Landrat Jürgen Dannenberg und Anne Randow, die den ersten Bildungsbericht des Landkreises erarbeitet hat. Foto: Wolfgang Gorsboth

Landrat Jürgen Dannenberg und Anne Randow, die den ersten Bildungsbericht des Landkreises erarbeitet hat. Foto: Wolfgang Gorsboth

20.03.2018

Bessere Bildung für alle, Fachkräftesicherung, lebenslanges Lernen

Erster Bildungsbericht des Landkreises Wittenberg liegt vor

Wittenberg (wg). Das Thema „Bildung“ ist für Landrat Jürgen Dannenberg (Linke) seit seinem Amtsantritt 2007 neben den Bereichen „Arbeit“ und „Erneuerbare Energien“ eines der drei zentralen Politikfelder. „Mit dem nun erstmals vorliegenden Bildungsbericht haben wir eine umfassende Analyse der Situation im Landkreis, einschließlich der Rahmenbedingungen“, erklärt Dannenberg im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. 

Mehr als 25 Millionen Euro hat der Kreis in Schulen investiert, außerdem wurde ein Übergangsmanagement für den Wechsel von der Schule in den Beruf/Ausbildung geschaffen. Mit dem nun vorliegenden, mehr als 300 Seiten umfassenden Bildungsbericht wird ein langfristiger Prozess eingeleitet, um die Bildungslandschaft vor Ort zu stärken. „Angesichts der demografischen Herausforderungen können wir uns nicht auf unser Bauchgefühl verlassen, sondern müssen auf Fakten basierende Entscheidungen treffen, die gleichzeitig den regionalen Bedürfnissen gerecht werden“, betont Dannenberg. 

Der Bericht fasst die in unterschiedlichen Bereichen existierenden Daten zusammen, schafft eine belastbare Datenbasis für das Bildungsmanagement und die politischen Entscheidungsträger und liefert kontinuierlich fortgeschriebene, vergleichbare Daten zu allen Bildungsbereichen entlang des lebenslangen Lernens. Er identifiziert zukünftige Handlungsfelder, um vorausschauend bildungspolitisch planen und agieren zu können, und bietet eine Basis für die Diskussion von Lösungswegen. 

„Die Verbesserung der Bildungschancen sowie die Fachkräftesicherung sind zwei grundlegende Ziele kommunaler Politik“, erklärt der Landrat. Ausgangspunkt war ein Beschluss des Kreistages 2015, einen Bildungsbericht als Grundlage für strategische Entscheidungen im kommunalen Bildungsmanagement zu erstellen und dafür Fördermittel zu erschließen. Im Rahmen des Programms „Bildung integriert“ konnte Anne Randow als Bildungsmonitorerin befristet auf drei Jahre im Juni 2016 eingestellt werden. 

Die Gliederung des Bildungsberichts folgt dem Prinzip des lebenslangen Lernens, um ein ganzheitliches und umfassendes Bild von Bildung zu zeichnen. Im Bereich der frühkindlichen Bildung nimmt der Landkreis auch dank des Engagements der Städte und Gemeinden gleich zweimal Spitzenpositionen ein: So hat der Kreis bei Kindern im Alter von einem bis unter zwei Jahren die höchste Betreuungsquote in Deutschland und bei Kindern im Alter unter drei Jahren die höchste in Sachsen-Anhalt und die zweithöchste in Deutschland. Die Betreuungsquote bei Kindern im Alter von drei bis unter sechs Jahren liegt bei 97 Prozent. 

„Bei den Schülerzahlen verzeichnen wir im Zeitraum von 2007/08 bis 2016/17 einen leichten Anstieg um 400 Kinder und Jugendliche“, sagt Anne Randow. Aufgrund der Inklusion ist der Anteil der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im gemeinsamen Unterricht von acht auf 33,2 Prozent gestiegen. „Es muss auch künftig beides geben, gemeinsame Beschulung im Sinne der Inklusion, aber auch Förderschulen“, berichtet der Landrat, „deshalb fordern wir vom Land, die Mindestzahlen für Förderschulen abzusenken. Es gibt Kinder, die eine besondere sonderpädagogische Förderung benötigen, die sich in Mischklassen so nicht umsetzen lässt.“ Gleichzeitig ist beim Förderschwerpunkt eine Verschiebung festzustellen – weg vom Lernen in Richtung emotionale und soziale Entwicklung, das heißt, der Anteil von Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten hat zugenommen. 

44,6 Prozent der Kinder wechseln nach der Grundschule aufs Gymnasium, 38,7 Prozent auf die Sekundarschule und 10,5 Prozent auf die Gemeinschaftsschule. Allerdings hat sich die Zahl der Schulabgänger mit Hochschulreife von 2007/08 bis 2015/16 von 33,7 auf 27,1 Prozent verringert, das heißt, immer mehr Schüler wechseln vom Gymnasium auf die Sekundarschule, weil sie die Zielvorgaben nicht erfüllen. Die meisten Klassenwiederholungen finden in Klasse 11 statt, wobei es laut Anne Randow einen enormen geschlechtsspezifischen Unterschied gibt: Nur 2,4 Prozent der Mädchen müssen wiederholen, aber 16,3 Prozent der Jungen. 

Absolventen mit Fachhochschulreife liegen unverändert bei 3,4 Prozent und die Zahl der Schüler mit Realschulabschluss ist um 3,1 Prozent auf 33,2 Prozent gestiegen. Einen Hauptschulabschluss haben 11,1 Prozent und ohne jeden Abschluss verlassen 3,7 Prozent der Jugendlichen die Schule, damit liegt der Landkreis unter dem Landesdurchschnitt. 

„Die Anzahl der Auszubildenden hat sich halbiert“, verweist Dannenberg auf eine dramatische Entwicklung. Seit zwei Jahren gibt es mehr Lehrstellen als Schulabgänger, aus der Lehrstellenlücke wurde eine Qualitätslücke, weil immer mehr Azubis wegen mangelnder Ausbildungsreife nicht den Anforderungen der Unternehmen entsprechen. 

Die vorzeitigen Vertragsauflösungen während der Lehre haben trotz aller berufsorientierenden Maßnahmen und Projekte ab Klasse 7 ein extrem hohes Level erreicht: Die Abbrecherquote liegt bei insgesamt 36,6 Prozent, im Bereich Hauswirtschaft sogar bei 46,7 Prozent und im Handwerk bei 40,8 Prozent. 

„Die bisherigen Maßnahmen im Bereich des Übergangsmanagements von Schule in Ausbildung reichen ebenso wenig aus wie gut gemeinte Aktionen der Agentur für Arbeit wie Schnuppertage oder den Boys’ Day bzw. Girls’ Day“, so Dannenberg. „Oft sind nicht einmal die von Jugendlichen selbst benannten Wunschberufe wirklich gut überlegt, klaffen Anspruch und Realität weit auseinander.“ An die Handwerksbetriebe appelliert der Landrat, künftig mehr Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen. Der Landkreis wiederum will die Jugendberufshilfe stärken und auf eine breite Basis stellen.

„Die Erarbeitung des Bildungsberichts ist ein erster Schritt, dem weitere folgen müssen“, sagt Dannenberg. So muss sich der Schul- und Kulturausschuss mit dem Bericht befassen und Schwerpunkte festlegen. Die Diskussionen zum Bildungsleitbild müssen fortgesetzt, Handlungsempfehlungen und Bildungsstrategien abgeleitet, Maßnahmen und Lösungen erarbeitet und umgesetzt werden. Bildung ist eine Querschnittsaufgabe mit vielen Akteuren, deshalb wird es am 15. November 2018 eine erste Bildungskonferenz geben.




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