Zwei junge Damen und 14 junge Herren bekamen am Freitagabend im Rahmen der feierlichen Freisprechung ihre Gesellenbriefe. Fotos: Wolfgang Gorsboth

Zwei junge Damen und 14 junge Herren bekamen am Freitagabend im Rahmen der feierlichen Freisprechung ihre Gesellenbriefe. Fotos: Wolfgang Gorsboth

04.03.2018

16 junge Leute haben in vier Innungen Prüfungen bestanden

Gesellenfreisprechung: Sprungbrett in die Karriere

Wittenberg (wg). „Seien Sie stolz auf Ihren Gesellenbrief und nutzen sie Ihre Chancen im Handwerk“, gab Kreishandwerksmeister Hendrik Hiller 16 jungen Erwachsenen am Freitagabend mit auf dem Weg. Im feierlichen Rahmen feierten die Kfz-, Elektro-, Metall- und Friseurinnung die Übergabe der Gesellenbriefe: Für acht Kfz-Mechatroniker, drei Elekroniker, drei Metallbauer und zwei Friseusen beginnt damit ein neuer Abschnitt ihres Lebens. 

Als innungsbeste Lehrlinge wurden Lucas Horn (Kfz-Innung), Ronald Reinhardt (Elektro-Innung) und Carolin Klemke (Friseur-Innung) ausgezeichnet. Klemke und Horn werden im September 2018 aufgrund ihrer sehr guten Leistungen am Wettbewerb des Deutschen Handwerks teilnehmen.

Am Beispiel des Hausbaus machte Hiller deutlich, wie rasant sich die Anforderungen im Handwerk angesichts der Digitalisierung und den Möglichkeiten eines vernetzten, intelligenten Heimes (Smart Home) verändert haben: „Ein Handwerker muss heute mit seinem Werkzug ebenso gut umgehen können wie mit dem Laptop.“ 

Ausbildung im Handwerk bedeute Ausbildung im Dualen System, um das Deutschland von der Welt beneidet werde. Aufgrund des demographischen Wandels und des Fachkräftemangels würden sich die Unternehmen um den Nachwuchs reißen, die beruflichen Perspektiven in der Region seien hervorragend.

„Sie haben einen wichtigen Lebensabschnitt abgeschlossen und werden nun gut vorbereitet in die große, weite Welt der beruflichen Möglichkeiten entlassen“, sagte Landrat Jürgen Dannenberg (Linke) in seinem Grußwort. Mit der bestandenen Ausbildung und dem Gesellenbrief verfügten sie über ein solides Fundament für die weitere Lebensplanung. 

„Der technische Wandel verläuft rasant, Kundenwünsche ändern sich und die Konkurrenz schläft nicht, deshalb ruhen Sie sich nicht auf den Lorbeeren aus“, mahnte der Landrat. Das Gebot des lebenslangen Lernens sei für all jene, die die Zukunft meistern wollten, alternativlos. Nur wer sich vorausschauend weiterbilde, werde auf dem Arbeitsmarkt Chancen haben.

„Die Sorge um den Nachwuchs geht in fast jedem Unternehmen um“, betonte Dannenberg, „deshalb wollen wir den Ausbildungsstandort Wittenberg stärken.“ Das Handwerk gehöre im Landkreis zu den starken und zukunftsorientierten Wirtschaftszweigen. 

„Handwerk bietet Zukunft, die Gesellenfreisprechung ist die erste Etappe“, erklärte Wittenbergs Bürgermeister Jochen Kirchner in seinem Grußwort. „Sie gehören jetzt zur Familie der 5,5 Millionen Handwerker in Deutschland und haben damit ein wichtiges Ziel in ihrem noch jungen Leben erreicht.“

Mit dem Gesellenbrief stellten die jungen Leute ihr Können, Wissen und ihre Leistungsbereitschaft unter Beweis. „Ausbildung ist immer auch eine Gemeinschaftsleistung, dazu beigetragen haben Lehrer, Ausbilder, Eltern und die Kollegen sowie die starke Gemeinschaft der Innungen“, so Kirchner, „sie alle übernehmen Verantwortung für die berufliche Zukunft der Jugend.“ Die gut ausgebildeten Jugendlichen wiederum trügen mit ihrem Können dazu bei, dass hiesige Unternehmen weiterhin erfolgreich am Markt agieren könnten. 

„2017 blickte die Welt nach Wittenberg und auch das Handwerk war beteiligt“, sagte Jens Schumann, stellvertretender Hautgeschäftsführer der Handwerkskammer Halle. Ohne Handwerk hätte es vor 500 Jahren keinen Thesenanschlag gegeben und ohne Handwerk hätten die vielen anspruchsvollen Bauvorhaben für das Reformationsjubiläum nicht realisiert werden können. 

„In den vergangenen 500 Jahren gab es grundlegende Veränderungen, geblieben sind aber die Handerker-Tugenden, heute auch soft skills genannt“, erklärte Schumann. Geradezu prägend sei die Art der Nachwuchsförderung, indem erfahrene Handwerker ihr Wissen und ihre Erfahrung an die Jugend weitergeben. Das ausgewogene Verhältnis von Können und Wissen zeichne einen guten Handwerker aus.

„In 52 Prozent der Unternehmen sind die Inhaber bzw. Chefs älter als 50 Jahre“, berichtete Schumann. „Wer sich jetzt weiterqualifiziert als Meister, Techniker oder Betriebswirt, hat gute Chancen, den Betrieb zu übernehmen.“ Vor allem in vielen Handwerksfirmen gebe es niemanden, der die Nachfolge antreten könne. 

„Auch das digitale Zeitalter ändert nichts an der guten alten Handwerker-Tradition der Freisprechung“, betonte Hendrik Hiller, der nach den Grußworten und der musikalischen Umrahmung durch Denny Hertel schließlich die Freisprechung vornahm. Junggesellin oder Junggeselle zu werden mag im Privatleben nicht unbedingt ein Grund zur Freude sein, stellt im Berufsleben aber einen wichtigen Meilenstein dar.

Der Brauch, so Hiller, habe seinen Ursprung in der Freisprechung der Lehrlinge in den handwerklichen Zünften des Mittelalters. Mit der Freisprechung schied der Handwerker aus dem Familienverband seines Meisters aus und trat in ein lohnbezogenes Verhältnis zur Werkstatt. Die Freisprechung war mit einem Festmahl verbunden, das der Geselle bezahlen musste – in Wittenberg übernimmt das in jedem Jahr die Sparkasse.





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