Ulrich Petzold saust mit seinem Pedelec vorbei. Doch leider hat der ehemalige Bundestagsgeordnete der CDU negative Erfahrungen mit der E-Mobilität gemacht. Foto: Wolfgang Marchewka

Ulrich Petzold saust mit seinem Pedelec vorbei. Doch leider hat der ehemalige Bundestagsgeordnete der CDU negative Erfahrungen mit der E-Mobilität gemacht. Foto: Wolfgang Marchewka

14.04.2018

Der Haken der E-Mobilität: Kurze Lebensdauer, teure Ersatzakkus

„Wir produzieren zu viel Elektroschrott!“

Wittenberg (wm). Ulrich Petzold ist stinksauer auf die Industrie, die im Bereich der Elektro-Mobilität arbeitet: „In Deutschland wird in hohem Maße teurer Elektroschrott produziert. Ich sehe in diesem Bereich eine Katastrophe auf uns zukommen.“ 

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis Wittenberg/Dessau und Mitglied im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages hat bei seinem Elektrofahrrad selbst gemerkt, welche Folgen der Kauf eines batteriegetriebenen Fahrzeugs haben kann: Leistungsabfall bei Kälte, begrenzte Lebensdauer von nur fünf Jahren, hohe Preise für die Beschaffung von Ersatz-Akkus, keine genormten Stecker, ungeklärte Entsorgung der Alt-Akkus. 

Vor fünf Jahren hat sich Petzold ein Fahrrad mit Elektrounterstützung, heute Pedelec genannt, aus mehreren Gründen gekauft: „Es sollte auf kurzen und mittellangen Strecken das Auto ersetzen und mir gleichzeitig mehr körperliche Bewegung verschaffen. Zudem war ich neugierig auf die Technologie und ein ‚grünes Gewissen’ war wohl auch dabei.“ 

Der Abgeordnete legte sich ein gutes Erzeugnis in der Preisklasse von mehr als 2.000 Euro zu und nahm schließlich sogar in Kauf, dass ein Ersatzakku etwa 650 Euro kosten würde. „Ich ging davon aus, dass die damals neue Technologie weiter entwickelt werden und außerdem steigende Verkaufszahlen und verstärkter Wettbewerb für sinkende Preise sorgen würde“, erzählt Petzold im Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag. Umso größer war der Schock, als ihm nun offeriert wurde, das alte Akku-Modell gebe es nicht mehr, das neue Akku-Modell würde mehr als 1.100 Euro kosten - der Preis einen halben Fahrrades neuer Bauart aus der Produktion dieses Herstellers. Da sei es doch eine Überlegung wert, nicht einen neuen Akku, sondern ein komplettes Fahrrad zu kaufen, so der Fahrradhändler. 

„Konnten unsere Väter noch die Fahrräder ihrer Väter fahren, können wir heute wenigstens unsere herkömmlichen, 30 Jahre alten Räder einsetzen. Aber ein Fahrrad für eine Lebensdauer von fünf Jahren bauen zu wollen, ist eine neue Dimension - und sicherlich nicht nachhaltig im Sinne einer besseren Umwelt“, betont Petzold. 

Vorausgegangen waren schon andere negative Erlebnisse: ein merklicher Kapazitätsabfall des Akkus bei Temperaturen unter 10°, ein deutlicher Mehrverbrauch selbst bei geringem Gegenwind, ein schleichender Kapazitätsverlust des Akkus, der nach etwa 10.000 Kilometern Fahrleistung „ein Ausmaß erreicht hat, das meinen Aktionsradius vor allem an kühlen und windigen Tagen deutlich einschränkt“, so Petzold. 

Und noch einen Kritikpunkt hat der Ex-Abgeordnete ausgemacht: „Wenn ich jetzt bei den vielen schönen neuen Pedelecs die sehr unterschiedlichen Bauformen der Akkus sehe und mir die sehr unterschiedlichen Anschlüsse vor Augen führe, die nicht einmal bei einem Hersteller übereinstimmen, dann kann ich jetzt schon eine Katastrophe vorausahnen.“ 

Wird es in Sachen Elektromobilität bei Pkw und Nutzfahrzeugen ähnliche Probleme geben?, fragt Petzold und wirft der beteiligten Industrie vor, sich noch nicht einmal auf ein einheitliches Stecker-System einigen zu können oder zu wollen und fragt: „Muss denn die Politik erst wieder neue Gesetze schaffen, damit der Unsinn, verschiedene Systeme für den gleichen Einsatzzweck zu bauen, endlich aufhört?“

Inzwischen hat der ADAC in einem Test ermittelt, dass auch bei elektrisch angetriebenen Autos die ohnehin schon geringe Reichweite bei kalten Temperaturen erheblich nachlässt. 

Petzolds Fazit ist bitter: „Große Teile der veröffentlichten Meinung und der Politik sind immer wieder erstaunt über die Zurückhaltung der Bevölkerung beim Kauf von batteriebetriebenen Fahrzeugen - trotz hoher finanzieller Förderung. Doch wenn sich viele Autokunden heute weigern, die schöne neue Elektro-Mobilitäts-Welt zu nutzen, ist es vielleicht auch der Angst geschuldet, dass man nach wenigen Jahren auf einem Haufen Elektroschrott sitzt.“




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