Das Plakat der in 1966 gestarteten Werbekampagne der damaligen westdeutschen Deutschen Bundesbahn. Aus aktueller Sicht wird der ursprüngliche Sinn in sein Gegenteil verkehrt: Wenn die Bahnmanager heute nicht über das Wetter reden, wäre das eine Begründung für unterlassene Investitionen in die Infrastruktur. Plakat: Agentur McCann Erickson / Carolus Horn

Das Plakat der in 1966 gestarteten Werbekampagne der damaligen westdeutschen Deutschen Bundesbahn. Aus aktueller Sicht wird der ursprüngliche Sinn in sein Gegenteil verkehrt: Wenn die Bahnmanager heute nicht über das Wetter reden, wäre das eine Begründung für unterlassene Investitionen in die Infrastruktur. Plakat: Agentur McCann Erickson / Carolus Horn

10.04.2018

Leserbrief zu: Können Kunden das Leben in vollen Zügen genießen?

Bahn der Scharlatane und Rosstäuscher

Der Bahnverkehr in der Bundesrepublik wird gesteuert durch eine staatlich gelenkte, gewinnorientierte Aktiengesellschaft. Folge: Man muss sich vom Gedanken der alles befördernden, überall verkehrenden Eisenbahn lösen. 

Fahren um jeden Preis, Winterbereitschaft ? Welch Unsinn! Kostenfaktor! Reserven an rollendem Material? Wozu?  Elektronik vom Feinsten, Weichen stellen am besten aus dem Weltall. Wir haben die Technologie. Nur nicht die Leute und Werkzeuge, wenn mal irdische Dinge störend auf den Betriebsablauf wirken. Baum auf der Strecke? O.K. passiert. Betrieb deshalb in ganz Deutschland kappen? Na klar. Wer soll auch die ganzen Strecken kontrollieren? 

Wird es warm, können Züge auch nicht fahren, Klimaanlagen kaputt, wird es windig, dito. Ist es kalt oder schneit es, auch nicht. Fällt eine wichtige Strecke aus, sind Alternativen nicht (bzw. nicht mehr) da oder nicht ausgebaut. Betriebsstätten gibt es kaum noch, geschweige Ersatzmaschinen die mal ‘nen liegen gebliebenen Zug mit Abstrichen weiter befördern, abschleppen könnten. Nein, nach einem halben Tag kommt dann mal ein Ersatzzug, sofern es rollt. 

Erbärmlich für Bahnkunden, ärgerlich für Wettbewerber die inzwischen z.B. 80% des Güterverkehrs bestreiten und die Trassen der DB befahren und dafür kräftig löhnen müssen. Auch die kommen nicht weiter. In keinem anderen Land in Europa ist so schnell alles lahm gelegt.

Mal 30 Jahre zurück. Die DDR pfeift wirtschaftlich auf dem letzten Loch, doch die Bahn rollt. Nicht zu schnell, über marode Strecken und mit viel Personal. Herr Scheurell wird sich erinnern an ständig geschlossene Schranken, Zugfolgen oben/unten von zwei bis drei Minuten manchmal. An jeden Betrieb, der ein Anschlussgleis hatte. Auf der Ostseite das Gleis, das in Fragmenten noch liegt, hinter dem Friedhof durchlaufend zu den Möbelwerken und Maschinen und Mühlenbau, die Hafenbahn bis zum zweiten Getreidespeicher, an deren Kette alle elbseitig gelegenen Betriebe hingen. Die Straacher Schiene. Die Heidebahn nach Eilenburg und Torgau.

Es standen für Meter hohen Schneefall drei Schneepflüge der Bauart Meinigen allein in Wittenberg. 

Dann kam die Wende, die schöne neue ICE Stecke nebst 200 km/h-Elbbrücke die erst auf 160 dann mal auf 80km/h Durchfahrtsgeschwindigkeit gedrosselt wurde und Abspannungen gegen die Schwingungen erhielt. Die Schienen, die bereits nach vier Jahren ausgetauscht werden mussten, während gleichzeitig auf den Schienenköpfen der Dessau-Falkenberger Strecke ein "Krupp 1937" prangte. 

Nicht zu vergessen ein Regionalexpress nach Berlin, der heute noch mit Loks aus DDR-Produktion und aufgebauten ex sozialistischen Doppelstockwagen täglich unterwegs ist. 

Ja, der Kunde ist ne Viertelstunde schneller in Berlin als früher. Es kostet wesentlich mehr, hat auch keine 12-16 übervolle Wagen und fährt vorbei an ehemalige Stationen, die es heute längst nicht mehr gibt. 

Die sogenannte Kanonenbahn, u.a DDR- Entlastungsstrecke, wird 1993 ab Berlin ausgebaut, elektrifiziert und ICE-tauglich 1996 übergeben, um dann in 2004 zwischen Wiesenburg und Güterglück demontiert und entwidmet zu werden. Das ist die Deutsche Bahn der Scharlatane und Rosstäuscher, der Zuschüsse und Fördergelder. Nicht die der Menschen und Kunden. 

Danke an alle Mitarbeiter, die zuverlässig und mit viel Idealismus dafür sorgen, das in Deutschland trotzdem der Eisenbahnbetrieb so jetzt möglich ist. Ihr könnt nichts für die Zahlenjongleure und Versager an den Spitzen. 

Jens Förster 

Lutherstadt Wittenberg OT Griebo




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