Das Flüchtlingsboot am Schwanenteich sorgte während der Weltausstellung für Diskussionen - es bleibt in Wittenberg, Nachdenken weiterhin erwünscht. Foto: Archiv Wolfgang Marchewka

Das Flüchtlingsboot am Schwanenteich sorgte während der Weltausstellung für Diskussionen - es bleibt in Wittenberg, Nachdenken weiterhin erwünscht.
Foto: Archiv Wolfgang Marchewka

10.01.2018

Der kirchliche Rückblick auf die Weltausstellung fällt unterschiedlich aus

Reformation muss auch Probleme lösen

Wittenberg (wg). „Wir schauen auf ein ereignisreiches Jahr zurück, das mit vielen Hoffnungen sowie realistischen und unrealistischen Erwartungen verbunden war“, erklärt Friedrich Kramer, Direktor der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. 

So sei die Annahme unrealistisch gewesen, man könne die Ströme der zeitnotgeplagten Touristen gezielt in die Weltausstellung Reformation lenken, ebenso sei es schwer gewesen, die Bewohner aus dem Umland für die Weltausstellung zu begeistern. Auch die „Kirchentage auf dem Weg“ hätten nicht die erwartete Resonanz gefunden, insgesamt habe es zu viele Angebote gegeben. 

Und trotzdem habe es das „Sommerfeeling in Wittenberg“ gegeben, sei die Stadt 2017 reich beschenkt worden und habe sich die Weltausstellung als innovatives Format erwiesen. „Als Akademie haben wir uns bewusst nicht für diejenigen Touristen als unsere Zielgruppe entschieden, die unter großem Zeitdruck ihr Programm absolvieren mussten“, so Kramer. „Wir haben uns vielmehr auf jene konzentriert, die den Sommer über hier waren, nämlich die Akteure der Weltausstellung.“ 

Diese habe man jeden Mittwoch, parallel zum Beginn der neuen Themenwoche, zum Empfang in die Akademie zum Kennenlernen eingeladen, viele hätten das Angebot genutzt. Überdies zeigte die Akademie mehrere Ausstellungen wie über Luther und die Juden sowie den Nationalsozialismus in Sachsen-Anhalt. Von den 18 Evangelischen Akademien in Deutschland seien sieben vor Ort gewesen, mit denen man gemeinsame Tagungen durchgeführt habe. Zu jeder Tagung habe es zudem einen Besuch der Kunstausstellung im Alten Gefängnis „Luther und die Avantgarde“ gegeben. 

„Die Kirche hat Zukunft, wenn sie sich den Herausforderungen stellt“, betont Kramer, „sie hat eine reiche Tradition, die allen gehört und deshalb war es richtig, das Reformationsjubiläum ökumenisch und international zu feiern.“ Reformation bedeute aber nicht, sich selbst zu feiern, sondern Probleme zu lösen. Die Kirche stecke in einer schweren Akzeptanzkrise, da gebe er dem Theologen Friedrich Schorlemmer recht. „Aber dafür, dass wir in dieser Region eine Minderheit sind und dass die Lutherstadt auf dem Weg war, sich in ‚Chemiestadt’ umzubenennen, waren wir gute Gastgeber“, so Kramer.

Vorhaben umgesetzt

Zufrieden auf 2017 blickt Stadtkirchenpfarrer Johannes Block zurück: „Wir haben unsere Vorhaben umgesetzt, der Schwerpunkt war die Vollendung der Generalsanierung mit der feierlichen Einweihung der neuen Kirchenfenster als krönendem Abschluss.“ Die Weltkirche sei in Sankt Marien zu Gast gewesen und habe dort ökumenisch Gottesdienste gefeiert. Unvergesslich seien die Eindrücke vom Abschlussgottesdienst des Deutschen Evangelischen Kirchentages auf den Elbwiesen mit dem grandiosen Blick auf die große Bühne und der Stadt-Silhouette. 

Die Idee, mit der Weltausstellung Reformation um die Altstadt herum einen thematischen Gürtel zu spannen, sei gut gewesen. Mit dem Konzept der Weltausstellung habe man gezielt den Stadtraum einbezogen und versucht, sich für die Besucher möglichst breit aufzustellen, es sei aber nicht auf künftige Kirchentage und Städte übertragbar. Einiges aus dem Reformationssommer habe sich bewährt und sollte in Zukunft in Wittenberg fortgesetzt werden wie die Konzerte auf der Schlosswiese. 

Gute Stimmung in Wittenberg

„Es gab weder einen Masterplan noch Erfahrungen, auf die man hätte zurückgreifen können“, sagt Pastor Hans W. Kasch, Direktor des Wittenberg-Zentrums des Lutherischen Weltbundes. Manche Formate wie Andachten und die Konzerte auf der Schlosswiese seien Selbstläufer gewesen, andere nicht, die verantwortlichen Akteure hätten dann nachgesteuert.

„Die Stimmung in Wittenberg war gut, der Enthusiasmus vieler Beteiligten ist nachvollziehbar“, meint Kasch. „Uns haben Rekordzahlen nicht interessiert, die verhaltene Resonanz zu Beginn der Weltausstellung war auch deren Zeitdauer geschuldet, weil viele Interessierte erstmal abwarteten.“ Die vielen intensiven und internationalen Begegnungen sowie die Themenvielfalt hätten jedoch die Erwartungen übertroffen.

Eine tolle Sache für Wittenberg und die Region

„Die Reformationsfeierlichkeiten 2017 haben vieles bewegt, und das in Zeiten, in denen Stillstand zu dominieren scheint“, sagt Christoph Krause, der am Dreikönigstag 2018 von seinem Amt als Pfarrer von Bad Schmiedeberg entpflichtet wurde. Es habe viele Ideen, fantasievolle Formate und neue Akzente gegeben, das Jubiläum sei für Wittenberg und die Region eine tolle Sache gewesen. Er selbst habe alle Ausstellungen, die Pavillons der Weltausstellung sowie das Asisi-Panorama besucht, aber keine der vielen sonstigen Veranstaltungen: „Es fehlte die Zeit.“ Der Abschlussgottesdienst auf den Elbwiesen samt der Vorbereitungen hätten seiner Gemeinde viel Freude bereitet. 

Diese Freude habe aber nicht bis zum Ende getragen, es habe an der Sogwirkung auf die umliegenden Kirchengemeinden gemangelt: „Der Funke wollte nicht so recht überspringen.“ Manches Format sei für den säkularen mitteldeutschen Raum überdimensioniert gewesen, aber: „Viele Menschen sind geschichtsbewusster geworden, stolzer auf ihre Region und mancher gewisser in seinem Glauben.“




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