Mario Dittrich ist seit 1992 Verleger, außerdem ein großer England- und Shakespeare-Fan. Foto: Wolfgang Gorsboth

Mario Dittrich ist seit 1992 Verleger, außerdem ein großer England- und Shakespeare-Fan. Foto: Wolfgang Gorsboth

21.01.2018

Mario Dittrich liebt Regionalgeschichte und Literatur.

Neuer Heimatkalender im „Drei Kastanien Verlag“ erschienen

Wittenberg (wg). Weit mehr als 100 Bücher hat Mario Dittrich in 25 Jahren verlegerischer Tätigkeit herausgegeben, zu den Rennern gehören die „Biographien zur Reformation“ (die Reihe ist abgeschlossen) und der Heimatkalender, der sich 2018 mit acht Themen befasst, beginnend mit dem Abschiedsbrief von Amalie Gerischer: Bis 1933 war sie Teil der Wittenberger Stadtgesellschaft, dann machten die Nazis ihr das Leben zur Qual. Weil sie den Anfeindungen nicht standhalten konnte und wollte, wählte sie 1943 den Freitod. Das bewegende Zeitdokument ist der Broschüre „(Un-)vergessene Nachbarn“ von Reiner Pester entnommen. 

Mario Dittrich selbst hat für den neuen Heimatkalender zwei Beiträge geschrieben: Einen über die legendäre Gaststätte „Zur Schloßfreiheit“ und dessen Inhaber Dietmar Hegner, der mit seiner umtriebigen Art Wittenberger Gaststättengeschichte geschrieben hat und in dessen Lokalität Mario Dietrich Stammgast war. 

„Gerade zu DDR-Zeiten, da Gaststätten vor allem durch unfreundliches Personal und Mangelwirtschaft geprägt waren, bildete Hegners Lokalität in punkto Qualität und Service die absolute Ausnahme“, berichtet Dittrich im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag.. Und Hegner kreierte schon vor der Wende kreative Namen für seine Menüs wie den „Lutherspieß“ oder den „Melanchthonschmaus“, außerdem begrüßte er jeden Gast persönlich. 

Im zweiten Artikel arbeitet Dittrich den unwürdigen Umgang der Nazis mit den Askanier-Särgen auf, die im Keller des Schlossturmes lagerten. Helmut Tauschnitz berichtet über das Kriegsende im Süden des Landkreises und Lothar Schröter über Möllensdorf und die Bodenreform nach dem Zweiten Weltkrieg. Max Graupner lässt den Rohrstock tanzen, wenn er über seine Schulzeit in Wittenberg berichtet. Eingeschult wurde er am 1. April 1937 in die Elstervorstadtschule, der Jahrgang 1930/31 war der letzte, der zu Ostern eingeschult wurde. 

Herbert Thielebein befasst sich mit dem Potsdamschen Großen Militär-Waisenhaus im Schloss Pretzsch in der Zeit von 1829 bis 1923 und der letzte Beitrag von Cornelius Gurlitt (1850-1938) umfasst den zweiten Teil seiner Beschreibungen der Lutherstadt, Dittrich verspricht, dass es 2019 einen dritten Teil geben wird. Als 1998 der erste Heimatkalender erschien, stand vor allem die Aufarbeitung der NS-Zeit und des Zweiten Weltkrieges im Mittelpunkt. „Es bestanden Defizite, denn zu DDR-Zeiten durfte zu diesen Themen nicht alles gesagt, geschweige denn publiziert werden“, erklärt Dittrich. 

Der Drei Kastanien Verlag hat viel zur regionalen Aufarbeitung dieser Themen beigetragen unter anderem ist aus den Beiträge zum Heimatkalender die Trilogie „Wittenberg brennt...“ des verstorbenen Autors Gottfried Herrmann entstanden. Künftig wird die DDR-Zeit häufiger im Heimatkalender thematisiert: „Früher war meine Generation diejenige, die die Älteren befragte, nun werden wir von nachfolgenden Generationen selber als Zeitzeugen befragt“, so Dittrich. 

„Die DDR war keine gemütliche Kuschel-Diktatur, wer nicht mitschwamm, wurde brutal unterdrückt, dafür gibt es genug erschütternde Bespiele in unserer Region.“ 

Dittrich, der Schriftsetzer gelernt und bis zur Wende beim traditionsreichen Ziemsen-Verlag gearbeitet hat, ist dankbar für die Friedliche Revolution: „Lesen und publizieren können, was man möchte, das war in der DDR nicht möglich.“ 

Ein traditionsreicher Kreis wie Wittenberg braucht einen Heimatkalender, ist Dittrich überzeugt. Am Anfang musste sich der Verleger noch abstrampeln, um die Manuskripte einzusammeln, heute hat er die Qual der Auswahl aus einem großen Stehsatz von Texten. Mit der Erstauflage des Heimatkalenders, an der sich viele Zeitzeugen beteiligten, konnte Dittrich Zeichen setzen. Den Heimatkalender verschickt er bundesweit von Flensburg bis München, Adressaten sind zumeist ehemalige Wittenberger bzw. deren Kinder. Alte Heimatkalender sind besonders begehrt, über Ebay werden sie zu Liebhaberpreisen gehandelt. 

Der neue Heimatkalender machte den Auftakt, im April kommt eine neue und überarbeitete Auflage des vergriffenen Buches zur Geschichte der sächsisch-askanischen Herzöge heraus. Ebenfalls im April erscheint ein von Dittrich geschriebenes Buch über die Wittenberger Friedhöfe und in Vorbereitung ist „Der Korrektor“, in diesem Buch beschreibt Dittrich das Leben des fiktiven Helmut Tossmann, Jahrgang 1900, der als Korrektor beim „Wittenberger Tageblatt“ arbeitet und auf die Stadtentwicklung zurückblickt. „Es ist der Rückblick eines Zeitgenossen auf eine unglaubliche Entwicklung, die diese Stadt genommen hat“, sagt der 52-Jährige.





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