rolf Hennig vom Vereinsvorstand und Vereinsmitglied Mario Gabler im Mühlenzimmer, hinter ihnen befinden sich die Präzisionswaage (oben) und der Brabender-Dollinger Hochleistungs-Mehlveredler. Foto: Wolfgang Gorsboth

24.04.2018

Neues Mühlenzimmer im Verein Historische Bauschlosserei

Mühlen und Müllerhandwerk im August-Reinhard-Museum

Gräfenhainichen (wg). Immer am 1. Mai zeigt der Verein Historische Bauschlosserei und Schmiedewerkstatt August Reinhard e.V. in seinem Museum den Besuchern etwas Neues, heuer ist es das neu eingerichtete Mühlenzimmer, in dem ein Überblick über die Mühlen gegeben wird, die es in und um Gräfenhainichen gab, dabei wird auch der Beruf des Müllers vorgestellt. 

Vom Winde gedreht, vom Wasser getrieben: Mühlen sind knarrende Wunderwerke jahrhundertealter Technik. Es gibt wohl kaum ein Bauwerk, das so tief im Mythenschatz ankert wie die Mühle.Dieser Faszination trägt das Mühlenzimmer Rechnung. „Vor allem aber wollen wir Zeugnis ablegen über ein altes Handwerk“, erklärt Rolf Hennig vom Vorstand des Vereins im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Der Verein fühle sich der Brauchtums- und Heimatpflege verbunden. 

Mit der neuen Ausstellung erhebe man keinen Anspruch auf Vollständigkeit, gebe aber gleichwohl einen umfassenden Überblick über die Mühlen in und um Gräfenhainichen – untersetzt durch Kartenmaterial und durch Zeichnungen von Helga Plötner. Der Bogen spannt sich von der Fahringmühle und Hainmühle über die Stadtmühle (früher Rats- oder Schlossmühle) und Buchholzmühle bis hin zu Vehsenmühle (früher Vogelsangmühle) und Breitewitzer Mühle. „Gangbare Mühlen gibt es keine mehr in Gräfenhainichen“, sagt Henning. 

Die älteste Windmühlentyp ist die Bockwindmühle: Auf einem Grundkreuz steht der Hausbaum, an dessen Kopf das ganze Mühlengebäude drehbar aufgehängt ist. Mit dem Stert wird die Mühle in den richtigen Wind gedreht, was bei wechselnden Windrichtungen beschwerlich gewesen sein dürfte. In der Ausstellung ist ein Modell zu sehen, daneben das einer Holländer-Windmühle, einer abgewandelte Bockwindmühle, bei der das Mühlengebäude auf einem Rollenkranz gelegt wurde. Weil die Drehebene ganz auf Bodenebene liegt, ergibt sich eine größere Stabilität. 

Vorgestellt wird auch die Windmühle als Nachrichtenübermittler: Die unterschiedliche Stellung der Flügel mit ihrer Segelbespannung hatte für die Nachbarn eine besondere Bedeutung. 

Ralf Kersten schildert die Geschichte der Preußer’schen Mühle im „Kühlen Morgen“ von Gräfenhainichen, die 1848 durch den Hüfner und Mühlenbauer Carl Quilitzsch von Roitzsch nach Gräfenhainichen umgesetzt wurde. 1884 kaufte Karl Preußer das Mühlenanwesen, gleichzeitig entstand eine Bäckerei. Als 1921 eine Trafo-Station errichtet wurde, bekamen Strohwalde und damit auch die Mühle einen Elektro-Anschluss, so dass der Betrieb eines modernen Walzenstuhls möglich war, nur die zum Schroten genutzten Mühlensteine wurden vom Wind angetrieben, noch bis 1956 drehte sich das Flügelkreuz. 

Bis 1961 teilten sich Heinrich Rautmann in der Mühle und Robert Kersten in der Bäckerei die Arbeit. 1963 beendete Kersten zunächst das Müllerhandwerk, 1969 den Bäckereibetrieb. Zur Erhaltung der Bockwundmühle konnten 1991/92 mit städtischer Unterstützung sowie Fördermitteln Dachstuhl, Außenhaut und Treppe erneuert werden. 

In der Ausstellung werden die Werkzeuge gezeigt, die der Müller benötigte, um den Mühlstein zu schärfen wie Lockpicke, Messerpicke, Spitzpicke, Furchenhammer und Schlageisen. Das Korn wurde zwischen zwei Mühlsteinen zermahlen, durch die Fliehkraft gelangte das Mehl nach außen. Durch Abnutzung wurden im Laufe der Zeit die Rillen immer kleiner, so dass der Mühlstein nachgeschärft werden musste, eine anstrengende Tätigkeit, die wohl vom Lehrling ausgeführt wurde. 

Auch die Bearbeitung des Mühlsteins oblag dem Müller, denn angeliefert wurden nur grob abgerundete Steine, die der Müller in die endgültige Form bringen musste. Güte, Beschaffenheit und Schärfe der Mühlsteine sowie ihr optimaler Lauf bestimmten die Qualität des Mehls. In der Ausstellung ist auch ein Mühlstein zu sehen, der von der Westfälischen Mühlstein-Fabrik Albert Bruens in Telgte hergestellt wurde.

Gezeigt werden Getreide-Produkte wie Roggen, Winter-Gerste, Haferflocken, Haferkleie und Hafer, ein Sack-Stempel aus der oberen Stadtmühle, ein Transportband, Mehlsäcke mit unterschiedlichen Spezialbindungen, Mehlsiebe, eine Tabelle mit Mahl-Lohntarifen sowie eine Präzisionswaage, mit der der Müller im Labor arbeitete, um die Qualität des Mehls zu bestimmen. Gezeigt wird auch ein Brabender-Dollinger Hochleistungs-Mehlveredler zur Aufhellung, Sterilisation und Reifung der Mehle. Unter Bleichen versteht man das Hellermachen der Mehlfarbe, weil der Verbraucher lieber helles als graues Mehl kauft. Dieses Bleichen ist in Deutschland seit rund 50 Jahren verboten. 

Hinweis 

Am 27. April hält um 19 Uhr Willi Rost, der ehemalige Besitzer der unteren Stadtmühle, im Vereinsraum der Historischen Bauschlosserei und Schmiedewerkstatt August Reinhard e.V., Marktstraße 10, einen Vortrag über Mühlen und das Müllerhandwerk, dabei dürfte auch die ein oder andere Anekdote erzählt werden. 

Am 1. Mai sind die Besucher um 10 Uhr zum zünftigen Frühschoppen mit Speckkuchen, Kaffee und Kuchen, Bier und sonstigen Getränken eingeladen, es gibt Live-Musik. Um 14 Uhr wird das Mühlenzimmer offiziell eröffnet, Willi Rost wird an diesem Tag auch anwesend sein. 

Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist frei.




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