Stadtkirchenpfarrer Dr. Johannes Block mit den Krippenfiguren des polnischen Künstlers Kazimierz Kowalczyk. Foto: Wolfgang Gorsboth

Stadtkirchenpfarrer Dr. Johannes Block mit den Krippenfiguren des polnischen Künstlers Kazimierz Kowalczyk. Foto: Wolfgang Gorsboth

24.12.2017

Martin Luthers bekanntestes Weihnachtslied und seine Wirkung

Stadtkirchenpfarrer Johannes Block über „Vom Himmel hoch...“

Wittenberg (wg). „Ein großartiges Lied mit einer unglaublichen Wirkungsgeschichte“, so beschreibt Stadtkirchenpfarrer Dr. Johannes Block das Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, das 1535 im Wittenberger Gesangbuch unter der Überschrift „Ein kinder lied auff die Weinacht Christi“ erscheint und sich auch im „Weihnachtsoratorium“ von Bach wiederfindet. Luther schrieb drei Weihnachtslieder, dieses ist das bekannteste, das sich über die Grenzen der Konfessionen hinweg großer Beliebtheit erfreut. 

Vermutlich hat Luther das Lied zum Weihnachtsfest 1534 geschrieben, sein erstgeborener Sohn Hans war da acht Jahre alt. „Für ein Kinderlied ist es sehr anspruchsvoll, vielleicht ein Fingerzeig Luthers, dass man Kinder nicht unterschätzen soll“, vermutet Block. Vier Jahre nach der Erstveröffentlichung des Textes komponierte Luther die Melodie, die auch heute noch zu den bekanntesten und beliebtesten Weihnachtsliedmelodien gehört. 

Musicam habe ich lieb gehabt 

Weihnachtslieder umspannen nahezu alle Epochen und Stilbereiche der Musikgeschichte. Es gibt unter ihnen ernste Kirchenhymnen, muntere Hirtenstücke, strahlende Lutherchoräle, rührende Mariengesänge und naive Kinderlieder. Die katholische Kirche besaß bereits vor der Reformation viele deutsche Kirchenlieder, doch im Gegensatz zum Gregorianischen Choral gehörten sie nicht zur Liturgie. Erst Luther gab dem Laiengesang einen festen Platz innerhalb der liturgischen Ordnung. „Musicam habe ich allzeit lieb gehabt“, soll Luther gesagt haben. Immerhin weist er der Musik nach der Theologie den zweiten Platz zu.

„Vom Himmel hoch...“ ist trotz der Bezeichnung „Kinderlied“ überaus beziehungsreich und vielschichtig. „Das Lied ist kindgerecht und zugleich poetisch sowie theologisch von hohem Niveau“, betont Block. In den 15 Strophen sowie in der Melodie nimmt Luther ganz unterschiedliche Traditionen auf und verschmelzt diese zu einem neuen Ganzen: ein weltliches Tanzlied, das Evangelium nach Lukas und dessen volksfromme Rezeption im Krippenspiel und Kindelwiegen sowie die lateinische Weihnachtsliturgie.

Ein Engel und die Hirten 

Mit der ersten Strophe greift Luther ein weltliches Kranzspiel auf, ein zu seiner Zeit gepflegter Brauch, bei dessen Aufführung verschiedene Sänger um den Siegpreis – einen Kranz – dadurch konkurrieren, dass sie den Zuhörern spannende Neuigkeiten bieten: „Ich kumm aus frembden landen her/und bring euch vil der neuen mär/Der neuen mär bring ich so vil,/mer dann ich euch hie sagen will.“ ei Luther wird daraus: „Vom Himmel hoch, da komm ich her/Ich bring euch gute neue Mär/der guten Mär bring ich so viel,/davon ich singen und sagen will.“ 

 Luther greift damit die in Lukas 2 vorgegebene Situation auf, in der ein Engel in der Nacht den Hirten die Frohe Botschaft verkündet – die „gute neue Mär“, wobei Mär nicht für Märchen, sondern für Kunde oder Nachricht steht. Der Kern der „guten Mär“ wird dann in den Strophen zwei bis vier dargelegt: „Euch ist ein Kindlein heut geborn...“, welches sogleich heilsgeschichtlich identifiziert wird als „Herr Christ, unser Gott“, der sich als Retter „aus aller Not“, als „Heiland“ und Befreier „von allen Sünden“ erweisen will. „In diesen drei Strophen verdichtet Luther das ganze Evangelium“, sagt Block. 

Das Weihnachtslied spiegelt überdies die Stationen des mittelalterlichen Krippenspiels wider: Erstens die Verkündigung der Geburt des Heilands durch den Engel, zweitens der Aufbruch der Hirten nach Bethlehem und drittens die betrachtende Anbetung vor der Krippe bzw. Beherzigung der Botschaft. Dabei ging es Luther nicht um das Nachspielen des Evangeliums, sondern um dessen Verkündigung und Annahme in der Gegenwart. „Hier zeigt sich die Herzensfrömmigkeit der Reformation“, erklärt Block, „eine Botschaft ist erst dann am Ziel, wenn sie die Herzen der Menschen erreicht hat.“ 

Das Lied endet mit dem Lobpreis in Strophe 15, wobei die Engel nicht das auf Weihnachten folgende neue Jahr besingen, sondern den Anbruch eines neuen Äon. Gott offenbart sich in einem Kind, das in Windeln in einer Krippe liegt, im Gegenteil von Macht und Glanz „wie aller Welt Macht, Ehr und Gut/vor dir nichts gilt, nichts hilft noch tut“: Der Mensch kann sich nicht selbst erlösen, allein der Glaube an das rettende Handeln Gottes hilft. 

Weihnachtskrippe in der Stadtkirche 

Am Heiligen Abend ist sie wieder in der Stadtkirche zu sehen, die ganz besondere Krippe mit Maria, Joseph, dem Kind in der Krippe und dem Stern, gestaltet von dem polnischen Künstler Kazimierz Kowalczyk. Im Sommer war er als Künstler-Stipendiat der Cranach-Stiftung für sechs Wochen zusammen mit seiner Frau zu Gast in Wittenberg. Viele Besucher der Cranachhöfe konnten ihm bei seiner Arbeit zu sehen und seine Kunstwerke aus schwarzer Mooreiche und Lindenholz, überwiegend Figuren der Bibel, in der Ausstellung in der Werkstatt der Malschule bewundern.

„Der Wunsch, unsere Krippe zu bereichern, nahm nach Gesprächen einiger Gemeindekirchenratsmitglieder mit Herrn Kowalczyk und seiner Frau konkretere Form an“, so Pfarrer Block. „Schnell waren wir uns einig, nachdem wir Maria und Joseph, zwischengelagert im Bugenhagenhaus, noch einmal betrachtet hatten, dass ein kniender Hirte mit Schaf wohl am besten zu ihnen passen würde.“ 

Inzwischen hat der Künstler einen entsprechenden Entwurf vorgelegt. In diesem Jahr muss die Stadtkirchengemeinde noch auf den Hirten verzichten, denn es wurden erst 350 Euro an Spenden gesammelt, benötigt werden aber 2.000 Euro. 

Hinweis: 

Spenden werden erbeten auf das Konto des Kreiskirchenamtes Wittenberg, SWIFT/BIC: GENODED1DKD, IBAN: DE91350601901551748010





Videos Stimmen aus der Region

Oberbürgermeister Zugehör
Keine Angst – uns geht es gut
Kommunaler Bildungsbericht im Kreistag vorgestellt
Kreistag beschließt mehr Geld für die Sporthalle im Volkspark

Videos Politik

Bürgerforum Coswig
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 1
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 2

Videos Kultur

Neue Liedertour mit Karl Neukauf
75 Jahre Saxophone Joe
Alaris Schmetterlingspark.m4v
Dicke Luft und kein Verkehr - Der Zoff geht weiter
Jukebox im Clack Theater Wittenberg

Videos Auto

Volvo XC40 Winter-Testfahrten


Wittenberger Sonntag Verlags GmbH, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: