Gut behütet sind die Ladys in der neuen Show "LadyLike" im Wittenberger Clack Theater. Foto: Wolfgang Marchewka

Gut behütet sind die Ladys in der neuen Show "LadyLike" im Wittenberger Clack Theater. Foto: Wolfgang Marchewka

11.02.2017

Premiere im Clack Theater Wittenberg: So viele Frauen!

Wo verschiedene Ladys aus verschiedenen Zeiten erscheinen

„Neben dieser Erscheinung sieht selbst eine Königin alt aus“, grinste die gut gelaunte Zuschauerin etwas gewagt vor sich hin – angesichts der Tatsache, dass in der Lutherstadt Wittenberg tatsächlich eine echte Königin samt Gemahl erwartet worden war. Aber so sind sie halt, die Damen, wenn sie sich erwartungsfroh zu einer Premiere ins Clack Theater begeben, und wenn dann ihre nicht gerade geringen Erwartungen von den gezeigten weichen Tatsachen noch übertroffen werden. 

In der Tat war die Haltung zeigende schlanke Lady auf der Bühne faszinierend: Gewandet in ein auf ihre Figur hauteng und bodenlang maßgeschneidertes kanariengelbes Edelfummel der Marke „mit so etwas haben dereinst schon Coco Chanel in Tateinheit mit Marilyn Monroe die Männerwelt verrückt gemacht“ schreitet die Lady vor ihrem Sessel von der Güteklasse Königinnenthron auf und ab und doziert dabei über den Sinn und Unsinn dieser Welt. Die Damen im Saale kreischen vor Begeisterung, nur der schwarze Hund auf seinem ihm zugewiesenen Platz neben dem Königinnenthron verzieht keine Miene, das adelige Tier – es ist ein Neufundländer - stammt ja auch aus dem „Zwinger“ Ottmar Hörl.

 „LadyLike“ - das ist die neue Travestie-Cabaret-Show der Costa Divas, in der ganz verschiedene Ladys aus ganz verschiedenen Zeiten erscheinen, wobei der interessierte Theaterbesucher das „Erscheinen“ durchaus wörtlich nehmen kann, denn wann immer eine der beiden Ladys im Licht der Scheinwerfer auftaucht, spendet das Publikum bereits Beifall, noch ehe das erste Wort gesagt oder der erste Ton gesungen ist: Die Kostüme der beiden Damen sind einfach grandios – ganz egal, ob es sich um den Typ elegante Lady, verführerischer Vamp, sexy Weib oder um zwei trotz allen negativen Tendenzen in ihrer Heimat fröhlich tanzenden Russinnen handelt. 

Sogar eine Bayerin ist dabei, die natürlich von der Hochschule kommt – die liegt oben auf dem Hügel – und die statt bei der Bildung beim „Maßkrug-Exen“ glänzen kann. Eine der beiden Ladys, „Sweety, sorgt natürlich für die Lacher beim Publikum, wenn sie erzählt, was sich alles im Laufe der Jahre in Ladykreisen verändert hat, selbst der Gentleman vom Typ Kavalier ist von emanzipierten Damen nicht immer gefragt: „Wenn mir ein fremder Mann die Autotür öffnet, hoffe ich, dass es nicht ein Pole ist, der damit davonfahren will.“ 

Aber „Sweety“ kann auch anders, zum Beispiel wenn sie die Homophobie kritisiert, einen kleinen Streifzug durch die Wittenberger Lokalpolitik unternimmt, oder Variationen zur Farbe Braun präsentiert, am Beispiel eines Typen um die 75, so braun gebrannt, dass seine Haut aussieht wie ein antikes englisches Ledersofa: „So viel Braun an einem Menschen sieht man nur bei den Idioten der AfD!“ 

Nachdenkliches, Sensibles, Lustiges gibt es natürlich auch musikalisch für die Ohren, ein Lied ist vom Musikkabarett „Schwarze Grütze“ extra für diese Lady-Show komponiert und getextet worden: „Als ich noch Junge war.“ 

Zitat: Als ich noch Junge war, da wusst’ ich oft nicht, wie mir grad geschieht. Meine Emotionen schwankten zwischen Glück und Suizid. Erst heute weiß ich, was mich damals so verwirrt hat. Dass die Natur sich bei mir einfach mal geirrt hat. Im tiefsten Innern war mir doch schon immer klar, dass ich kein Junge war, als ich noch Junge war. 

Und „Male Diva“ beeindruckte das Publikum vor allemmit der Interpretation des sensiblen Songs „Broken Vow“, dem gebrochenen Versprechen. 

Im Premieren-Publikum saßen erneut diverse überregionale Gäste. Einige Theaterfreundewaren sogar aus Berlin angereist. Sie waren vom Gebotenen sichtlich angetan, erkundigten sich bei der Redaktion des Wittenberger Sonntag nach der Qualität der anderen Clack-Produktionen und baten die beiden Ladys „Sweety“ (Stefan Schneegaß) und „Male Diva“ (Mario Welker) um ein gemeinsames Gruppenfoto, wobei die beiden Wittenberger natürlich prompt mitspielten. 

Nur zwei Künstler, also ein geringer Aufwand für diese Show? Weit gefehlt! Allein die speziell für „LadyLike“ angefertigte Garderobe repräsentiert einen Wert von 20.000 Euro. Und hinter den Kulissen wirkte ein komplettes Kreativteam mit, angefangen von der in Paris geborenen und nun in Deutschland lebenden Kunstschneiderin Nita über den auch von ganz großen Bühnenshows bekannten Tänzer und Choreografen Ludwig Mond bis hin zum jungen Choreografie-Assistenten Tony Herrmann, der bereits als Turniertänzer beim TSV Schwarz-Gelb-Wittenberg von sich reden machte, als er mit Partnerin Carolin Schaub die Landesmeisterschaft der B-Jugend in den Standardtänzen gewann und in der Disziplin „Latein“ mit Silber nach Hause ging.

Wer die Ladys genießen möchte, hat dazu vorläufig nur noch einmal die Gelegenheit: am Donnerstag, 23. Februar um 19:30 Uhr. Danach gibt es „LadyLike“ erst wieder Gründonnerstag, 13. April.




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