Ministerpräsident Reiner Haseloff (m.), Heinrich Bedford-Strohm (r.), Vorsitzender des Rates der EKD und Wittenbergs Oberbürgermeister Torsten Zugehör. Foto: Wolfgang Gorsboth

Ministerpräsident Reiner Haseloff (m.), Heinrich Bedford-Strohm (r.), Vorsitzender des Rates der EKD und Wittenbergs Oberbürgermeister Torsten Zugehör. Foto: Wolfgang Gorsboth

14.04.2018

Wittenberg als Plattform für interreligiösen Dialog und Toleranz

Gutes Jahr 2017: Die Menschen haben sich verstanden

Wittenberg (wg). Mit einer Festveranstaltung im Hörsaal des Lutherhauses ist an den erfolgreichen Abschluss der Rahmenvereinbarung zum Reformationsjubiläum erinnert worden, verbunden mit einem Rückblick auf das gute Jahr 2017: Die Lutherstadt als Plattform für interreligiösen Dialog und für Toleranz. 

„Der ökumenische Schwung des Jahres 2017 ist nicht mehr rückgängig zu machen“, resümierte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). 2017 habe es nicht nur eine innere (der Kirchen), sondern auch eine äußere Ökumene gegeben, erinnerte der MP an Veranstaltungen wie auf der Schlosswiese, wo einander unbekannte Menschen in Zeiten der Polarisierung das Verbindende erlebt hätten.

„Wir haben in Wittenberg ein großes Pfingstfest erlebt“, erklärte Haseloff, „es kamen Menschen aus unterschiedlichen Nationen, Kulturen und Sprachen zusammen und haben sich hervorragend verstanden. Auch diese Botschaft wirkt in die Welt hinein.“ Eine säkulare, religionsferne Region habe sich zu einer Plattform sowohl für religiöses Erleben, als auch den interreligiösen Dialog und für Toleranz entwickelt.

Nun wolle man auch nach vorn schauen: Was die Partner der Rahmenvereinbarung auf den Weg gebracht hätten, müsse weiterhin mit Leben erfüllt werden. Dazu gehöre es, auch Narrative zu entwickeln wie zum Beispiel der Gemeine Kasten der Reformationszeit als Vorläufer der modernen Sozialsysteme oder warum im Grundgesetz die Unantastbarkeit der Menschenwürde verankert sei.

Große Investitionen

80,2 Millionen Euro habe das Land während der Lutherdekade investiert, davon 60 Millionen Euro für den Erhalt und die Modernisierung der Lutherstätten in Wittenberg, Eisleben und Mansfeld. Orte, die mit dem Leben Martin Luthers verknüpft seien, habe man denkmalgerecht saniert, ertüchtigt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 13 Millionen Euro habe der Bund zur Denkmalpflege beigesteuert, zehn Millionen Euro die EU. Weitere 20 Millionen Euro seien für touristische Marketingmaßnahmen, die Finanzierung der Geschäftsstelle Luther 2017 sowie für mehr als 140 Kultur- und Bildungsvorhaben ausgegeben worden. Im Ergebnis, so Haseloff, könne man konstatieren, dass kein Teil des „Ursprungslands der Reformation“ von der Lutherdekade „verschont“ geblieben sei, Reformationsveranstaltungen habe es von Arendsee bis Zeitz gegeben. 

 Insgesamt habe man mit diesen Angeboten 3,5 Millionen Menschen erreicht, auch für ein Kulturland wie Sachsen-Anhalt bedeute dies ein singuläres Ereignis. Damit habe man Grundlagen geschaffen, die als Schwerpunkte der touristischen Angebote des Landes präsentiert und weiterentwickelt werden könnten. 

Der Geist der Ökumene 

 „An der kirchlichen Basis beruft man sich auf den Geist der Ökumene, der in Wittenberg praktiziert wurde, Ökumene ist zur Selbstverständlichkeit geworden“, erklärte Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der EKD. Es seien viele intensive Kontakte entstanden, die nun gepflegt würden. Als besonders nachhaltig in der Wirkung hätten sich die regionalen Veranstaltungen erwiesen, bei denen die Kirchen mit zivilgesellschaftlichen Akteuren kooperierten.

2017 sei ein „furioses Jahr“ gewesen, dabei habe Wittenberg Spuren hinterlassen – in der Öffentlichkeit und in Biographien. Die Stadt habe viele Menschen inspiriert wie den Erzbischof von Kapstadt Thabo Makgoba, der beim Abschlussgottesdienst auf den Elbwiesen die Predigt hielt, in der er an die Lebendigkeit des reformatorischen Gedankens erinnerte. Diese Erinnerung, so Bedford-Strohm, trügen viele Wittenberg-Besucher noch lange mit sich. 

Die im neuen Glanz erstrahlenden Gebäude dürften jedoch nicht auf der musealen Ebene verharren, sondern „wir müssen sie mit neuem Geist füllen, der uns mit Blick auf die Reformation immer wieder inspiriert und uns zu neuen Ufern aufbrechen lässt. Wir müssen heute wie vor 500 Jahren durch Veränderung das bleibend Wichtige bewahren.“ 

Ein ganz wichtiges Thema dabei sei die Digitalisierung, heute wie vor 500 Jahren erlebten die Menschen eine Medienrevolution, Kirche müsse in der Lage sein, das Leben in der digitalisierten Welt zu reflektieren.

Sowohl die Lutherdekade als auch die Rahmenvereinbarung seien richtige Entscheidungen gewesen, betonte Oberbürgermeister Torsten Zugehör. Mit der Dekade haben man sich inhaltlich auf 2017 vorbereiten und dabei die Bürger der Stadt mitnehmen können. Mit der Rahmenvereinbarung und den damit verbundenen juristischen Hürden habe man einen Speer in den Nebel geworfen: „Dieser Mut wurde belohnt, denn der Speer hat getroffen.“ Ohne das anstehende Reformationsjubiläum hätte man kaum den Mut zu einer solch weitreichenden Vereinbarung aufgebracht: „Die Notwendigkeit zu entscheiden reicht weiter als die Möglichkeit zu erkennen“, zitierte der OB Immanuel Kant. 

Die  Rahmenvereinbarung

 Grundlage und Kompass für die Zusammenarbeit während der Lutherdekade und dem Reformationsjubiläum war die Rahmenvereinbarung, die 2009 zwischen dem Land Sachsen-Anhalt, der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Lutherstadt Wittenberg, der Union Evangelischer Kirchen (UEK) und der Stiftung Luthergedenkstätten abgeschlossen wurde. Im Kern beinhaltet die Vereinbarung fünf Punkte: Erstens die Sanierung der Schlosskirche sowie Übertragung des Eigentums vom Land an die EKD. Zweitens die Sanierung des Schlosses und teilweise Übertragung des Eigentums von der Stadt an die EKD zwecks Nutzung durch das Evangelische Predigerseminar. Drittens die Sanierung des Augusteums für Zwecke der Stiftung Luthergedenkstätten und Eigentumsübertragung vom Land auf die Stiftung. Viertens Gründung einer Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek, die ihren Sitz im sanierten Schloss hat und fünftens die Ablösung aller historisch geprägten Ansprüche durch neue Eigentumsverhältnisse.




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