Das Gebäude der Stadtbibliothek ist in die Jahre gekommen und soll deshalb umfassend saniert, modernisiert und mit einer neuen Konzeption versehen werden. Foto: Archiv

Das Gebäude der Stadtbibliothek ist in die Jahre gekommen und soll deshalb umfassend saniert, modernisiert und mit einer neuen Konzeption versehen werden. Foto: Archiv

08.01.2018

Stadtbibliothek wird am jetzigen Standort umfassend saniert

OB Torsten Zugehör: Bildung ist eine kommunale Pflichtaufgabe

Wittenberg (wg). „Wir werden die Stadtbibliothek nicht der Haushaltskonsolidierung opfern, die Zeche, die wir in ein paar Jahren dafür zahlen müssten, wird um vieles größer sein“, erklärt Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. In diesem Jahr werde auf jeden Fall mit dem ersten Abschnitt des Umbaus und der Sanierung begonnen, die Fördermittel (Programm: Aktive Stadt- und Ortsteilzentren) seien bereits bewilligt. 

Auch vor dem Hintergrund der desolaten Situation in der Bildungslandschaft („kollektives Versagen über Jahre“) seien Bibliotheken unverzichtbar. Die Ergebnisse der jüngsten Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) sind erschreckend: Jedes fünfte Kind hat nach der Grundschule Probleme mit dem Textverständnis, Probleme, die in den Folgeklassen durchschlagen. 

Die Studie zeigt auch, dass sieben von zehn Kindern Spaß am Lesen haben. Stadtbibliothek und Schule ergänzen sich bei der Förderung von Lese- und Informationskompetenz. „Bibliotheken sind Bildungseinrichtungen und deshalb gehört die Stadtbibliothek zum Eigenbetrieb Kommunale Bildungseinrichtungen (KommBi)“, betont Zugehör. 

Die öffentlichen Bibliotheken sind neben dem Elternhaus und der Schule die dritte Säule der Leseförderung: Gute Lesefähigkeit ermöglicht gute Lernergebnisse und sichert somit den Schulabschluss und den Übergang in die Berufsausbildung. Die Ergebnisse der IGLU-Studie, ebenso der PISA-Studien zeigen, dass immer noch nicht genug getan wird, um die Lesefähigkeit von Kindern und Jugendlichen auf ein zukunftstaugliches Maß anzuheben. 

Damit muss so früh wie möglich begonnen werden: „Unsere Stadtbibliothek sollte die erste Adresse sein, um allen Verantwortlichen die Bedeutung des Vorlesens und Erzählens für die frühkindliche Bildung noch stärker zu vermitteln und mit gezielten Angeboten für Kitas, pädagogisches Personal und Eltern, allen Kindern den Zugang zu Büchern zu ermöglichen“, erklärt KommBi-Leiterin Annett Brachwitz und hat eine konkrete Vision: „Alle Kita-Kinder und Grundschüler der Stadt kennen und nutzen das Angebot der Stadtbibliothek, die Kooperation mit Schulen und Kitas wird in Verträgen verankert.“ 

Daraus leiten sich für die nächsten Jahre folgende Zielstellungen ab: Eine Lese-Förderung, die frühstmöglich einsetzt, dazu soll in der Bibliothek ein abgeschirmter, familiärer und kindgerechter Bereich entstehen. Unterstützung der Kitas und Grundschulen bei der Bildungsarbeit sowie die Begleitung der Schüler während der gesamten Schulzeit. 

Eine Stadtbibliothek spielt auch eine wichtige Rolle beim Übergangsmanagement von der Grund- zur weiterführenden Schule, von der Schule in die Ausbildung sowie beim lebenslangen Lernen. Stadtverwaltung und Kulturausschuss sind sich deshalb erstens einig, dass Bibliotheken keine freiwillige, sondern eine Pflichtaufgabe sind und dass zweitens die Wittenberger Stadtbibliothek saniert werden muss, inklusive einer zukunftsfähigen Neukonzeption, in der die Schwerpunkte der Arbeit definiert werden. 

Auch im digitalen Zeitalter verlieren Bibliotheken nichts von ihrer Anziehungskraft für ihre Nutzer, sie müssen sich aber als angenehmer, inspirierender und kommunikativer Ort präsentieren. Die reichlich in die Jahre gekommene Stadtbibliothek, Baujahr 1961, erfüllt diese Funktionen nicht. KommBi und Ausschuss sind sich einig, dass die Sanierung am jetzigen Standort erfolgen soll, statt einer Verlagerung ins Bildungszentrum Lindenfeld, wie sie vor Jahren zwischen Landkreis und Stadt optional angedacht wurde.

Zwar stünden dort ein großzügiges Flächenangebot und Parkplätze zur Verfügung bei gleichzeitig geringen Investitionskosten, dagegen sprechen jedoch die Aufteilung der Bibliothek auf zwei Etagen und die damit verbundenen höheren Personalkosten sowie die Vollbelegung des Bildungszentrums – ein Nutzer, die Kreisvolkshochschule, müsste verdrängt werden. 

Umbau und Sanierung der Bibliothek am Altstandort kosten zwar circa 900.000 Euro (Eigenmittel: 300.000 Euro) zuzüglich 400.000 Euro für eine neue und moderne Innenausstattung (Mobiliar, Technik), dafür spricht aber die zentrale Lage in der Altstadt und mithin gute Erreichbarkeit für alle Nutzer. Vorgesehen ist, einen Teil des offenen Innenhofes mit einem Glasdach zu versehen, die tragenden Wände aufzulösen und so die Nutzfläche zu erweitern. Im Bereich des Südflügels werden die Büros aufgelöst und komplett ins Obergeschoss verlagert – mehr Fläche für die Nutzer. Die Seitenflügel sind dann auch keine Sackgassen mehr, sondern werden mit dem Südflügel verbunden.




Video

Alaris Schmetterlingspark.m4v

mehr Videos

Videos Kultur

Alaris Schmetterlingspark.m4v
Dicke Luft und kein Verkehr - Der Zoff geht weiter
Jukebox im Clack Theater Wittenberg
Ensemble Weltkritik im Clack Theater Wittenberg: Höhenflüge in Bodennähe
Lothar Bölck: Dummerland im Clack Theater Wittenberg

Videos Politik

Bürgerforum Coswig
Auch der Wittenberger Bundestagsabgeordnete Sepp Müller (CDU) hat Angela Merkel gewählt
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 1
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 2
Koalitionsvertrag und Personaldebatten

Videos Auto

Volvo XC40 Winter-Testfahrten

Videos aus Kreistag und Stadtrat

Kommunaler Bildungsbericht im Kreistag vorgestellt
Kreistag beschließt mehr Geld für die Sporthalle im Volkspark


Wittenberger Sonntag Verlags GmbH, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: