Dr. Stefan Rhein, Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten, mit dem neuen Buch, das sich unter dem Titel „Weiterbauen, weiterdenken – Neue Häuser für Martin Luther“ mit den musealen Erweiterungen in Wittenberg, Eisleben und Mansfeld befasst.

Dr. Stefan Rhein, Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten, mit dem neuen Buch, das sich unter dem Titel „Weiterbauen, weiterdenken – Neue Häuser für Martin Luther“ mit den musealen Erweiterungen in Wittenberg, Eisleben und Mansfeld befasst.

30.12.2017

221.000 Besucher sahen die Nationale Sonderausstellung

Stiftung Luthergedenkstätten: Weiterdenken und weiterbauen

Wittenberg (wg). „Wir konnten noch nie so viele wertvolle Exponate aus Luthers Umfeld zur selben Zeit am selben Ort zeigen“, resümiert Dr. Stefan Rhein, Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag die Nationale Sonderausstellung „Luther! 95 Schätze – 95 Menschen“. 221.000 Besucher fanden den Weg ins Augusteum, wo die Sonderschau von Mai bis November 2017 zu sehen war. 

In Wittenberg, am authentischen Ort, wurde der Mensch Luther in seiner Zeit konsequent in den Mittelpunkt gerückt. „In diesem Teil der Ausstellung konnte man Luther in seinem Werdegang vom jungen Mönch zum Reformator erleben, ihn auf dem Weg von der mittelalterlichen Frömmigkeit und der Angst vor der Hölle zur Freiheit begleiten“, sagt Rhein. Gegenstände und Zeugnisse des 16. Jahrhunderts illustrierten diese Entwicklung, die der Stiftungsdirektor den „kulinarisch-historischen Teil“ nennt. Sein Lieblingsobjekt: Melanchthons Taschenuhr von 1530, die älteste Taschenuhr der Welt war eine Leihgabe aus Baltimore. 

Im Geschoss darüber zeigte die Ausstellung 95 Menschen und ihre Verbindung zu Luther vom 16. bis ins 21. Jahrhundert, darunter Astrid Lindgren, Apple-Gründer Steve Jobs und der Bürgerrechtler Martin Luther King. Als mutig, aber auch provokant wurde vielfach Edward Snowden empfunden, der als Whistleblower 2013 geheimdienstliche Dokumente an die Öffentlichkeit weitergab – von den einen als Held gefeiert, von anderen als Verräter beschimpft und verfolgt. Oder Julius Streicher, der sich bei den Nürnberger Prozessen auf Luther berief oder der Filmregisseur Pier Paolo Pasolini… 

Abgerundet wurde die Nationale Sonderausstellung durch eine Mitmachschau für Kinder unter dem Titel „Der Mönch war’s“. In mehreren Räumen wurden fragmentarisch Kloster, Universität, Marktlatz, Schloss und Thesentür nachgebildet, verbunden mit einer Straße, an der alte Gewerke vorgestellt und Handel betrieben wurde. Luther tauchte nirgends auf, dafür sein Hund Tölpel, der zum eigentlichen Helden und Publikumsliebling avancierte. Die gute Nachricht: Tölpel bleibt, ebenso die Mitmachausstellung, die zunächst als temporäres Angebot gedacht war. 

Ikonische Präsenz 

„2017 begann für uns kompliziert, denn die Pflasterarbeiten auf dem Hof konnten erst mit Verzug abgeschlossen werden“, so Rhein. Der Hof, der früher nur ein Durchgang gewesen sei, habe jetzt eine hohe Aufenthaltsqualität und sei barrierefrei. 2.000 Quadratmeter wurden mit Natursteinen neu gepflastert, der Röhrwasserbrunnen saniert, neue Sitzgelegenheiten geschaffen und zwei Magnolien gepflanzt, insgesamt 900.000 Euro investiert. 

Zur Aufwertung des Lutherhofes trug auch das vom Lions Club gesponserte Erinnerungsmal „Schwerter zu Pflugscharen“ des Hallenser Künstlers Michael Krenz bei, das dem gesamten Ensemble eine weitere historische Zeitschicht hinzufügt. Es erinnert an die spektakuläre Aktion am 24. September 1983, als der Schmied Stefan Nau das Schwert umschmiedete. „Die Friedliche Revolution hat viele Entstehungskontexte in Wittenberg, aber kein Erinnerungsmal“, erklärt Rhein. Mit dem Kunstwerk aus Corten-Stahl sei die damalige Aktion am Ort des Geschehens in Form „ikonischer Präsenz“ begreifbar geworden.

Im Mai 2017 hatte die Stiftung mit dem Bauen aufgehört, nur wenige Tage nach Abbau der Nationalen Sonderausstellung ist das Augusteum hofseitig wieder in Planen gehüllt, bis Mai 2018 soll der dritte und letzte Bauabschnitt realisiert werden – der Innenausbau im zweiten und dritten Stock des Seitenflügels und die Sanierung der Fassade.

„Bauen für Luther“ 

„Dann haben wir als Stiftung das komplette Bauprogramm abschlossen und seit 1998 insgesamt 50 Millionen Euro an den Standorten in Wittenberg, Eisleben und Mansfeld investiert“, rechnet der Stiftungsdirektor vor. Es wurde restauriert, saniert und neugebaut, letzteres vor allem, um die Baudenkmale von Fremdnutzungen (Garderobe, Sanitär, Museumsshop) zu befreien und barrierefrei zu erschließen. Die architektonischen Resultate können sich sehen lassen und wurden mit vielen Preisen bedacht. 

Unter dem Motto „Bauen für Luther“ werden diese Bauvorhaben in einer Sonderausstellung vom 4. Mai bis 22. Juli 2018 gewürdigt, zu sehen sein werden Baupläne und Modelle, jedes Objekt wird vorgestellt und dessen Baugeschichte(n) erzählt. 

Als nächstes großen Vorhaben wird die Neukonzeption der Dauerausstellung, die 2003 im Lutherhaus eröffnet wurde, in Angriff genommen. „Wir haben diese Schau für 2017 relounched, sie ist weder inhaltlich noch technisch verschlissen, aber es ist Zeit für ein neues Konzept“, betont Rhein. Die Eröffnung ist für Mai 2020 vorgesehen. So wolle man die Erfahrungen der Nationalen Sonderausstellung nutzen und den existenziellen Blick auf Luther schärfen. Der Eingang zur neuen Dauerausstellung wird über den Glasverbinder auf dem Lutherhof erfolgen, im alten Eingangsbereich das Thema Film stärker in den Fokus genommen. 

Besucherzahlen 

Verzeichnete die Stiftung Luthergedenkstätten in allen fünf Häusern 2016 rund 195.000 Besucher so waren es 2017 circa 460.000. 36,5 Prozent der Gäste kamen aus dem Ausland, die meisten aus den USA, gefolgt von Südkorea, Skandinavien, Frankreich, den Niederlanden und Spanien. Die Abteilung Kulturelle Bildung/Museumspädagogik verzeichnete ein Plus von 60 Prozent. Allein am Reformationstag registrierte das Lutherhaus 2.600 Besucher, auf dem Innenhof bildeten sich Schlangen.

„Es war ein schönes, aber auch sehr anstrengendes Jahr“, sagt Rhein und dankt den Kollegen für die hervorragende Arbeit. Denn trotz des Besucheransturms standen der Stiftung für alle fünf Standorte nur 56 Stellen zur Verfügung, inklusive Aufsicht und Kasse: „Im Gegensatz zu anderen Museen betreiben wir kein Outsorcing, sondern verlassen uns lieber auf unsere hochmotivierten Mitarbeiter.“





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