Ein Wolf im Schnee. Tierhalter befürchten, dass die Zahl der Übergriffe auf Nutz- und Heimtiere in Zukunft noch weiter ansteigen wird - weil der Wolf sich unkontrolliert vermehrt. Foto: Archiv

Ein Wolf im Schnee. Tierhalter befürchten, dass die Zahl der Übergriffe auf Nutz- und Heimtiere in Zukunft noch weiter ansteigen wird - weil der Wolf sich unkontrolliert vermehrt. Foto: Archiv

04.04.2018

Wie Politiker das Verhalten verwandter sozialer Lebewesen pervertieren

Wolf und Hund: Wenn die Ideologie den Verstand des Menschen auffrisst

Sie sind Angehörige einer Familie: Der Wolf, wissenschaftlicher Name Canis lupus, und der Haushund, Canis lupus familiaris. Beide Arten weisen eine Gemeinsamkeit auf: Sie waren (der Haushund) und sind (der Wolf) im Visier von Medien und Politik – und die Erfahrung lehrt leider, dass bei überwiegend ideologisch geführten Diskussionen nichts Vernünftiges herauskommen kann. Und so ist es: Der Wolf wird derzeit von Wolfsromantikern ohne Rücksicht auf Verluste verhätschelt, während der Hund in der Vergangenheit ohne Rücksicht auf biologische Tatsachen und arttypische Bedürfnisse bis hin zur Verteufelung reglementiert worden ist – jedenfalls in Sachsen-Anhalt. Bedauerliche Erkenntnis: Ideologie frisst Verstand auf. 

Es braucht nur zwei Sätze aus amtlichen Papieren, um das ganze Dilemma des tierischen Polit-Unvermögens zu dokumentieren. Satz eins stammt aus der „Leitlinie Wolf“, herausgegeben von dem von Prof. Claudia Dalbert (Grüne) geleiteten Umweltministerium: „Der Prozesse der natürlichen Wiederbesiedlung wird ohne örtliche oder sachliche Beschränkung zugelassen und begleitet.“ Übersetzt: Der Wolf und seine Kinder können tun und lassen was sie wollen, seine Interessen stehen über denen des Menschen. 

Satz zwei steht im Hundegesetz von Sachsen-Anhalt, Abteilung gefährliche Hunde: „Gefährliche Hunde sind Hunde, deren Gefährlichkeit vermutet oder im Einzelfall festgestellt wird.“ Es reicht also eine Vermutung, und die ist in Sachsen-Anhalt bereits gegeben, wenn ein Hund einer bestimmten Rasse angehört. 

Dass Hunde wie Wölfe soziale Lernwesen sind, deren Verhalten überwiegend durch Lernprozesse und Umweltbedingungen geprägt wird, interessiert manche Politiker nicht. Bedauerliche Erkenntnis: Ideologie frisst Verstand auf. 

Ja, auch der Wolf ist ein soziales Lernwesen – und diese Tatsache steht im Widerspruch zu dem auch von seriösen Naturschützen immer wieder vorgetragenen wölfischen Vorteil, er trage in den Wäldern zu einem gesunden Wildbestand bei, indem er als Beute schwache und kranke Tiere reißt. Das macht er tatsächlich – bis das soziale Lernwesen Wolf gelernt hat, dass der Tisch in der Nähe der menschlichen Häuser besonders reichlich gedeckt ist und sich damit für ihn die stressige Rennerei durch die Wälder erübrigt, weil die stehende Beute umzäunt ist und noch nicht einmal weglaufen kann. 

Und so steigen die Schäden nicht nur bei Schaf-, Ziegen- und Rinderzüchtern an, so wird auch unnötiges Leiden der Tiere politisch gefördert, denn der Wolf neigt dazu, nicht nur seinen Hunger reißend zu stillen, sondern auch seinen tierischen Killerinstinkt zu befriedigen. Dass mancherorts in einer Nacht gleich diverse Tiere einer Herde getötet worden sind, hat weder etwas mit Beutemachen noch mit dem natürlichen Verhalten des Wolfes in der freien Natur zu tun: Die dicht besiedelte Landschaft ist halt nicht wolfsgerecht und kann von den politischen Ideologen auch nicht wolfsgerecht geredet werden. 

Was manch ein Wolfsromantiker nicht beachtet: Wir stehen in Sachsen-Anhalt erst am Anfang der Problematik. Kenner schätzen, dass die jährliche Steigerungsrate der Wolfspopulation bei etwa 30 Prozent liegt – die Tiere haben ja keine natürlichen Feinde - und dass sich dadurch und durch die Fähigkeiten des Wolfes zu lernen die Zahl der Überfälle auf Schafe, Ziegen, Rinder und auch Pferde in Zukunft dramatisch ansteigen wird. 

Pferde? Vergessen wird gern, dass es bereits erhebliches Tierleid auch unter Pferden gab. Ausgerechnet eine Herde der im Naturschutzbund NABU organisierten Natur- und Tierfreunde wurden von Wölfen heimgesucht, mehrere Fohlen starben, einige kamen mit Verletzungen davon. Ist selbst artgerechte Pferdehaltung nicht mehr möglich, weil der Wolf verhätschelt wird? 

Zurück zum Hund. Auf Bundesebene gibt es eine Tierschutzhundeverordnung mit einer wesentlichen Bestimmung in § 2: „Einem Hund ist ausreichend Auslauf im Freien zu gewähren. Auslauf und Sozialkontakte sind der Rasse, dem Alter und dem Gesundheitszustand des Hundes anzupassen.“ In Wittenberg herrscht permanente Leinenpflicht.




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